Die Carlos-Dalelane-Band mischt die „Kastanie“ in Hollen auf

Bis obenhin voller guter Laune

Die Band von Carlos Dalelane (3.v.l.) spielte Funk-Ethno-Jazz-Blues-Rock. Laut. Tanzbar. - Foto: os

Hollen - Von Bert Strebe. Der Produzent Samuel Goldwyn hat mal gesagt, ein Film müsse mit einem Erdbeben beginnen und sich dann langsam steigern. Wenn man das auf Musik übertragen will, nimmt man als Beispiel am besten die Carlos Dalelane Band. Die Truppe rund um den mosambikanischen Bassisten, der seit Langem in Berlin lebt, trat am Donnerstagabend in der „Kastanie“ in Martfeld-Hollen auf. Die Musiker gingen sofort in die Vollen, mit dem Stück „Dreamin‘“ von George Benson.

Eigentlich ist der Song fast eine Ballade, oft gespielt mit zwei Gitarren. In der „Kastanie“ wird es ein Duett von Bass und Gitarre. Und von Ballade keine Spur, stattdessen jede Menge heftiges Pulsieren. Man ist als Zuhörer sofort mittendrin in Dalelanes lebendigem Funk-Ethno-Jazz-Blues-Rock. Laut. Tanzbar. Bis obenhin vollgestopft mit guter Laune.

Carlos Dalelane kam als junger Mann zum Arbeiten in die DDR, wie er in den (manchmal etwas langen) Conférencen zwischen den Stücken erzählt, und ist nach dem Mauerfall geblieben. Er schreibt die meisten seiner Songs selbst, er mischt heimatliche afrikanische Melodien und Rhythmen mit westlichen Stilrichtungen. Er hat sogar das Lied, mit dem ihn seine Mutter in den Schlaf gesungen hat, während sie ihn auf dem Rücken trug, zu einem Stück verarbeitet. Es heißt „Mokala“ und klingt nicht nach Schlaflied. Sondern nach Sonne und Elefanten am Horizont und tanzenden Menschen. Aber auch nach Geborgenheit.

Dalelanes Band ist erstklassig. Der Mann an der Gitarre heißt Mauro Pandolfino, sieht aus wie ein irischer Hipster-Freak mit Rastazöpfen, ist aber ein waschechter Italiener und ein Großmeister am Griffbrett. Das Keyboard zittert unter den fliegenden Fingern von Philipp Wagner, der atemberaubende Läufe hinlegt und alles von der 70er-Jahre-Orgel bis zur karibischen Steel Pan aus den Tasten herausholt. Am Schlagzeug: eine Frau! Aine Fujioka stammt aus Japan, und wenn es so etwas gäbe, könnte man sagen, dass sie trommelt wie ein beseeltes Metronom: absolut präzise, dabei offen für jede Improvisation. Sie ist eine kleine, zarte Person, doch voller Spannung und Energie. Wer sie berühren würde, während sie spielt, würde wahrscheinlich eine gewischt bekommen. Dalelane selbst bearbeitet den Bass virtuos, seine vier Saiten liefern nicht bloß (was man sonst oft hört) eine Grundierung der Songs, sondern eigene Melodien.

Alle vier harmonieren wunderbar miteinander, lassen sich in diversen Stücken Luft für diverse Soli, sodass sich jeder richtig austoben kann. Sogar ein Gastmusiker tritt auf, Klaus Grossert, Mundharmonikaspieler aus Etelsen, man kennt sich von Gigs in Berlin. Grossert bekommt für seine Blues-Einlagen Szenenapplaus.

Eigentlich sollten bei dem Auftritt alle Leute tanzen. Das tun sie nicht – die mosambikanischen Temperaturen des Tages fordern ihren Tribut. Aber es gibt nahezu keine Stelle im Saal, wo nicht mit dem Fuß gewippt, der Takt auf der Stuhllehne mitgeklopft, der Oberschenkel betrommelt wird. Und ein paar tanzen dann irgendwann doch.

Einer der Höhepunkte des Abends ist „Satisfaction“ von den Rolling Stones. Singen muss das Publikum selbst. Das können die Musiker nicht auch noch – denn die Instrumente glühen. Bass und Gitarre jagen sich gegenseitig, das Keyboard bricht aus jeglichem Taktschema aus und fängt sich selbst wieder ein, und das Persönchen an den Trommeln hält einerseits alles zusammen und treibt andererseits alles voran.

Es ist frappierend und furios und hinreißend. Wer waren noch mal diese Rolling Stones?

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