Vater zieht sich aus der Lokalpolitik zurück, Sohn kandidiert

Nicht ohne einen Meyer-Toms

„Ich fände es unangenehm, wenn Vater und Sohn gegeneinander kandidieren würden“, sagt Hermann Meyer-Toms (links). Er beendet sein Engagement in der Kommunalpolitik, während sich Artus Elias für drei Gremien bewirbt. - Foto: Mareike Hahn

Schwarme - Von Mareike Hahn. Ein Meyer-Toms geht, der andere kommt: Während Vater Hermann, Mitglied im Schwarmer Gemeinderat und im Samtgemeinderat Bruchhausen-Vilsen, bei der Kommunalwahl im September nicht mehr kandidiert, bewirbt sich Sohn Artus Elias um Sitze in eben diesen Gremien sowie zusätzlich im Kreistag. Wie der Vater, so der Sohn? Jein. Denn Artus Elias ist zwar wie der Senior durch und durch ein Grüner, möchte aber seinen eigenen Weg gehen.

Dass sich Landwirt Hermann Meyer-Toms aus der Lokalpolitik zurückzieht, hat mehrere Gründe. Zum Beispiel sein Alter – 64 Jahre – und der Wunsch, mehr Zeit zu haben. „Ich gehe zwar noch nicht in Rente, möchte aber ein bisschen zurücktreten. Immerhin habe ich mittlerweile auch Enkel.“ Und mit Artus Elias ein Kind, das jüngste von vier, das sich selbst politisch engagieren möchte. „Ich fände es unangenehm, wenn Vater und Sohn gegeneinander kandidieren würden“, sagt Hermann Meyer-Toms.

Drei Wahlperioden lang saß der Biobauer in Schwarme am Ratstisch, auf Samtgemeindeebene war er zehn Jahre dabei. Einige Themen werden ihm besonders in Erinnerung bleiben: die Debatte über die Ausweisung von Windkraftgebieten im Flächennutzungsplan der Samtgemeinde etwa. Oder die Schaffung eines eigenständigen Gymnasiums in Bruchhausen-Vilsen. Und in Schwarme die Dorferneuerung, der Bau der Turnhalle, der Umbau des Kindergartens, die Erneuerung des Feuerwehrhauses, die Renovierung der Kirche.

Die „Gespräche auf Augenhöhe“ haben dem Grünen-Politiker immer viel Spaß gemacht. „Fehlen wird mir die Kommunalpolitik schon.“ Er werde die Themen sicher weiter verfolgen. Vielleicht mal als Besucher von Sitzungen. In jedem Fall – vorausgesetzt, die Wählerstimmen reichen – über seinen Sohn. „Und ich lese ja auch Zeitung“, ergänzt der 64-Jährige.

Das Zeitunglesen gehört zum Hause Meyer-Toms wie der Umweltschutz zu den Grünen. Mehrere Blätter, darunter auch die Kreiszeitung, liegen jeden Morgen auf dem Frühstückstisch. Sie sind ein Grund, warum sich der 18-jährige Artus Elias schon früh mit Politik auseinandersetzte. Ein weiterer: „Wir haben uns in der Schule mit der Politikwissenschaftlerin Hannah Arendt beschäftigt. Das erschien mir wie ein Appell, mich zu engagieren.“

Als die Grünen ihn zu einem Treffen einluden, sagte er „Ja“ – und stellte fest, dass er die Kommunalpolitik „wirklich spannend“ findet. Im November trat der 18-Jährige in die Grüne Jugend ein, seit Kurzem gehört er auch Bündnis 90/Die Grünen an. Warum gerade diese Partei? Da kommt sein Vater ins Spiel: „Über ihn habe ich viel mitbekommen. In meiner Familie waren Umweltschutz und Nachhaltigkeit immer ein Thema.“

Artus Elias Meyer-Toms hat in diesem Sommer am Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen sein Abitur gemacht und wird im Oktober ein Studium der Mathematik in Osnabrück anfangen. Er möchte dort zwar eine Wohnung mieten, aber seinen Hauptwohnsitz auf dem elterlichen Bauernhof in Schwarme-Spraken behalten.

Für seine Heimatgemeinde hat der 18-Jährige mehrere Wünsche. Dort gibt es keine eigene Grünen-Liste, weshalb er für die Unabhängige Wählergemeinschaft kandidiert. „An einigen Straßen sind keine Radwege, das bemängele ich. Wichtig wären auch mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen, damit Radfahrer sicherer auf der Straße fahren können. Ich wünsche mir, dass mehr Leute das Auto stehen lassen und das Fahrrad nehmen“, sagt Artus Elias Meyer-Toms, der selbst „möglichst überallhin“ radelt. „Und Schwarme braucht einen Bus nach Bremen.“ Außerdem wolle er sich dafür einsetzen, die Wegeseitenränder zu erhalten. Die Bürgersolaranlage auf dem Dach der Schwarmer Grundschule solle als Vorbild für weitere Projekte dienen: „Gerade auf öffentlichen Gebäuden ist Fotovoltaik wirklich sinnvoll.“

Auf Samtgemeindeebene möchte sich Artus Elias Meyer-Toms ebenfalls mit den Themen Radwege und Nahverkehr befassen. Auch Transparenz und Bürgernähe hat er sich auf die Fahnen geschrieben: „Man muss genau abwägen, ob es wirklich notwendig ist, ein Thema nicht-öffentlich zu behandeln.“ Ferner liegen ihm Inklusion und Teilhabe am Herzen: „Meistens verbindet man das mit Behinderten. Aber es geht auch darum, arme Menschen einzubeziehen, die öffentliche Infrastruktur für jeden zugänglich zu machen und mehr Bildungsangebote für alle zu schaffen.“ Des Weiteren solle die Jugendarbeit alle Gruppen erreichen. Der Breitbandausbau müsse vorangetrieben werden. Zudem müsse die Kommune Impulse geben, damit die Betriebe ihre Präsenz im Internet verbessern, ergänzt der angehende Student, der Mitglied in der „Deutschen Physikalischen Gesellschaft“ und in der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ ist.

Freut sich Artus Elias Meyer-Toms, nach der Kommunalwahl eventuell in die Fußstapfen seines Vaters zu treten? „Das ist mir gar nicht so bewusst“, antwortet der Abiturient. „Es ist schon in Ordnung, aber mir ist auch wichtig, mich abzusetzen. Durch mein Alter habe ich oft einen ganz anderen Blickwinkel als mein Vater.“ Ein Beispiel? „Die Grüne Jugend hat zurzeit einen Gender-Schwerpunkt. Mit dem Thema hatte die Generation meines Vaters wenig zu tun.“

Artus Elias Meyer-Toms möchte einen Lokalverband der Grünen Jugend im Landkreis Diepholz gründen. Wer Interesse hat, erreicht ihn unter Telefon 04258/241.

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