Kirchengemeinden in der Samtgemeinde reagieren auf Corona-Lockerungen

Nicht zu singen, ist Nächstenliebe

Vor der Martfelder Kirche begehen die Gemeindeglieder aus Schwarme und Martfeld gemeinsam am Himmelfahrtstag den ersten Gottesdienst seit dem Corona-Lockdown Foto: Oliver Siedenberg

Samtgemeinde - Von Jannick Ripking. Gottesdienst, ja oder nein? Mit dieser Frage haben sich die Kirchengemeinden in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen nach den Lockerungen bezüglich der Öffnung von Kirchen intensiv beschäftigt. Die Ergebnisse der Gemeinden ähneln sich zum Teil, aber sie unterscheiden sich auch in wesentlichen Punkten. Die Lockerungen bedeuten für einige die ersten Schritte zurück zur Normalität

Bruchhausen / Vilsen

Die Kirchengemeinden Bruchhausen und Vilsen beschlossen nach einigen Diskussionen eine schrittweise Öffnung der Kirchen im Luftkurort. „Wir haben uns aber bewusst dagegen entschieden, jeden Sonntag wieder einen Gottesdienst anzubieten“, sagte Pastor Florian von Issendorff. Hauptgottesdienste in den Kirchen finden demnach weiterhin nicht statt. An Himmelfahrt und zu Pfingsten seien jedoch Open-Air-Gottesdienste geplant. Auch der mobile Abendsegen werde fortgeführt. An diesem Sonntag geht es um 18 Uhr beim Osterfeuerplatz (An der Eyter) los. Um 19 Uhr soll der Kindergarten (Dahrelsen) nach den Stationen Amtmannsweg und Birkenallee erreicht werden. Nur das Turmblasen vom Vilser Kirchturm hört auf, weil die Gemeinden an diesem Sonntag erstmals eine kurze Andacht um 11 Uhr in der Vilser Kirche anbieten. Der Pastor bezeichnet diesen Weg als Lernzeit: „Wir wollen in den kommenden Wochen erst einmal schauen, wie es den Besuchern und uns als Verantwortlichen mit diesen einzelnen Lockerungen geht.“

Die Friedhofskapelle und die Vilser Kirche können aber ab sofort wieder für Trauerfeiern genutzt werden. Auch Taufen im Familien- und Freundeskreis seien in den Kirchen nun wieder möglich. „Für uns haben aktuell Beerdigungen und Taufen Priorität“, erklärte von Issendorff.

Die neuen Hygieneempfehlungen der Landeskirche seien grundsätzlich geltend: Die Zahl der Besucher ist durch den Mindestabstand begrenzt. In der Friedhofskapelle finden etwa 20 Personen, in der Vilser Kirche ungefähr 50 Personen und in der Brokser Kirche circa 30 Personen Platz. Vor der Tür müssen Besucher ihre Hände desinfizieren und in den Räumen Mund-Nase-Masken tragen. Es gelte ein Mindestabstand von 1,5 Meter – außer für Menschen, die in einem Haushalt zusammenleben. Auf das Singen muss in der Regel verzichtet werden. „Trotz dieser Maßnahmen sind wir froh, dass wir wieder Trauerfeiern im größeren Rahmen in der Kapelle beziehungsweise der Kirche halten können“, sagte der Geistliche. Das sei eine wichtige Unterstützung für Trauernde.

Mitte Juni wollen die Gemeinden ihre Erfahrungen auswerten und die Angebote für den Sommer planen. Bis dahin ruhen die üblichen Gruppen und Kreise der Gemeinden. Auch die Sommerfreizeit für Jugendliche ist abgesagt. „Das war für uns kein leichter Schritt. Wir hoffen aber, die Freizeit im nächsten Jahr nachholen zu können“, betonte Pastorin Anja von Issendorff, die die Freizeit geplant hatte. Über Alternativen für die angemeldeten Jugendlichen denke sie momentan nach.

„Die vergangenen zwei Monate waren für uns als Gemeinden eine spannende Erfahrung, die viel Kreativität freigesetzt hat,“ resümierte Pastor von Issendorff. „Wir mussten mehr zu den Menschen hin, weil ja niemand zu uns in die Kirchen durfte – gerade dadurch hatten wir paradoxerweise mit mehr Menschen aus den Gemeinden Kontakt als durch manche klassische Angebote.“

Martfeld / Schwarme

Die beiden Kirchengemeinden Martfeld und Schwarme feiern ihren ersten Gottesdienst nach dem Shutdown an Himmelfahrt. Dieser gemeinsame Gottesdienst beginnt um 11 Uhr unter freiem Himmel auf dem Platz vor der Kirche in Martfeld. „Das ist das erste Mal für uns. Sicherlich wird es eine Umstellung, aber wir sind guter Dinge“, erklärte Pastorin Meike Müller.

Anders als in den Gemeinden Bruchhausen und Vilsen werden in Martfeld und Schwarme ab dem 24. Mai wieder regelmäßige Gottesdienste in den Kirchen abgehalten. Es gelten ähnliche Hygiene- und Abstandsregeln wie in den Brokser und Vilser Gemeinden. Um mögliche neue Infektionsketten nachverfolgen zu können, muss jede Besucherin und jeder Besucher eines Gottesdienstes zusätzlich eine Telefonnummer angeben. Die sonntäglichen Gottesdienste beginnen in Martfeld um 9.30 Uhr und in Schwarme um 11 Uhr. „Wir freuen uns einfach, dass wir wieder gemeinsam feiern dürfen“, erklärte Pastorin Müller. Nur der Kindergottesdienst in Martfeld könne weiterhin nicht stattfinden.

Auch in Martfeld und Schwarme verzichte die Gemeinde auf gemeinsames Singen. „Diese Maßnahmen sind für uns eine Form der Nächstenliebe, um die zu schützen, die besonderen Schutz brauchen“, erklärte Meike Müller. „Aber zum Glück haben wir tolle Kirchenmusikerinnen und -musiker, die den Gottesdienst mitgestalten.“ Es werde Sologesang mit ausreichend Abstand zu den Gemeindegliedern und instrumentale Stücke geben. Die Gottesdienste dauern entsprechend kürzere Zeit, denn auch die sonst gewohnte Liturgie werde anders gestaltet.

Asendorf

Die Asendorfer Kirchengemeinde ist bereits einen Schritt weiter als die anderen Gemeinden. Dort feierten die Gemeindeglieder am Sonntag den ersten Gottesdienst. „Wir haben nur einen Eingang aufgemacht“, berichtete Hans-Friedrich Rothschild vom Kirchenvorstand. Desinfektionsmittel stand auch bereit. Um den Mindestabstand zwischen den Personen einzuhalten, seien Markierungen auf den Bänken angebracht worden. Auch die Asendorfer Gemeinde musste und muss weiter auf das Singen verzichten. Beim vergangenen Gottesdienst sang daher Pastorin Melanie Simon zu Gitarrenmusik. Die Gemeinde summte dazu, meinte Rothschild. „Das war für viele ein ganz neues, aber schönes Gefühl.“

Der nächste Asendorfer Gottesdienst beginnt Sonntagum 18 Uhr in der St. Marcellus Kirche. Rothschild: „Die Vorgaben sind gleich, nur der Ablauf ist anders.“

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