Neujahrsempfang: Bürgermeister bedankt sich bei engagierten Einwohnern

Stolz auf die „Wohlfühl-Gemeinde“

+
Reinhard Thöle (links), ebenfalls stellvertretender Samtgemeindebürgermeister, ehrte den Bürger des Jahres Hans-Heinrich Meyer.

Br.-Vilsen - Von Hans-Jürgen Wachholz. „Sie alle sind zum Gesicht einer warmherzigen Gemeinde geworden!“ – mit diesen Worten bedankte sich Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann am Sonntagnachmittag vor allem bei denen, die 2015 vorbildlich Willkommenskultur gelebt haben und die den über 200 bisher hier angekommenen Flüchtlingen dabei helfen, sich in der fremden Umgebung zurechtzufinden. Geformt wurde das Gesicht der „Wohlfühl-Gemeinde“ zudem auf zahlreichen anderen Feldern, machte Bormann beim Neujahrsempfang der Samtgemeinde deutlich. Zu der Veranstaltung im Forum des Schulzentrums waren mehr als 300 Bürger gekommen.

Die Flüchtlingswelle schwappte 2015 auch in die Samtgemeinde – und „hat uns an den Rand unserer Möglichkeiten gebracht“, erklärte Bormann. Dass die Unterbringung und Betreuung bislang ohne Reibungsverluste verlaufen ist und sich die notleidenden Menschen in den Mitgliedsgemeinden willkommen fühlen, führt Bormann auf das Zusammenwirken mehrerer Faktoren zurück. Dank einer guten Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und der zentralen Aufnahmebehörde sei erreicht worden, dass in erster Linie Familien in die Samtgemeinde kamen – und das „auch erst, wenn wir Wohnraum hatten“.

Ganz besonders hob Bormann den Einsatz des Vereins „Lebenswege begleiten“ in der Flüchtlingshilfe hervor. Damit lag auf der Hand, dass die von Vize-Samtgemeindebürgermeister Reinhard Thöle vorgenommene Auszeichnung als Bürger des Jahres 2015 jemandem zuteil wurde, der sich vorbildlich auf diesem Terrain engagiert: Hans-Heinrich Meyer. Der als „Afrika-Meyer“ in der Region bekannte 78-Jährige wurde als Kind erstmals mit Flüchtlingselend konfrontiert und erlebte es in schlimmster Form, als er von 1965 bis 1991 als Entwicklungshelfer in Nigeria, Tansania und Ruanda versuchte, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. 1992/93 setzte er sich für Kosovo-Flüchtlinge ein, heute ist er ehrenamtlich als Asylbegleiter in Bruchhausen-Vilsen tätig.

Überhaupt: Bekanntes und Fremdes aus der Ferne zog sich als roter Faden durch den Nachmittag. Das begann damit, dass die Sternsinger der katholischen Kirche Bruchhausen-Vilsen ihren Segenswünschen schüchtern den Song „Walking in the night“ voransetzten. Dann stellte Prokurist Peter Hübner die vor 35 Jahren vom türkischen Zuwanderer Ylmaz Orhan gegründete Firma Egesun vor, die 2017 von Oyten nach Martfeld umziehen will. Der Hersteller von Trockenfrüchten, Kokosprodukten und Fruchtkonserven aus biologischem Anbau mit einem für 2016 angepeilten Jahresumsatz von 40 Millionen Euro bringt der Gemeinde 60 neue Arbeitsplätze.

Die Akrobatik-AG des Gymnasiums begeisterte mit aus Menschenleibern nachgebildeten weltbekannten Sehenswürdigkeiten und einer „Star Wars“-Nummer. Der Chor des Gymnasiums und Sängerin Cassandra Mysegades erfreuten mit überseeischer Popmusik. Etwas „bodenständiger“ blieb Pianist Jonas Potratz. Titel und Komponist des vorgetragenen Werks wurden zwar als Geheimnis gehütet – von leicht versierten Musikkennern jedoch schnell dem Polen Chopin zugeordnet.

Aus der Schweiz mitgebracht hat Manja Pleuß 2015 den Titel der Radcross-Weltmeisterin in der Altersklasse 40 bis 44. Mit jährlich bis zu 15000 Trainingskilometern und „nebenbei“ diversen Marathonläufen hat sie sich diesen Titel hart erarbeitet, wie der stellvertretende Samtgemeindebürgermeister Ulf Schmidt als Laudator anerkennend vermerkte. Er zeichnete das Mitglied des Radsportvereins (RSV) Bruchhausen-Vilsen als Sportlerin des Jahres aus.

Innerhalb der Gemeindegrenzen blieb Peter Henze vom Hof Arbste 7 mit einer gelungenen kabarettistischen Aufarbeitung des Geschehens der vergangenen zwölf Monate. Mit hintersinnig-tiefschürfendem Humor hatte er stets die Lacher für sich, ganz ohne jemanden zu verletzen. Weil man nicht unbedingt von weither kommen muss, um in einzelnen Dörfern als Fremdling zu gelten, präsentierte Henze eine Integrationsverpflichtung für Neubürger: Plattdeutsch, Treckerfahren, Sägeschein und Bierflaschen mit dem Feuerzeug öffnen. Wenn dann als nächste Flüchtlingswelle die der Großstädter komme, sei sicher: „Wir schaffen das!“

Dass „Wir schaffen das!“ auch für die kommenden Herausforderungen an Rat, Verwaltung und Bürgerschaft keine Utopie ist, betonte Bürgermeister Bormann. Er dankte allen, die ehrenamtlich oder auch hauptamtlich positiv am freundlichen Gesicht der Samtgemeinde mitgewirkt haben. Die Organisatoren des Bürgerentscheids gegen die Fusion in Süstedt lobte er dafür, dass sie in einem für die Gemeinde einmaligen Prozess „Größe in der Niederlage“ bewiesen hätten. Er wertete dies als Beweis dafür, „dass sie Basisdemokratie in der reinsten Form beherrschen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Deutsche Soldaten sterben bei Hubschrauberabsturz in Mali

Deutsche Soldaten sterben bei Hubschrauberabsturz in Mali

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Mittwoch

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Mittwoch

Hochwasser-Einsatz der Verdener Feuerwehren

Hochwasser-Einsatz der Verdener Feuerwehren

Vorsicht: Hier lauern im Haushalt die meisten Keime

Vorsicht: Hier lauern im Haushalt die meisten Keime

Meistgelesene Artikel

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

B6 neu-Pläne: „Beruhigungspille für Anwohner“

B6 neu-Pläne: „Beruhigungspille für Anwohner“

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

Kommentare