Den Gegner aufs Dach legen

„Outsider’s“ veranstalten im August Stockcar-Rennen in Martfeld

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Mathias Banehr (links) und Gino Porembski basteln an einem Stockcar. Sie gehören zum „Outsider’s“-Team, das ein Rennen in Martfeld veranstaltet.

Martfeld - Von Vivian Krause. Mathias Banehr steht vor einer Scheune an der Straße Brandheide in Martfeld. Mit einem Ruck zieht er das Tor auf und offenbart den Blick in seine heiligen Mauern oder vielmehr Holzbretter: die Werkstatt, in der Stockcars entstehen. Es riecht nach Benzin, Werkzeuge warten auf ihren Einsatz, über den Köpfen ist ein Wagen aufgebockt. „Das ist meiner“, sagt Banehr grinsend.

Doch er fährt nicht nur selbst bei Rennen mit, er veranstaltet auch eins. Und zwar den zweiten Lauf zur nordwestdeutschen Meisterschaft im Stockcar-Fahren in Martfeld. Gemeinsam mit seinem Team „Outsider’s“ organisiert er das Event, das am 19. und 20. August stattfindet. Bei dem Rennen kommt es nicht nur darauf an, als Erster ins Ziel zu kommen. Bei der Meisterschaft der Interessengemeinschaft Nordwest (IGNW) geht es vor allem darum, den Gegner aufs Dach zu legen. „Das bringt die meisten Punkte“, erklärt Banehr. Auch sogenannte Dreher geben Punkte. Dazu rammen die Fahrer ihre Konkurrenz. Bei nicht korrektem Verhalten – zum Beispiel darf man es nicht auf die Fahrertür absehen – gibt es Minuspunkte.

Hohe Sicherheitsvorschriften

Klingt gefährlich. „Ich hatte schon mal den ein oder anderen blauen Fleck“, sagt Banehr. Er würde nie behaupten, „dass nie etwas passieren könnte“. Er betont die hohen Sicherheitsvorschriften. Jedes Fahrzeug wird vor dem Rennen nach dem Reglement der Interessengemeinschaft Nordwest abgenommen. Dabei geht es unter anderem um die Bauweise, den Überrollkäfig, die Bremsen und die Dichtheit aller Leitungen. Der Fahrer selbst trägt Schutzkleidung. 95 Prozent der Arbeit beim Stockcar-Bau liege in der Sicherheit, schätzt Banehr. Sobald das Fahrzeug den Reglements entspricht, ist es ein Stockcar, „vorher ist es nur ein umgebautes Auto“, sagt der 43-Jährige.

Stockcar-Fahren sei ein Geschicklichkeitssport. „Viele denken, es geht nur darum, alles kaputt zu fahren“, bedauert Banehr. Doch es braucht Taktik, um in einem gewissen Zeitraum so viele Punkte wie möglich zu sammeln. „Die große Kunst ist es, das Auto heile zu lassen, um weiterzufahren“, sagt Banehr.

Günstigste Variante: 500 Euro und zwei Wochen Bauzeit

In so einem Stockcar stecken viel Arbeit und Zeit. Zumindest bei Mathias Banehr. Er verbringt jede freie Minute in der Werkstatt. Doch das liege im Ermessen eines jeden Fahrers. „Die günstigste Variante ist für rund 500 Euro zu haben und in zwei Wochen zu bauen“, schätzt Banehr. Es brauche lediglich ein Auto vom Schrottplatz, Material, eine Werkstatt und handwerkliches Geschick. Je höher die Klasse der Fahrer dabei ist, desto teurer wird auch das Auto.

Gefahren wird in vier Klassen, die sich nach der Motorgröße einteilen. Die vierte wird auch Junior-Klasse genannt. „Am besten entscheidet sich der Fahrer für ein Modell, bei dem Ersatzteile gut zu besorgen sind“, erklärt Mathias Banehrs Frau Edda Banehr. „Mit der Zeit merkt der Fahrer, welches Teil bei seinem Stockcar immer kaputtgeht.“ Oft seien das die Reifen. Sollte das während des Rennens passieren, wird das Stockcar direkt im Feld repariert. Mathias Banehr zeigt stolz das Werkzeug für alle Fälle: einen Hammer. „Damit kriegen wir alle Autos erst mal wieder hin“, sagt er und grinst. Oft sei einfach ein wenig Improvisationstalent gefragt.

Banehr hat anfangs noch seinem Sohn Marcel geholfen, Stockcars zu bauen, und fährt erst seit etwa fünf Jahren selbst Rennen mit. Jetzt hat er einen Hof mit acht Autos, drei fertige Stockcars und die Werkstatt mit allerlei Ersatzteilen und halb fertigen oder noch vom vergangenen Rennen angeschlagenen Autos.

Das für Anfang August geplante Rennen ist bereits das vierte, das von den „Outsider’s“ organisiert wird, aber das erste in Martfeld. Die anderen Rennen waren in Vierden bei Sittensen (Landkreis Rotenburg).

Das Team gibt es seit etwa fünf Jahren. Derzeit besteht es aus zwölf Mitgliedern. Der Großteil kommt aus Martfeld und Umgebung. Daher fiel die Wahl auf ein rund sieben Hektar großes Feld zwischen dem Tuschendorfer Weg und dem Mühlenweg. Die Banehrs rechnen mit einem Starterfeld von 50 Fahrzeugen und Teilnehmern aus drei Teams, die alle der IGNW angehören: Stock-Car-Club (SCC) Bramsche (Landkreis Osnabrück), Motorsport Club (MSC) Linsburg (Landkreis Nienburg) und Kleeblatt-Team (Preußisch Oldendorf im Kreis Minden-Lübbecke).

Juniorklasse ab 14 Jahren

Edda Banehr übernimmt an dem Wochenende die Punkterichter-Aufsicht. Sie koordiniert die Arbeit der Punkterichter. „Jeder muss ein Fahrzeug im Auge behalten“, sagt sie. Bei etwa zehn Teilnehmern pro Klasse braucht es zehn Punkterichter.

„Wir haben Schwierigkeiten, Nachwuchs zu bekommen“, sagt Mathias Banehr. Dabei müsste der Sport gerade für Jüngere einen Reiz haben. Ab 14 Jahren darf in der Juniorklasse gefahren werden, ohne Führerschein, aber mit Erlaubnis der Eltern. Mit 18 Jahren ist ein Führerschein dann Pflicht.

„Wir möchten die jungen Leute ans Handwerk ranführen“, sagt Mathias Banehr. Dabei hilft er den Nachwuchs-Fahrern gerne. Aktuell schraubt er mit Gino Porembski an einem Wagen. Der 17-Jährige ist vergangenes Jahr sein erstes Rennen gefahren, auch in Martfeld will er dabei sein. „Es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung, man kann Leute rammen … Man darf alles, was auf der Straße verboten ist“, sagt er über den Reiz des Stockcar-Rennens. Und Mathias Banehr fügt an: „Zwischen den Teams herrscht ein großer Zusammenhalt. Aber auf dem Acker sind wir dann Gegner.“

1000 Besucher erwartet

Die „Outsider’s“ erwarten bis zu 1000 Besucher. Los geht das Stockcar-Wochenende am Samstag um 14 und am Sonntag um 10 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene acht Euro, Jugendliche zahlen die Hälfte, Kinder bis zehn Jahre haben freien Eintritt. Kurzentschlossene können sich noch vor Ort beim Rennen anmelden.

Weitere Informationen (auch zum Verein) bei Mathias Banehr, Telefon 0173/2025629, E-Mail an mathias.banehr@ewe.net.

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