Sozialministerium ehrt Engagement mit Preis

Bruchhausen-Vilser Pfadfinder setzen sich für Kinderrechte ein

Die aktiven Mitglieder des Stammes Rotmilan aus Bruchhausen-Vilsen sind im Alter von sieben bis 25 Jahren. Da auch die Gruppenleiter noch jung sind, kann stets auf Augenhöhe diskutiert werden.
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Die aktiven Mitglieder des Stammes Rotmilan aus Bruchhausen-Vilsen sind im Alter von sieben bis 25 Jahren. Da auch die Gruppenleiter noch jung sind, kann stets auf Augenhöhe diskutiert werden.

Br.-Vilsen – Der Stamm Rotmilan hat sich ein großes Thema auf die Fahnen geschrieben hat: Er will seinen Pfadfinder-Mitgliedern zeigen, welche Rechte Kinder haben.

„In der heutigen Zeit wird Kindern viel vorgesetzt. Wir finden es wichtig, dass sie das hinterfragen“, sagt Jana Thiele. Das war einer der Gründe, warum sich der Stamm Rotmilan im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder ein großes Thema auf die Fahnen geschrieben hat: Er will seinen derzeit 55 Aktiven zwischen sieben und 25 Jahren zeigen, welche Rechte Kinder haben.

Und wie sie diese einfordern können. Dass der gemeinsame Einsatz aller Gruppen für dieses wichtige Thema jetzt gewürdigt wurde, freut Maya von der Behrens (24) und Jana Thiele (33) besonders.

Vor wenigen Wochen wurde der Stamm Rotmilan aus Bruchhausen-Vilsen als eine von drei Organisationen in ganz Niedersachsen mit dem „KinderHabenRechtePreis“ von Sozialministerin Daniela Behrens ausgezeichnet (wir berichteten). Die Jury lobte die Aktivitäten des Stammes: „Partizipation braucht Zeit, Bereitschaft und Offenheit für Veränderung. Die Jury würdigt auch ausdrücklich das großartige ehrenamtliche Engagement und wünscht allen Beteiligten weiterhin Erfolg und Zusammenhalt im Projekt ‚Knowhow mit Abenteuer‘.“

Die Pfadfinder setzen dabei nicht auf trockene Wissensvermittlung. Eher das Gegenteil sei der Fall, sagt Maya von der Behrens. „Mit spielerischen und methodischen Inhalten werden die Kinderrechte erarbeitet“, erklärt Jana Thiele. Auf zehn Kinderrechte konzentrieren sich die Pfadfinder, darunter das Recht auf Spiel und Freizeit sowie auf das Recht zur Mitbestimmung und Mitsprache. Und die Umsetzung? „Das macht jede Gruppe anders“, sagt die 33-Jährige.

Die Gruppenleitungen überlegen sich jeweils, wie sie den Kindern und Jugendlichen die Rechte näherbringen und aus Theorie gelebte Praxis machen. Mitdenken und die Kinderrechte in kleinen Gruppenarbeiten altersgerecht aufzuarbeiten, sei dabei ein Mittel zum Zweck. „Denn alle sollen am Ende ein Gespür dafür entwickeln, welche Rechte sie haben“, sagt Maya von der Behrens. Dass die Pfadfinder durch und durch basisdemokratisch organisiert seien, sei eine gute Ausgangsbasis, finden Jana Thiele und Maya von der Behrens. Auch die Tatsache, dass die Gruppenleiterinnen und -leiter selbst erst zwischen 15 und 19 Jahre alt seien, ermögliche eine Diskussion auf Augenhöhe.

Das blau-gelbe Halstuch erhalten Mitglieder, nachdem sie das Pfadfinderversprechen abgelegt haben.

Die Ergebnisse aller Gruppen werden gesammelt und sollen am Ende in ein Video oder ein Buch münden. Damit könnten künftige Pfadfinder-Generationen direkt daran anknüpfen. Dafür möchte der Stamm Rotmilan einen Teil seines 3 000 Euro hohen Preisgeldes nutzen. Ein weiterer Teil soll in eine Speicher-Cloud investiert werden. „Denn wir haben keinen Computer, den wir gemeinsam nutzen“, sagt Jana Thiele. Stattdessen müsse jeder sein Privatgerät verwenden. Eine Cloud würde es ermöglichen, Daten an einer zentralen Stelle zu sammeln. Auch alle Informationen rund um ihr Kinderrechte-Projekt wollen sie dort zusammenstellen. „Wir sind eine Jugendbewegung, arbeiten ehrenamtlich und sind keine Leute, die das beruflich machen“, unterstreicht Jana Thiele und freut sich einmal mehr über den Gewinn des Preises.

Basisdemokratie spielt bei den Pfadfindern eine große Rolle. So können auch schon Wölflinge die Stammesleitung wählen. Auch Kritik soll jeder offen äußern können: Der Stamm Rotmilan will neben dem Stammesrat den sogenannten „Ratsfelsen“ etablieren. Kinder und Jugendliche kommunizieren dabei in einem geschützten Rahmen. „Uns ist wichtig, dass unsere Mitglieder sich mit ihren Wünschen ernstgenommen fühlen“, sagen Maya von der Behrens und Jana Thiele.

Was für ihre Freizeit im Kreis der Pfadfinderinnen und Pfadfinder gelte, solle auch sonst möglich sein. „Kinder haben ein Recht auf das Postgeheimnis und auf ihre Privatsphäre“, nennt Maya von der Behrens ein weiteres Beispiel für ein Kinderrecht. „Es ist wichtig, für seine eigene Meinung einzutreten“, sagt Jana Thiele. „Schließlich sind Kinder die Möglichkeit, eine bessere Zukunft zu gestalten.“ Und dafür sollten sie nun mal ihre Rechte kennen. „Sie sollen den Mut haben, den Mund aufzumachen“, findet Jana Thiele. Sie zu stärken, eine Partizipation auch der Jüngsten zu ermöglichen – das möchte der Stamm Rotmilan erreichen.

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