„Ein bisschen mehr Nachwuchs wäre schön“

„Uhlenspeelers“ proben für neue Saison

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Die Schwarmer Theatergruppe studiert aktuell das Stück „Dree niege Froons för Wotan“ ein.

Schwarme - Von Mareike Hahn. Plattdeutsches Theater ohne Happy End? Gifft dat nich. Ist es nicht langweilig, wenn man immer vorher schon weiß, dass am Ende alles gut ausgeht? Nein, findet Wilfried Brückner, Sprecher der „Uhlenspeelers“.

„Erst mal geht es schließlich richtig ab“, sagt er. „Und außerdem weiß ja kein Zuschauer vorher, wie das Happy End aussieht.“ Das gilt auch für das neue Stück der Schwarmer Theatergruppe. Sie führt in der kommenden Saison „Dree niege Froons för Wotan“ (zu Deutsch: Drei neue Frauen für Wotan) in Robberts Huus auf.

Ein Lustspiel, das es in sich hat, versprechen Brückner und seine Mitstreiter. „Es ist sehr witzig“, sagt er. „Und die Mädchen sind so skurril.“ Die Mädchen, das sind die laszive Emily (dargestellt von Vanessa Lange), die Hippie-Frau Ella (Sigrid Gantke) und Elke (Maike Münch), die ihre Rente aufbessert, indem sie verschiedene Medikamente an sich selbst testet – nicht ohne Nebenwirkungen, versteht sich. Die chaotischen Seniorinnen leben in einer Hausgemeinschaft, in der Wotan (Werner Sudmeyer) unfreiwillig landet, nachdem ihn seine Frau Sylvia (Gunda Dohmeyer) verlassen und sein Sohn Moritz (Wilfried Brückner) abgeschoben hat. So beginnt für Wotan ein lustiger Rausch auf der Überholspur des Lebens. Eine Rolle spielt dabei auch der Vermieter der Seniorenwohnungen, Herr Schaller (Heinrich Meyer-Toms) ...

Seit Januar intensive Proben

„Das Haus ist wie eine Kommune – nur für Ältere“, sagt Brückner. Er ist sicher, dass die Zuschauer viel zu lachen haben werden. Und zu gucken. „Die Verkleidungen sind diesmal sehr aufwendig“, sagt der Sprecher der Gruppe. So muss Vanessa Lange, mit 22 Jahren das Küken der „Uhlenspeelers“, auf Alt getrimmt werden. Die passende Kleidung und Schminke sollen helfen, eine große Menge Trockenshampoo wird ihre blonden Haare grau aussehen lassen.

Mitte Dezember haben die Theaterspieler angefangen, ihre Texte zu lesen; seit Januar proben sie intensiv. Unterstützung bekommen sie dabei von Souffleuse Svea Mell.

Bereits seit einem Vierteljahrhundert gibt es das Schwarmer Theaterensemble. Ans Aufhören denken die Laienschauspieler noch lange nicht. Aber „ein bisschen mehr Nachwuchs wäre schon schön“, sagt Werner Sudmeyer. Dass sich junge Leute wie Vanessa Lange fürs plattdeutsche Theater interessieren, ist eher selten. „Ich habe früher immer zugeguckt“, erzählt die Enkelin von Horst Lange, dem Helfer hinter der Bühne. „Etwas Platt kann ich von zu Hause, Oma und Opa haben immer so mit uns gesprochen.“ Vor vier Jahren trat Vanessa Lange der Gruppe bei, merkt seitdem immer mehr Fortschritte beim Sprechen. Erst habe sie den Text komplett auswendig gelernt, jetzt könne sie auch mal einfach drauf los schnacken.

„Aber leider machen nur drei Kinder mit“

Mit welcher Sprache jemand aufgewachsen ist, hört man laut Brückner sofort. „Ich habe zu Hause Platt- und erst in der Schule Hochdeutsch gelernt“, sagt er und schmunzelt. „Mein Bruder hat elf Jahre im Bremer Senat gearbeitet. Er brauchte zunächst einen Sprachlehrer, weil man das Platt immer raushörte.“

Werner Sudmeyer bietet eine Plattdeutsch-AG an der Martfelder Grundschule an. „Aber leider machen nur drei Kinder mit.“

Immer weniger Menschen beherrschen die niederdeutsche Sprache, das ist auch im Publikum merkbar. Bei den Aufführungen sitzen auch mal jüngere Zuschauer vor der Bühne, die meisten sind jedoch älteren Semesters. „Ein paar Freundinnen und mein Freund kommen auch zum Zugucken“, sagt Vanessa Lange. „Aber viele Freunde können kein Plattdeutsch verstehen.“

Jede Region hat übrigens ihre eigenen Ausdrücke. „Wenn wir ein Stück aus Hamburg oder Schleswig-Holstein wählen, sind da Wörter drin, die wir nachgucken müssen“, sagt Brückner. So auch bei „Dree niege Froons för Wotan“. Die Komödie in drei Akten von Bernd Spehling (Lehrte) heißt im Original „Resturlaub im Ladyhort“, ins Plattdeutsche hat sie der in Hamburg geborene Wolfgang Binder übersetzt. Eventuelle Unklarheiten haben die „Uhlenspeelers“ beseitigt. So dürften die Gäste alles verstehen. Eine Garantie gibt es dafür allerdings nicht. Brückner: „Schon in Martfeld spricht man anders als in Schwarme.“

Die Termine

Fünf Aufführungen sind geplant. Die Premiere mit „Knallkööm“ (Sekt) beginnt am Samstag, 10. März, um 20 Uhr. Vorstellungen mit Kaffee und Kuchen gibt es an den Sonntagen 11. und 18. März jeweils um 15 Uhr. Außerdem können Interessierte das Stück an den Samstagen 17. und 24. März um 20 Uhr sehen. 

Tickets kosten acht Euro für die Samstag- und zwölf für die Sonntag-Termine. Sie sind morgen zwischen 10 und 12 Uhr im Kulturzentrum Robberts Huus erhältlich sowie anschließend bei „Uhlenspeelers“-Sprecher Wilfried Brückner, Telefon 04258/1254. Morgen sollten auch die bereits bestellten Karten in Robberts Huus abgeholt werden.

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