Grüne sorgen sich

Nitratbelastung des Wassers: „Von Entwarnung kann keine Rede sein“

Samtgemeinde - Der Ortsverband Bruchhausen-Vilsen von „Bündnis 90/Die Grünen“ macht sich Sorgen angesichts der Nitratbelastung des Grundwassers in der Samtgemeinde. Mit einer Pressenotiz reagiert Bernd Schneider im Namen des Vorstands auf unseren Artikel „Nitratwert in Süstedt sinkt unter den Grenzwert – Martfeld und Bruchhöfen ebenfalls im grünen Bereich / Werte in Sünder bedenklich“ von Freitag.

Die Grundwassermessstelle in Retzen (Süstedt) ist im vergangenen Jahr in den Blickpunkt geraten, da der Mittelwert von 20,8 2010 auf 106 Milligramm Nitrat pro Liter 2014 sprunghaft angestiegen war. 2016 lag der Wert wieder knapp unter dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.

Trotzdem: „Von Entwarnung kann überhaupt keine Rede sein“, meinen die Grünen. „Die Messstelle Sünder in Scholen zeigt zum Beispiel einen steigenden Trend mit einem Maximalwert von 155 Milligramm pro Liter 2014. Die Nitratwerte sind in Niedersachsen insgesamt viel zu hoch, 41 Prozent der Messstellen liegen oberhalb der Norm der EU-Wasserrahmenrichtlinie WRRL für einen guten chemischen Zustand.“

Grünen-Kommunalpolitikerin Hildegard Grieb weist auf die Antwort der Bundesregierung vom 8. Juni 2017 auf eine Anfrage der Bundes-Grünen hin. Dieses Papier zeige den seinerzeit signifikanten Anstieg der Nitratbelastung.

Im Nitratbericht 2016 des Bunds steht: „Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass einige Messstellen im sauerstoffarmen Grundwasser aufgebaut sind und hier trotz Stickstoffeinträgen aus der Landwirtschaft gleichbleibend niedrige Nitratgehalte gemessen werden.“ „Warum sind Messstellen im sauerstoffarmen Grundwasser problematisch hinsichtlich der Messung von Nitrat?“, fragen die Grünen in ihrer Pressenotiz – und geben auch gleich die Antwort: „Enthält Grundwasser nur geringe Mengen von Sauerstoff, so werden dadurch Nitratabbauprozesse begünstigt. In Anwesenheit von Sulfiden und/oder organischem Kohlenstoff kann Nitrat durch Mikroorganismen im Grundwasser abgebaut werden. Die im Grundwasser gemessenen Nitratkonzentrationen entsprechen dann nicht mehr den Stickstoffmengen, die zum Beispiel durch die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche eingetragen werden. Die Messergebnisse könnten fälschlicherweise so interpretiert werden, dass die eingetragenen Stickstoffmengen wesentlich unterschätzt werden. Nitratabbauprozesse gehen jedoch mit einem Verbrauch von Sulfiden und/oder organischer Substanz einher. Der natürliche Nitratabbau im Boden kann dadurch im Laufe der Zeit soweit verringert werden, dass es zum ,Nitratdurchbruch‘ in das Grundwasser kommt, bei dem die Nitratgehalte dort in kurzer Zeit extrem stark ansteigen.“

Ferner weisen die Grünen auf eine nicht-öffentliche Veranstaltung der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen im vergangenen Jahr hin, bei der Heinrich Meyer zu Vilsendorf, Leiter der Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, vor Kommunalpolitikern zum Thema Stickstoff referierte. Er habe von Referenzbetrieben berichtet, bei denen im Herbst in Ackerböden Reststickstoffgehalte in Höhe von 100 Milligramm pro Liter gefunden worden seien und dies als üblich bewertet. „Solange dieses von einer Fachbehörde als hinnehmbar eingestuft wird, ist nicht daran zu glauben, dass mit Stickstoff künftig sorgsam umgegangen wird und dass vermeidbare Einträge aktiv unterbunden werden“, schreiben die Grünen. „Insofern besteht auch eine gewisse Skepsis, ob die Vorgaben der neuen Düngeverordnung den Besorgnis erregenden Trend wirksam umkehren können.“

„Klasse statt Masse in der Tierhaltung“

Kommunalpolitikerin Nicole Reuter erklärt die gemeinsame Haltung der Grünen: „Es ist in den letzten Jahren klar geworden, dass es zu viele Tiere auf zu wenig Fläche gibt. Und dass dadurch viel zu viel Nitrat ins Grundwasser gelangt, weil es von den Pflanzen nicht aufgenommen und verwertet werden kann. Wenn wir unser Wasser sauber halten wollen, müssen wir das ändern. Unsere Devise für die Tierhaltung der Zukunft ist: Klasse statt Masse. Und gerade in Gebieten, die heute schon belastet sind, muss es ambitionierte Grenzen geben für den Dünger, der ausgebracht wird.“

Als eine Quelle nennen die Grünen eine interaktive Karte mit Messwerten auf der Homepage des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz:

www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/service/umweltkarten/wasserrahmenrichtlinie_egwrrl/naehrstoffbelastungen/n%C3%A4hrstoffkarten-130251.html

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa-avis

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