„Modell 1“ kommt für Dauerausstellung ins Gaswerk

Planetarium für Bruchhausen-Vilsen: Sterne gucken voraussichtlich ab Juni möglich

Die Sterne zum Greifen nah: Romke Schievink stellte das Zeiss-Planetarium „Modell 1“ beim dritten historischen Teleskop-Treffen vor.
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Die Sterne zum Greifen nah: Romke Schievink stellte das Zeiss-Planetarium „Modell 1“ beim dritten historischen Teleskop-Treffen vor.

Br.-Vilsen – Vom Zeiss-Planetarium „Modell 1“ sind vor etwa 100 Jahren nur zwei Modelle gebaut worden. Das einzig noch heute funktionierende stellt voraussichtlich ab Juni oder Juli Besuchern in Bruchhausen-Vilsen den Sternenhimmel dar. Dass das Museum Den Haag diese Rarität langfristig ausleiht, hat die Gemeinde Romke Schievink zu verdanken.

  • In das Alte Gaswerk in Bruchhausen-Vilsen zieht bald ein historisches Planetarium ein.
  • Das Museum Den Haag bot der Gemeinde an das 100-jährige Gerät als langfristige Ausleihe zu nutzen.
  • Zu verdanken hat Bruchhausen-Vilsen das Planetarium einem besonderen Mann: Romke Schievink.

Der gebürtige Niederländer und seine Lebensgefährtin Bea Tilanus haben im Sommer 2020 die Wassermühle Bruchmühlen gekauft. Er ist leidenschaftlicher und kenntnisreicher Hobby-Astronom. Das nach einem Brand stark beschädigte Planetarium von 1924 hatte ihm das Museum Den Haag zur Reparatur anvertraut – und überlässt es ihm jetzt für einen außergewöhnlichen wie spektakulären Einsatz: In diesem und im nächsten Jahr baut Romke Schievink das Planetarium im Alten Gaswerk in Bruchhausen-Vilsen auf und wird Besuchern oft Gelegenheit geben, sich den Sternenhimmel anzusehen. Zusätzlich soll es eine Ausstellung von historischen Teleskopen und Filme geben.

„Ich persönlich und der gesamte Rat sind wirklich stolz, dass wir diese Projektion auf Dauer in Bruchhausen-Vilsen präsentieren können“, sagte Bürgermeister Lars Bierfischer gestern bei einem Pressetermin. „Das wird unseren Ort noch bekannter machen.“ Das historische Gaswerk in unmittelbarer Nähe zur Museumseisenbahn halte er für einen „perfekten Ort“, diese Rarität zu präsentieren.

Auf eine neun Meter breite und sechs Meter hohe Licht undurchlässige Kuppel wird der spektakuläre Projektor den Sternenhimmel der nördlichen Halbkugel projizieren. Auf Kupferplatten, die weniger als einen Millimeter dick sind, haben die Erbauer vor fast 100 Jahren die Sternenbilder von Hand eingestochen. „Das sind 5 000 einzelne Sterne. Daran haben sie rund zwei bis drei Generationen gearbeitet“, erzählt Romke Schievink. Begeistert ist er von der Präzision dieser Arbeit: „Diese Sternenkonstellationen entsprechen absolut den aktuellen Bildern.“

Planetarium in Bruchhausen-Vilsen: Gerät 1976 fast durch Brand zerstört

Sichtbar wird das Firmament durch einen Projektor, den die für Optiken weltweit bekannte Firma Zeiss entwickelt hat. Dieses Gerät hat einen technischen Zwilling. Dieser steht im Deutschen Museum in München, funktioniert aber nicht mehr. Dieses Schicksal widerfuhr auch dem Gerät, das Bruchhausen-Vilsen um eine Attraktion reicher machen soll. Bei einem Brand wurde das Planetarium 1976 stark beschädigt. Astronomen glaubten es sogar verloren.

