Werte in Sünder bedenklich

Nitratbelastung in Süstedt sinkt unter den Grenzwert

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Die Landwirtschaft gilt als Hauptverursacher der Nitratbelastung. Gülle wird unter anderem zu Nitrat zersetzt, das bei einem Überschuss ins Grundwasser sickern kann.

Samtgemeinde - Von Mareike Hahn. Entwarnung in Süstedt: Seit Januar 2016 liegt der Nitratgehalt des dort entnommenen Grundwassers bei weniger als 50 Milligramm pro Liter. „Dieser Grenzwert wird seitdem konstant unterschritten“, sagt Carsten Lippe, Pressesprecher beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Wie berichtet, hat Süstedt im vergangenen Jahr bundesweit Schlagzeilen gemacht. Der Grund: Die Nitratbelastung des Grundwassers hatte sich binnen weniger Jahre beinahe verdreifacht. Lag der Nitratgehalt pro Liter in den Jahren 2008 bis 2011 noch im Mittel bei 35 Milligramm, stieg er im Zeitraum von 2012 bis 2014 auf 97 Milligramm. Zulässig sind laut Trink- und Grundwasserverordnung höchstens 50 Milligramm. Entsprechend besorgt zeigten sich nach Bekanntwerden der Zahlen Bürger und Kommunalpolitiker.

Sie können sich freuen: Nachdem der Grenzwert laut NLWKN 2015 noch überschritten wurde, liegen die Messergebnisse nun seit zwei Jahren im grünen Bereich. 2016 wurden im Süstedter Grundwasser nach Angaben von Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann im Schnitt 48 Milligramm Nitrat festgestellt. Einen Grund für die positive Tendenz habe man bisher nicht gefunden, sagt Bormann, der sich gleichwohl über die gute Nachricht freut.

Der Samtgemeindebürgermeister steht in regelmäßigem Kontakt zum NLWKN und behält die Werte im Auge. Die Samtgemeinde fordere die Bundes- und die Landesregierung auf, „Maßnahmen zu ergreifen, um das Wasser langfristig zu schützen“, sagt Bormann.

Die Süstedter Messstelle befindet sich südwestlich des Orts im Bereich Retzen. Gemessen wird dort zweimal im Jahr 17 Meter unter der Geländeoberkante, teilt der NLWKN auf Nachfrage mit.

Insgesamt gibt es in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen vier Messstellen. Zwei davon weisen seit Jahren „unbedenkliche“ Werte auf, sagt Pressesprecher Lippe. Es sind Bruchhöfen und Martfeld.

Der Messtrupp in Bruchhöfen ermittelte nach Bormanns Worten 2013 einen Wert von 3,1 Milligramm Nitrat pro Liter, 2016 waren es 0,04. Der Wert in Martfeld lag zuletzt bei 0,44 Milligramm.

Anders sieht es in Sünder im Süden des Fleckens Bruchhausen-Vilsen, oberhalb des Geestrandrückens, aus. Das dort untersuchte Grundwasser überschritt in den vergangenen Jahren mehrfach die 50-Milligramm-Nitrat-Grenze. 2013 maß der NLWKN 155 Milligramm Nitrat pro Liter, Anfang 2016 waren es 75.

„Dort springen die Werte sehr stark“, erklärt Lippe. „Die Kollegen prüfen zurzeit, woran das liegen könnte.“

In Niedersachsen war 2015 an 356 Messstellen – und damit bei etwa 52 Prozent – der Grenzwert überschritten. Der NLWKN bezeichnet eine Überdüngung von landwirtschaftlichen Flächen als einen Hauptgrund für die steigende Nitratkonzentration. Gülle wird durch Bodenlebewesen unter anderem zu Nitrat zersetzt, das bei einem Überschuss ins Grundwasser sickern kann. Bis es dort ankommt, können nach Expertenansicht viele Jahre vergehen. Nitrat steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen.

Wie die Situation in der gesamten Samtgemeinde aussieht, lässt sich anhand von vier Messstellen kaum feststellen, sagt Lippe: „Je nachdem, ob zum Beispiel ein Acker in der Nähe ist, kann das Ergebnis unterschiedlich ausfallen.“

Der Pressesprecher betont, dass die Einwohner auch weiterhin bedenkenlos das Wasser aus dem Hahn trinken und verwenden können: „Das Trinkwasser wird nicht vor Ort gefördert, und es unterliegt ständigen Kontrollen.“ Laut Auskunft der „Wasserversorgung Syker Vorgeest“ kommt das Leitungswasser für die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen aus Liebenau.

Brunnenwasser: Zu viel Nitrat in jeder siebten Probe

Der VSR-Gewässerschutz aus Geldern (Nordrhein-Westfalen) hat im Spätsommer vergangenen Jahres 209 Brunnenwasserproben von Privatpersonen aus Stuhr, Weyhe, Syke und Bruchhausen-Vilsen untersucht. Dabei stellte der Verein laut Pressesprecher Harald Gülzow „viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser“ fest: „In jeder siebten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwerts der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.“

Stark verschmutzt war laut VSR-Gewässerschutz beispielsweise das Wasser aus einem Brunnen in Bruchhausen-Vilsen, das 78 Milligramm Nitrat pro Liter aufwies. In einer Probe aus Hohenmoor befanden sich sogar 170 Milligramm. „Dieses Wasser ist wegen der Überschreitung des Grenzwerts nicht mehr zum Trinken geeignet“, sagt Gülzow. „Besonders wichtig ist außerdem zu betonen, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es besteht die Gefahr einer Massenvermehrung von Algen. Diese können beim Absterben zum Fischsterben führen.“

Der VSR-Gewässerschutz untersucht auf Wunsch Wasserproben aus Brunnen auf verschiedene Parameter, zu denen der Nitratgehalt gehört. Die Trinkwasseruntersuchung kostet 79 Euro. Mehr Informationen unter Telefon 02831/9763343, E-Mail brunnen@vsr-gewaesserschutz.de und im Internet.

www.vsr-gewässerschutz.de

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