Volle Höhe erreicht

Dauerbeleuchtung am Hochregallager bei Vilsa „nur während der Bauphase“

Bauscheinwerfer machen den Nachthimmel taghell.
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Bauscheinwerfer machen den Nachthimmel taghell. Eine Sicherheitsmaßnahme, antwortet das Unternehmen denen, die von „Lichtverschmutzung“ sprechen. Kleiner Trost: Der verwendete Ökostrom stamme aus erneuerbaren Quellen.

Br.-Vilsen – Das größte und teuerste Bauprojekt dieses Jahres in der Samtgemeinde nimmt Formen an: Das Hochregallager (HRL) auf dem Gelände des Unternehmens Vilsa-Brunnen in Bruchhausen-Vilsen ist innerhalb weniger Wochen als Gerüstkonstruktion auf seine endgültige Höhe angewachsen. Anders als von vielen Kritikern befürchtet, beeinträchtigt der Koloss das Ortsbild nicht so wie während der Planung vorab verteufelt.

Doch es gibt ein neues Ärgernis: „Das ist Lichtverschmutzung“, fühlen sich viele vom hellen Bauscheinwerfer gestört und melden sich in den sozialen Medien lautstark zu Wort.

Ein Lichtschein liegt des Nachts über der Silhouette des Luftkurortes. Wie in einer bezaubernden Vollmondnacht. Doch für immer mehr Menschen ist die Korona-ähnliche optische Erscheinung längst kein Hingucker mehr. Die an einem Kran befestigten Baustellenscheinwerfer sorgen rund um die Uhr für taghelles Licht auf dem Betriebsgelände – und in ungezählten Stuben in weitem Umkreis. „Eine Sicherheitsmaßnahme“, erklärt Henning Rodekohr als geschäftsführender Gesellschafter in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

„Der Bau des Hochregallagers geht mit erheblichen Vorschriften an die Sicherheit im Bau und im Betrieb einher. Dazu zählt auch eine helle Beleuchtung tags- und nachtsüber“, sagt er. Darüber hinaus diene sie dem Diebstahlschutz. Die Sicherheit der Natur und ihrer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt liege Vilsa-Brunnen sehr am Herzen, „aber natürlich auch die der Vilsa-Mitarbeiter und Einwohner unseres schönen Luftkurortes“. Das Unternehmen habe „sämtliche Alternativen einer dezentralen Beleuchtung“ im Voraus geprüft, ebenso die Optionen, sie in anderen Höhen zu installieren. Doch „nur die jetzt gewählte Variante lässt sich mit dem erforderlichen Arbeitsschutz vereinbaren“, versichert Henning Rodekohr.

Eine Antwort, die inhaltlich gleichlautend auch Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann von ihm erhalten habe. „Wir haben uns bereits vor einiger Zeit erkundigt, ob die Baustelle in dieser Form ausgeleuchtet werden muss“, sagt Bormann auf Nachfrage. Und: Gegen Auflagen des Arbeitsschutzes gebe es nichts zu intervenieren. Die Beleuchtung in der jetzigen Form „wird es nur während der Bauphase geben“, sagt das Unternehmen im Gespräch mit der Redaktion zu.

Die Scheinwerfer machen jedoch auch die Ausmaße des Neubaus weithin sichtbar. „Ich bin überzeugt, dass das Hochregallager optisch nicht als so störend wahrgenommen wird, wie der ein oder andere es gedacht hatte“, meint Bernd Bormann. Kritiker hatten befürchtet, dass der schmucke Ort seinen Charakter verlieren würde. Vom Ortskern aus, aus Sicht von Passanten, Kunden oder Radfahrern, ist vom Hochregallager nichts zu sehen. Auch vom Heiligenberg, vom Friedhof, der Bergstraße oder der verlängerten Feldstraße, und damit von den Anhöhen aus, ist der höchste Punkt des Gebäudes kaum oder gar nicht wahrzunehmen. Deutlich zu erkennen ist derzeit nur der weitaus höhere Kran – und die Baustellenbeleuchtung.

Von Hoya aus, über die Felder, ist der Neubau hingegen nicht zu übersehen. Von Homfeld zeigt er sich in seiner ganzen Größe. Eine Perspektive, die Vilsa für sein markantes Bauschild wählte.

„Wir haben das HRL mit dem Ziel konzipiert und platziert, es harmonisch in das Landschaftsbild zu integrieren“, führt Henning Rodekohr dazu aus. Das werde beispielsweise durch eine Fassadengestaltung mit Naturfarben erreicht. „Eine ortsabhängige Untersuchung von verschiedenen Blickpunkten im Ortsumfeld hat eine geringe Beeinträchtigung des Gebäudes im Landschaftsbild gezeigt“, sagt er und ergänzt: „Das freut uns sehr.“

„Die Arbeiten am Hochregallager liegen im Zeitplan“, heißt es aus der Geschäftsleitung weiter. Der Probebetrieb des Hochregallagers sei für den Herbst 2022 angesetzt. Die Gemeinde hatte die viel diskutierte und umstrittene Höhe des HRL auf 40 Meter einschließlich aller Aufbauten gedeckelt. Die jetzt sichtbare Konstruktion habe ihre maximale Höhe erreicht. „Zur Beschaffenheit des Lagers haben wir uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht und Expertenmeinungen aus den verschiedensten Fachgebieten berücksichtigt“, betont Henning Rodekohr erneut. Bei einer beabsichtigten Lagerkapazität für etwa 46 500 Paletten „ist die Höhe von 40 Metern das technische Optimum für energie- und zeitoptimierte Ein- und Auslagerprozesse“, so Rodekohr. Und damit im Sinne eines möglichst geringen ökologischen Fußabdrucks.

Das voll automatisierte Hochregallager soll Anfang 2023 in Betrieb gehen und werde ausschließlich durch Ökostrom betrieben. „Aufgrund des Automatisierungsgrads des Lagers und der daraus folgenden Reduzierung der Gabelstapler-Flotte um etwa 50 Prozent, kann der CO2-Ausstoß von Vilsa durch die Inbetriebnahme um weitere 458 Tonnen pro Jahr gesenkt werden“, führt das Unternehmen aus. Zudem sei im Hochregallager keine Gebäudebeleuchtung und -beheizung mehr notwendig. „Es leistet damit nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch ökologischer Hinsicht einen wertvollen Beitrag“, teilt das Unternehmen mit.

Ab Herbst nächsten Jahres sollen die Bestände nach und nach in das neue Lager überführt werden, teilt das Unternehmen zu seinen Plänen mit. Mit Inbetriebnahme Anfang 2023 „wird unser Luftkurort von weiteren innerörtlichen Verkehrsentlastungen profitieren“, stellt Henning Rodekohr in Aussicht.

Am 25. März 2022 soll Richtfest gefeiert werden.

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