Team geht für Spenden neue Wege

Zeit für Neubau des Kinderheims „Kleine Strolche“ läuft langsam ab

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Andrea Dierks und Sandra Müller von der Verwaltung sind froh über ihren neuen Arbeitsplatz. Kleine Strolche

Asendorf - Von Julia Kreykenbohm. Hübsch ist es geworden, das neue Gebäude auf dem Gelände des Kinderheims „Kleine Strolche“ in Asendorf. Doch das rote Holzhäuschen soll nur eine Übergangslösung sein – die jedoch bitter nötig war. Über zwei Jahre mussten die Mitarbeiter der Verwaltung in Containern ausharren, beengt, im Winter klirrend kalt, im Sommer brütend heiß. Konzentriertes Arbeiten fiel da oft schwer, erzählt Leiter Bernhard Schubert.

In dem neuen Gebäude, das er und seine Frau aus eigener Tasche bezahlt haben, gibt es genug Platz und Räume für die Mitarbeiter, Akten, Unterlagen und darüber hinaus noch ein kindgerechtes Zimmer, wenn Eltern ihre im Heim untergebrachten Kleinen besuchen kommen. Das kann auch für therapeutische Anwendungen oder Begutachtungen genutzt werden. Der Keller bietet Platz für eine Kleider- und Vorratskammer, denn viele Kinder kommen ohne Jacke und Schuhe.

„Wenn der geplante Neubau kommt, könnte die Verwaltung wieder ausziehen und das eingeschossige Häuschen für betreutes Wohnen von Müttern mit ihren Kindern genutzt werden“, sagt Schubert und blickt nachdenklich aus dem Fenster, wo dunkle Wolken vorbeiziehen. Ein Bild, das fast schon Symbolcharakter besitzt. Denn für den Neubau, für den das Kinderheim „Kleine Strolche“ nun seit fast zwei Jahren kämpft, sieht es – wortwörtlich – düster aus.

„Die Jugendamtsmitarbeiter sind teilweise völlig verzweifelt“

Das Ehepaar möchte einen zweigeschossigen Neubau mit Keller, in dem nicht nur die Verwaltung Platz hat, sondern vor allem die bis zu sechs Jahre alten Kinder. Denn das Heim platzt mittlerweile aus allen Nähten. Auch Therapieräume und Zimmer für ältere Kinder sollen entstehen. Zudem möchte das Ehepaar Schubert, dass die Betreuung der Säuglinge, für die bisher nur ein Raum zur Verfügung steht, einen kompletten Wohnbereich bekommt. Darüber hinaus gäbe es dort Platz, um die medizinischen Geräte unterzubringen, denn viele Kinder müssen aufgrund von Misshandlungen beatmet oder künstlich ernährt werden. „Sie sind zu krank für eine Pflegefamilie, aber nicht mehr krank genug für das Krankenhaus“, fasst Schubert zusammen.

Benötigt werde der Neubau auf jeden Fall, denn der Bedarf sei extrem hoch. An manchen Tagen gehen vier Anrufe in einer halben Stunde ein. Sie kommen aus ganz Norddeutschland, sogar aus Düsseldorf und Berlin. „Die Jugendamtsmitarbeiter sind teilweise völlig verzweifelt, weil sie in der ganzen Republik herumtelefonieren müssen, um einen Platz für die Kinder zu finden. Und auch wir müssen ihnen häufig absagen“, sagt Schubert.

Mit einem Sommerfest weihen die „Kleinen Strolche“ das neue Gebäude ein.

Er und seine Frau haben nichts unversucht gelassen, um das Geld, knapp vier Millionen Euro, zusammenzubekommen. Sie rührten ununterbrochen die Werbetrommel, bekamen Fördermittel vom Land und der EU, viele Menschen spendeten und machten Aktionen, für die das Ehepaar sehr dankbar ist. Es waren Privatpersonen und Vereine, kleine sowie mittelständische Unternehmen.

Große Firmen schickten nur Absagen

Doch die großen, die als Sponsoren hätten auftreten können, die so dringend benötigt werden, haben nur Absagen geschickt. „Es ist sehr schade“, sagt Schubert bedauernd. Und es grenze schon an Zynismus, dass ein Konzern, der über Deutschland hinaus bekannt ist, keine Spende für ein Kinderheim übrig habe, aber kurz nach der Absage einen Werbespot ausstrahle, in dem singende Kinder auftreten – und der sicherlich fast genauso viel gekostet habe, wie das Heim für den ersten Bauabschnitt benötigt, also etwa 1,3 Millionen Euro.

Lesen Sie auch einen Kommentar zum Thema: Kein Geld für die „Kleinen Strolche“.

Ebenso bitter empfindet Schubert die Reaktion der umliegenden Landkreise und aus Hannover. Kinder aus diesen Bereichen werden bei den „Kleinen Strolchen“ untergebracht, aber keiner von ihnen möchte das Heim unterstützen. „Sie haben uns geschrieben, sie hätten das Geld nicht, möchten aber gern weiterhin Kinder bei uns in Obhut geben.“

Fest steht, dass dem Heim die Zeit davonläuft. Wenn der Neubau im Oktober 2018 nicht fertig ist, verfallen die Fördermittel der EU, und das Projekt ist gestorben. Das heißt, Ende dieses Jahres muss mit den Arbeiten spätestens begonnen werden.

Letzte Hoffnung Internet?

Die letzte Hoffnung setzt Schubert gewissermaßen auf die Macht des Internets. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter, Wolfgang Witt, kümmert sich dort um den Auftritt der „Kleinen Strolche“ und unterstützt die Sponsorensuche. „Mit seiner Hilfe schaffen wir eine größtmögliche Transparenz, damit die Leute genau sehen, was mit ihrem Geld passiert. Das erreichen wir unter anderem mit einem Newsletter.“ Auch über Paypal und Schenkungen hofft Schubert auf ein paar Einnahmen.

Wenn das Projekt Neubau tatsächlich platzt, soll das gespendete Geld in ein anderes fließen, von dem zu 100 Prozent die Kinder profitieren werden. „Natürlich schreiben wir vorher die Spender an und fragen sie, ob sie damit einverstanden sind“, versichert Schubert. Er seufzt: „Es wäre wirklich schade, aber wenn wir es nach so langer Zeit nicht schaffen, dann soll es wohl nicht sein.“

Direkt zur Homepage der „Kleinen Strolche“ geht es hier.

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