Bernd Beschorner aus Schwarme steht an der Spitze der deutschen Modellflieger

Ein Pilot, der auf dem Boden bleibt

Bernd Beschorner und sein Hochleistungs-Kunstflugmodell. Die Extra 300 schafft locker 300 Stundenkilometer und hat eine Spannweite von 3,22 Metern.

Schwarme - Von Ulf Kaack. Bernd Beschorner ist ein Pilot mit Bodenhaftung. Das Cockpit seiner Maschine misst gerade mal 40 Zentimeter in der Breite. Während sie fliegt, bleibt er mit beiden Beinen auf der Erde, die Fernsteuerung fest in den Händen.

Mit gut 200 Stundenkilometern rast das Flugzeug über die grasbewachsene Start- und Landebahn des Schwarmer Modellflugvereins. Mit einem Ruck legt es sich auf den Rücken, um im selben Moment steil in den Himmel aufzusteigen. Effektvoll dringt Rauch aus dem Rumpf. Zwei aufeinanderfolgende Loopings, dann schießt der Tiefdecker im rasanten Sturzflug dem Boden entgegen. Und landet sanft.

Der Mann an der Fernsteuerung agiert cool und routiniert. Kein Wunder: Der Schwarmer Bernd Beschorner steht unangefochten an der Spitze bei den deutschen Modellfliegern. Zehn Mal war er Deutscher Meister in dieser exotischen Sportart. Er flog in der Bundesliga und der Nationalmannschaft.

Bei seiner ersten Weltmeisterschaft 1999 in Florida/USA qualifizierte er sich aus dem Stand für das Finale. In der Folge nahm er noch fünf Mal an dem internationalen Wettbewerb teil. Stets war er ganz vorn platziert, mehrfach verpasste er den Titel nur um Haaresbreite. Auch bei den Europameisterschaften war er oft ganz vorne mit dabei und verließ zwischen 2001 und 2012 die Top Ten nicht. Mehrfach flog er zudem bei Profi-Wettbewerben in die USA. Welch eine Bilanz!

Bereits seit Kindsbeinen hat sich Bernd Beschorner der Modellfliegerei verschrieben. Kein Wunder, sagt er: „Mein Vater und mein Bruder waren leidenschaftliche Flieger. Sie haben mich massiv in allen Bereichen gefördert, mir alles beigebracht: Flugzeugbau, Aerodynamik, Elektronik … Und sie haben mich schließlich an die sportlichen Wettkämpfe herangeführt.“

Schnell machte sich Beschorner einen Namen in der Szene. Seine Erfolge riefen auch Sponsoren und die Industrie auf den Plan. Er teste Flugzeug-Prototypen und gab Verbesserungen an die Hersteller weiter. Ein koreanischer Akkuhersteller versorgte ihn mit Equipment im Wert von 25 000 Euro. Bis heute ist der 42-Jährige eng mit seinem Hauptsponsor Multiplex verbunden, dem weltweit führenden Hersteller für Fernsteuerungen, Elektronik und Flugmodelle. Für das Unternehmen arbeitet er in seiner Freizeit als Testpilot und Entwickler, ist Markenbotschafter sowie Repräsentant auf Fachmessen und Flugshows. „Ohne meine Sponsoren wäre meine Teilnahme an den vielen internationalen Wettbewerben nicht möglich gewesen“, sagt er. „So konnte ich mein semiprofessionelles Hobby praktisch zum Nulltarif ausüben.“

Wenn er ein neu entwickeltes Flugzeug einfliegt, gehen dabei schon mal 40 Stunden für das optimale Einstellen aller Komponenten drauf. Damit realisiert Bernd Beschorner in der Regel einen 15-prozentigen Leistungszuwachs für die spätere Serienfertigung.

Auch beruflich ist der gebürtige Bremer eng mit der Luftfahrt verbunden. Er hat Metallbau und Konstruktion gelernt, ein Hochschulstudium der Luft- und Raumfahrttechnik absolviert und war viele Jahre bei Airbus in leitender Position. Seit 2013 leitet er bei Deharde in Varel – einem hochspezialisierten Airbus-Zulieferer – die Bereiche Rumpfbau, Entwicklung und Business.

Vom Job her voll eingespannt, hat Bernd Beschorner 2012 seine Wettbewerbsaktivitäten eingestellt. Stattdessen widmet er sich nun der Jugendarbeit in seinem Sport. Seine Heimat ist der Modellflugverein Schwarme geworden, dessen Vorsitzender er ist. Aus diesem Grund ist er vor einigen Jahren aus der Hansestadt Bremen hinaus nach Schwarme gezogen.

Was macht den Charme bei der Modellfliegerei aus? „Viele Flieger interessiert das Bauen der Flugzeuge mehr als das eigentliche Fliegen“, sagt Bernd Beschorner. „Wer jedoch sein Herz für den Kunstflug entdeckt hat, der benötigt vor allem eine gute Motorik in den Händen, um die beiden Hebel der Fernsteuerung präzise bedienen zu können. Das sieht einfacher aus, als es ist – eine blitzartige Auffassungsgabe ist unabdingbar. Eine technische Affinität sowie Kenntnisse in Aerodynamik und Meteorologie sind ebenso wichtig. Aber das lässt sich alles erlernen und trainieren.“

Im Cockpit eines „echten“ Flugzeugs Platz zu nehmen, ist für Bernd Beschorner weniger attraktiv: „Ich bin häufig beruflich in den verschiedensten Maschinen unterwegs. Das reicht mir. Über einen Pilotenschein habe ich nie ernsthaft nachgedacht, denn meine Fliegerleidenschaft findet vom Boden aus statt.“

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