„Ich habe es kurz nach der Katastrophe gesehen und war sicher, es ist noch vorhanden“, erzählt Romke Schievink von der abenteuerlichen Geschichte, die das Zeisssche Projektions-Planetarium hinter sich hat. Eine Geschichte, an der er nicht unbeteiligt ist.

Auf seine Initiative hin forschte das Museum im Keller nach dem Schatz. Und wurde fündig. Löschwasser hatte dem wertvollen Gerät zugesetzt. „Es war ramponiert“, erzählt Romke Schievink. Nach einer mechanischen Reparatur überließ das Museum ihm und einem kundigen Freundeskreis das Gerät „für den optischen Feinschliff“.

Planetarium in Bruchhausen-Vilsen: Gaswerk muss für den Aufbau umgestaltet werden

Dabei musste er auf Erfahrung setzen, denn weder das nötige Werkzeug noch Unterlagen waren vorhanden, nicht einmal beim Hersteller selbst. Für zwei defekte Linsen hat er in der Szene Ersatz gefunden. Das Bedienungselement aber bleibt verschwunden. Schievink steuert das Gerät jetzt über den Computer an und setzt auf moderne LED-Technik. „Alles kann aber wieder zurückgebaut und in den Originalzustand versetzt werden“, betont er. „Das Alte geht nicht verloren“, ist ihm wichtig. Seine Arbeitsschritte dokumentiert er detailliert.

Den Menschen den Himmel näherbringen: Gemeinsam wollen das (von links) Romke Schievink, seine Lebensgefährtin Bea Tilanus, Wilfried Müller, Peter Schmidt-Bormann und Dieter Borcherding (VVV) sowie Fleckenbürgermeister Lars Bierfischer möglich machen. Das Plakat von 1927 zeigt das Planetarium „Modell 1“.

Um die Kuppel im Gaswerk aufstellen zu können, müssen einige Innenwände weichen. „Sie sind nicht original und sollten ohnehin irgendwann abgetragen werden“, sagte Lars Bierfischer. Aktuell würden noch die nötigen Zuschussanträge für den Rückbau laufen. Die Gemeinde als Eigentümerin hat die Nutzung des Gebäudes an den Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) übertragen. „Wir sind dankbar, dass der Verein unsere Idee mitträgt“, wandte sich Lars Bierfischer an Vorstandsmitglied Wilfried Müller, der ebenfalls begeistert von dem neuen Raumnutzungskonzept ist.

„Wir sind für neue Dinge offen“, sagt er. Besonders freut er sich darüber, dass Veranstaltungen aller Art in das Planetarium integriert werden könnten, ohne es abzubauen. Dem stimmt auch Peter Schmidt-Bormann zu, ebenfalls aktiv im VVV und Vorsitzender des Kunst- und Kulturvereins Bruchhausen-Vilsen. „Durch den Umbau wird auch die Akustik bei Konzerten deutlich besser“, ist er sich sicher.

Planetarium in Bruchhausen-Vilsen: Vorstellungen im Gaswerk reichen von 20 Minuten bis zu einer Stunde

Für Vorstellungen, die jeweils von 20 Minuten bis zu einer Stunde dauern könnten, möchte Romke Schievink das Planetarium besonders an den Wochenenden öffnen, vor allem während der Saison der Museumseisenbahn. Aber auch unter der Woche soll es Vorstellungen geben. Und in jedem Fall für Schulklassen, so eine Absprache mit der Gemeinde. Der Bürgermeister hofft nämlich, dass es mindestens mit den lokalen Schulen zu gemeinsamen Projekten kommen kann, so lange diese einmalige Version des „Modell 1“ in Bruchhausen-Vilsen zu Gast sein kann.

„Das ist eine große Chance für uns“, sagte Lars Bierfischer. Zwar soll das Gerät irgendwann wieder zurück nach Den Haag, aber nun sei es erst einmal für zwei Jahre in der Gemeinde, wodurch diese Teil der Planetarium-Geschichte werde, fügt Romke Schievink hinzu.

Von Anne-katrin Schwarze Und Nala Harries

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