Landkreis nimmt Scharräume ab / 23 Prozent mehr Platz für Geflügel

Pilotprojekt in Schwarme

Einige Hühner haben den Weg aus dem Stall durch die Öffnungen in den neuen Kaltscharraum bereits gefunden. Foto: Heiner Büntemeyer

Schwarme – Martin Loerke, geschäftsführender Inhaber der Firma „Schwarmer Broiler“, die Geflügel produziert, ist erleichtert: Erst vor wenigen Tagen hat der Landkreis Diepholz die von ihm errichteten Scharräume abgenommen, um die er seine vier Geflügelmastställe erweitert hat. Wie berichtet, hatte der Betrieb eine Bauvoranfrage an das Kreisbauamt gerichtet. Dieses erteilte eine Baugenehmigung für den Anbau von vier Scharräumen an die vorhandenen Ställe.

Die Zahl der gehaltenen Tiere wird durch das Vorhaben nicht höher, aber die Tiere verfügen jetzt über 23 Prozent mehr Platz und die Haltungsbedingungen würden sich laut Martin Loerke dadurch ganz erheblich verbessern.

Die neuen, sogenannten Kaltscharräume sind sechs Meter breit. Ein Schleppdach erstreckt sich vom ursprünglichen Stallgebäude bis zu einer etwa einen Meter hohen Betonaufkantung mit einem Gitter, das bis zum Dach reicht. Eine automatisch geregelte Jalousie schützt vor Zugluft und verhindert, dass die Scharräume zu sehr auskühlen. Inzwischen sind 29 900 Tiere pro Stall eingezogen und Martin Loerke beobachtet zufrieden, wie die Küken sich ihren neuen Lebensraum erobern.

Sobald die Außentemperatur fünf Grad erreicht hat, öffnen sich die Jalousien des Anbaus und das Geflügel kann sich an der frischen Luft bewegen. Im Scharraum herrsche annähernd Außenklima, das mit seinen unterschiedlichen Temperaturen und abweichender Luftfeuchtigkeit auch den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere entspreche.

Obgleich sich die Anzahl der pro Durchgang gehaltenen Tiere nicht verändert, hat der Landwirt vor Baubeginn ein Emissionsgutachten erstellen lassen müssen. Es bestätigt seine Vermutung, dass sich durch den vergrößerten Aufenthaltsraum der Tiere die bisherige Geruchsintensität sogar verringern könnte.

Der Boden der Scharräume ist mit Stroh und einem Dinkelspelzgranulat ausgelegt, in dem die Hennen und Hähne scharren und sich „pudern“ können. Auch das entspreche ihrem natürlichen Verhalten und trage zum Tierwohl bei.

Gefüttert werde das Geflügel mit Fertigfutter, das frei von gentechnisch veränderten Bestandteilen sei, dem betriebseigenes Getreide zugemischt werde.

„Mit dieser Anlage gehe ich einige Stufen über die Forderungen der ,Initiative Tierwohl‘ hinaus“, berichtet Martin Loerke. Das hat mehrere Gründe. Zunächst setzt der Landwirt auf Nachhaltigkeit, da er vermutet, dass die Vorschriften für Mastanlagen noch weiter verschärft werden. Aber er ist sich gleichermaßen sicher, dass er mit seiner Anlage auch auf lange Sicht „auf der sicheren Seite“ steht. Außerdem ist Martin Loerke sehr daran interessiert, den von ihm gehaltenen Tieren möglichst optimale Lebensbedingungen zu bieten, ohne dass er die Wirtschaftlichkeit vernachlässigen muss. Der Landwirt hofft, dass die Tiere das Futter künftig besser verwerten werden. Zwar rechnet er nicht damit, dass sich die Fleischmenge wesentlich erhöht, aber er geht von einer erheblich besseren Qualität aus, die sich für ihn dann auch preislich auswirkt. Immerhin hat Martin Loerke rund 400 000 Euro in dieses Projekt investiert, von dem er gegenwärtig nur hoffen kann, dass diese Kosten sich irgendwann amortisieren.

In den Niederlanden gibt es Kaltscharräume laut dem Landwirt bereits seit mehreren Jahren, doch in Deutschland steht die seiner Meinung nach bisher einzige Anlage dieser Art in der Schwarmer Heide. „Es ist ein echtes Pilotprojekt, dessen Entwicklung ich jetzt aufmerksam beobachten werde“, sagt Martin Loerke.

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