Reise in eine Zeit mit Blinker als Sonderausstattung

Oldtimertreffen gewährt tiefe Einblicke in Technik von gestern

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Die Besitzer der Oldtimer gewährten den Besuchern auch Einblicke in die alte Technik – wie bei diesem tschechischen „Aero 18“ aus dem Jahr 1932.

Br.-Vilsen - Von Heiner Büntemeyer. „Wir hätten uns viele Sorgen sparen können, wenn wir gewusst hätten, wie ,oldtimerfreundlich‘ heute das Wetter sein würde“, erklärte ein erleichterter Mit-Organisator der Oldtimer-Ausstellung des „Oldi-Clubs Altkreis Syke“ auf dem Marktplatz in Bruchhausen-Vilsen. Die Schau war bei bestem Wetter ein voller Erfolg, und wer heute in der Region unterwegs war, fühlte sich angesichts der vielen Oldtimer fast um etliche Jahre in der Zeit zurückversetzt.

Auch anderthalbfach immer noch ein kleines Auto: ein Fiat 500 von 1966 mit passendem Anhänger.

Allerdings berichtete Hans Göbel, dass vormittags um 9 Uhr derStellplatz für die betagten Zweiräder noch gähnend leer war. „Aber als sie merkten, dass es trocken bleiben würde, da kamen die Zweiradfreaks in Scharen.“ So war erneut die ganze Palette der Zweiradhersteller auf dem Marktplatz vertreten. Überall auf dem Gelände lagen Holzbretter, auf denen die Fahrer ihre Roller, Zweiräder und Mopeds standsicher aufbocken konnten.

Ausstellung verwischt gesellschaftliche Distanz

Ina Lichtenberg war mit ihrer „Simson“ aus Schwarme angereist, musste aber die letzten Meter schieben, weil der Benzinhahn undicht war. Sie hatte Fahrzeugschein und Versicherungsmarken dabei, die 1975 in Frankfurt/Oder ausgestellt worden sind und verraten, dass es sich um ein „saftgrünes“ Motorrad mit der Typenbezeichnung S 50 B handelt, wobei das „B“ für „Blinker“ stand, was seinerzeit in der DDR offenbar als Sonderausstattung galt.

In dieser ehemaligen algerischen Staatskarosse, einem BMW 502, durften in den 60er-Jahren Staatsmänner wie Nikita Chruschtschow und Charles des Gaulle mitfahren.

Überall erzählten die Aussteller Geschichten von ihren Fahrzeugen. Sie berichteten, wo und in welchem Zustand sie das Fahrzeug entdeckt hatten, wie mühevoll und schwierig sich die Restaurationsarbeiten erwiesen und wie viel Spaß es macht, bei gutem Wetter damit zu fahren. Bei Schietwetter lassen sie ihre Schätze dagegen in der Garage. Nicht nur, weil sie wie der Besitzer des Ford-Modells „A“, Baujahr 1929 mit dem „Schwiegermutter“-Notsitz, die Scheibenwischer von innen mit der Hand bedienen müssen.

Oldtimer gelten inzwischen auch als Wertanlage. So berichtete der Besitzer der roten Chevrolet „Corvette“ mit dem „Haifischmaul“, dass jede Ausfahrt auch ein Risiko für ihn bedeutet. Aber er fährt nur allzu gern mit diesem Fahrzeug, dessen elegante Rundungen er liebt und an dem er nur die Servolenkung vermisst.

Ein Blickfang war auch die BMW-Staatskarosse 502 super VS, an dessen rechtem Kotflügel ein schwarz-rot-goldener Stander (Flagge) steckte. Ursprünglich steckten darin andere Stander, denn es handelte sich um das offizielle Fahrzeug des algerischen Staatspräsidenten Ben Bella, der damit seine Staatsgäste abholen ließ. Eine Haltestange im Fonds des Wagens erinnert daran, dass sich die Gäste wie Nikita Chruschtschow, Charles de Gaulle oder Fidel Castro daran festzuhalten pflegten, während sie mit der anderen Hand im Wagen stehend dem Volk zuwinkten. Noch deutlicher kann die Symbiose zwischen Zeitgeschichte und Oldtimerfahrzeugen nicht demonstriert werden.

Oldtimertreffen in Bruchhausen-Vilsen

Ausstellungen wie die heutige verwischen gesellschaftliche Distanzen. Da steht der „Trabbi“ neben dem Bentley und der „Leukoplastbomber“ neben dem doppelt so langen Buick. Einige Exponate sind einfach nur liebenswürdig. Dazu zählt ein roter Fiat 500, Baujahr 1966, der die hintere Hälfte eines weiteren Fiat 500 als Anhänger zieht. Dazu zählt auch die „Ente“ von Jens Legenhausen. Er war mit Freunden im Citroën 2 CV-6 angereist, und alle gaben sich mit ihren Baskenmützen als „Enten-Freunde“ zu erkennen.

Richtig voll wurde es auch auf dem Gelände, das den Nutzfahrzeugen zur Verfügung stand. Dort präsentierten mehrere Feuerwehren ihre ausgemusterten und restaurierten Löschfahrzeuge. Und wer erinnerte sich noch an die dreirädrigen „Mulag“-Fahrzeuge, deren Einzylinder-Motor 12 PS leistete und sich trotzdem eine große Ladepritsche leistete.

Weit über 1000 Fahrzeuge dabei

Ehler Rippe aus Hassel zeigte einen 13 PS „starken“ Eicher-Schlepper, der einst einem Kohlehändler aus Langwedel gehört hatte. Nostalgiker fanden auch eine Spielwiese, wo der alte „Lanz“-Bulldog losblubberte oder ein kleiner McCormack noch das „SY“-Kennzeichen trug.

Wolfgang Weyand und Wilhelm Burbach, die die Fahrzeuge zählten, hatten bis zur Mittagszeit an die 1500 auf ihrer Liste. Wolfgang Steinkamp, Vorsitzender des „Oldi-Clubs Altkreis Syke“ war mit dem Verlauf der Ausstellung sehr zufrieden und bedankte sich bei den vielen weiteren Helfern für die reibungslose Organisation der Schau.

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