Zurück zum ursprünglichen Zustand

Altes Pastorenhaus in Martfeld: Experten verfüllen Wände mit Lehm

In einer ganzen Reihe von Kübeln wird der aus dem Bereich der Mittelweser stammende Lehm mit Wasser eingesumpft und mit Kuhdung verrührt. Anschließend kommt noch Rapsstroh hinzu. Martin Tolksdorf von der „Arbeitsgemeinschaft Altes Pastorenhaus“ sowie die Lehmbauer Lars Duve, Hans-Peter Poeplau und Thekla Daniels (von links) wollen mit dem Gemisch das historische Gebäude restaurieren.
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In einer ganzen Reihe von Kübeln wird der aus dem Bereich der Mittelweser stammende Lehm mit Wasser eingesumpft und mit Kuhdung verrührt. Anschließend kommt noch Rapsstroh hinzu. Martin Tolksdorf von der „Arbeitsgemeinschaft Altes Pastorenhaus“ sowie die Lehmbauer Lars Duve, Hans-Peter Poeplau und Thekla Daniels (von links) wollen mit dem Gemisch das historische Gebäude restaurieren.

Martfeld – Experten haben die Wände des Alte Pastorenhauses in Martfeld annähernd in ihren ursprünglichen Zustand versetzt: mit einer Mischung aus Lehm, Dung und Stroh.

Lehm als Baustoff und Bindemittel wird schon seit undenklichen Zeiten verwendet und gilt zusammen mit Holz als das älteste Baumaterial des Menschen. Entsprechende Techniken sind seit vielen Tausend Jahren bekannt, und noch heute lebt etwa ein Drittel der Menschheit in Lehmhäusern.

Auch die Menschen in der Region wussten beide Materialien über viele Jahrhunderte zu nutzen und zu schätzen. In den alten Fachwerkgebäuden bildeten vereinfacht ausgedrückt die Holzbalken deren Skelett, während die jeweiligen Fächer – entweder mit Flechtwerk oder mit Staken versehen – mit Lehm verfüllt wurden.

Es lag daher nahe, bei dem aus dem Jahr 1538 stammenden Alten Pastorenhaus in Martfeld, das im vergangenen Jahr freigelegt und an seinen neuen Standort verrollt worden ist, auf bewährte Techniken zurückzugreifen und Lehm als Baustoff für die Wände zu verwenden. Zumal schon erste Befunde gezeigt hatten, dass zumindest an einigen Stellen noch Teile der ursprünglichen Lehmausfachung erhalten geblieben sind.

Die mit der Restaurierung betraute „Arbeitsgemeinschaft Altes Pastorenhaus“ hat daher auch diesen Arbeitsabschnitt unter Fachbetrieben ausgeschrieben, wobei sie zur Auflage machte, möglichst Rohstoffe aus der Region zu verwenden. Die Firma Restaurum aus Lengerich sah sich hierzu in der Lage und erhielt schließlich den Zuschlag. Firmeninhaber Hans-Peter Poeplau hat sich inzwischen an die praktische Durchführung des Vorhabens gemacht, wobei er mit seinem Kollegen Lars Duve aus Lienen-Kattenvenne sowie Thekla Daniels aus Warpe und Peter Berghoff aus Häuslingen – allesamt erfahrene Lehmbauer – seinerseits eine Arbeitsgemeinschaft bildet.

In einer ganzen Reihe von Kübeln wird der aus dem Bereich der Mittelweser stammende Lehm mit Wasser eingesumpft und mit Kuhdung verrührt. Anschließend wird diese „Soße“ im Zwangsmischer mit Rapsstroh vermengt, um schließlich als Leichtlehmschicht zwischen den Staken platziert zu werden. Diese Stroh-Kuhdung-Lehm-Mischung ist nach Worten von Hans-Peter Poeplau besonders wetterbeständig. Er freut sich in diesem Zusammenhang sehr über die tatkräftige Unterstützung durch Wilken Rippe aus Eitzendorf, der das benötigte Rapsstroh bereitgestellt und sogar noch kurzfristig zwei weitere Rundballen nachgeliefert hat. Auch Familie Stubbemann aus Martfeld-Hollen gebührt Dank. Von ihrem Biolandhof stammt der Kuhdung. „Das ist hier alles ein großes Gemeinschaftsprojekt und macht für mich seinen besonderen Wert aus“, fügte Poeplau hinzu.

Nachdem die ausgestakten Fächer verfüllt worden sind, muss die Lehmschicht, deren Kuhdung-Anteil noch dezent zu riechen ist, zunächst einmal etwa anderthalb Monate trocknen. Erst danach kann außen der Feinputz angebracht werden, der ebenfalls noch „Kohschiet“ enthält, so der Firmeninhaber. Innen werden die Wände zunächst mit einer dünnen Dämmschicht thermisch abgekoppelt, anschließend werden heizende Niedervolt-Strommatten in den Lehm verputzt. Zu guter Letzt erhalten die Innenwände noch einen Sumpfkalk-Anstrich.

Wenngleich diese modifizierte Technik nicht mehr ganz den historischen Vorbildern entspricht, hat sie bei entsprechender Wartung und Pflege doch den großen Vorteil, einen dauerhaften Erhalt der Bausubstanz zu gewährleisten.

Die biologischen Vorzüge von Lehm bestehen darin, dass er frei von gesundheitsgefährdenden Stoffen ist, Gerüche aus der Raumluft bindet, als ausgesprochen allergikerfreundlich gilt und die Luftfeuchtigkeit reguliert. Darüber hinaus lässt er sich mit geringem Energieeinsatz aufbereiten, erfreut sich langer Haltbarkeit, ist wartungsfreundlich, konserviert pflanzliche Stoffe und lässt sich zu 100 Prozent recyceln, um nur die wichtigsten ökologischen Aspekte aufzuzählen. Er eignet sich daher wie kein anderer Baustoff für das denkmalgerechte Instandsetzen von historischen Fachwerkhäusern, da er – richtig angewendet – das Holz und somit das Tragskelett über lange Zeiträume hinweg gesund hält. „Holz und Lehm sind eine geniale Kombination“, bringt es Hans-Peter Poeplau dann auch ebenso knapp wie präzise auf den Punkt.

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