Kunst, Kultur und Ökologie 

Neu-Martfelder wollen Kunstheimatinsel schaffen

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Haben Großes vor mit ihrer derzeit in Martfeld entstehenden Kunstheimatinsel: Innah und Rainer Schilling.

Martfeld - Von Ulf Kaack. Dass sie mit Macht an ihrem Lebenstraum, ihrem Lebenswerk arbeiten, ist unschwer zu erkennen: Innah und Rainer Schilling residieren inmitten einer riesigen Baustelle auf ihrem Resthof, aus dem ihre Kunstheimatinsel – so die derzeitige Projektbezeichnung – entstehen soll. Das Ehepaar hat Großes vor in Martfeld.

Die Wurzeln der beiden liegen in Bremen. Viele Jahre haben sie dort gelebt und gearbeitet. Innah Schilling studierte Kunst, malte und gestaltete, war an verschiedenen kulturellen Performances und Ausstellungen beteiligt, erteilte Kunstunterricht an freien Schulen. Ihr Mann ist im Filmfach zu Hause.

Nicht lange ist es her, da wurde es den Schillings zu eng in der Hansestadt, die Luft zu dünn in der Wesermetropole. Es zog sie hinaus ins Ländliche. „Dahin, wo man den Horizont nicht nur erahnt. Dahin, wo Raum ist und Freiheit, Ruhe, Stille und ein Ort des inneren Dialogs“, sagt das Paar.

2016 haben die Eheleute die einstige Hofstelle an der Hoyaer Straße bezogen. Seitdem durchzieht ein permanenter Gestaltungsprozess das großflächige Hauptgebäude. Vieles ist bereits geschafft: der Boden frisch gefliest, neue Fenster und Türen erstrahlen in hellem Weiß, der Putz an den Wänden gemacht. Zwei Hektar Land umrahmen das Ensemble.

Eine Oase für Kunst, Kultur und Ökologie soll entstehen

Bei den Arbeiten lässt sich das Paar Zeit, zumal Rainer Schilling gesundheitlich momentan eingeschränkt ist. Doch die Zwei denken und planen langfristig und sprühen über vor Enthusiasmus, wenn sie davon sprechen, was sie innerhalb der kommenden zwei Jahre realisieren wollen.

Die Kunstheimatinsel am Martfelder Ortsausgang in Richtung Hoya soll eine Oase werden, die Kunst und Kultur, Geisteswissenschaft und Ökologie zum Inhalt haben soll. Das klingt ambitioniert – und ist es auch. 

„Wir selbst leben sehr puristisch, brauchen in diesem riesigen Haus nur ein Bad und ein Schlafzimmer“, umreißt Innah Schilling ihr Konzept. „Der Rest ist Freiraum für künstlerische Dinge und Aktivitäten, die wir selbst initiieren, die wir hier zu uns herholen und die auf uns zufließen werden.“

Im Kopf hat sie dabei einen Brückenschlag zur Londoner Kunstszene, die sie äußerst wertschätzt. Und natürlich zu diversen Weggefährten aus Bremen und dem Umland. Ihr Netzwerk ist, so sagt Innah Schilling, engmaschig und weitverzweigt. Dass schon bald reichlich kreatives Leben auf der alten Hofstelle herrschen wird, ist für sie unumstößlich.

Gäste sollen sich einbringen können

Dabei will sie das Projekt keinesfalls als eine Galerie verstanden wissen. Natürlich soll man etwas betrachten und verinnerlichen. Allerdings nicht vor dem Hintergrund von kulturellem Kommerz und plakativem Konsum von Inhalten. Deutlich mehr Tiefgang stellt Innah Schilling sich vor. Die Möglichkeit für alle Gäste und Beteiligten, sich gestalterisch mit einzubringen. Jeder nach seiner Façon und seinen Talenten.

Im Garten schwebt der Bremer Künstlerin eine Art Skulpturenpark vor. Voller stilistischer Vielfalt. Zwischen den Werken darf dabei durchaus Gemüse wachsen. Biologisch angebaut natürlich. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sind für die beiden ein festes Element innerhalb allen Seins. Okay, sie ist etwas komplex, diese Gesamtphilosophie. Aber nachdenkenswert.

Und damit hat sich der Ideenpool von Innah und Rainer Schilling noch längst nicht erschöpft. Denn auch die Komponente Musik soll Einzug halten. Chorkonzerte, Klangkunst, Performances mit Volksliedern. Ernster und Unterhaltungsmusik sämtlicher Couleur stehen die Tore offen. Denn Platz für einen Konzertbetrieb ist ebenfalls reichlich vorhanden. Ebenso für Lyrik und Prosa. 

Ein Gesprächskreis ist auch in Planung

Und Gesprächskreise stehen auf dem imaginären Zettel, auf dem ein neuer Zeitgeist entwickelt werden soll. „Wir möchten Philosophen, Kulturschaffende und Ökologen zu einem zwanglosen Gedankenaustausch zusammenbringen, andere Menschen daran beteiligen“, sagt die neue Buten-Bremerin. „Es soll keineswegs verkopft zugehen, sondern beflügelt und von verschiedenen Seelen getragen.“

Rainer Schilling ist indes Experte für das klassische und experimentelle Filmfach. Außerdem besitzt er eine umfangreiche Sammlung von Vinylschallplatten. Beides weitere Ansätze, die konzeptionell Einfluss nehmen könnten. Doch bei diesem vielschichtigen Kaleidoskop schöpferischen Gedankenguts muss nicht alles ad hoc realisiert werden. Denn die Schillings haben Zeit, aus der sie Ruhe und Inspiration schöpfen für ihr kunstbeflissenes Ökotop.

Auf solche Gedanken kann man kommen, in der Idylle Martfelds. Das Künstlerpaar saugt diese geradezu in sich auf. Nachts beim Lauschen des Gesangs der Nachtigall oder tagsüber beim Betrachten ihrer jungen Gänse, die ihnen im vergangenen Jahr zuliefen und die sie großgezogen haben. 

Martfelds Einwohner sollen besonders angesprochen werden

Die Teilhabe vieler Menschen aller Facetten ist Innah und Rainer Schilling dabei sehr wichtig. Vor allem die Martfelder Bürger wollen sie in ihre Kunstheimatinsel unmittelbar mit einbeziehen, denken bereits – wie sollte es anders sein – darüber nach, im Dorf einen Zeitgeist-Verein zu etablieren.

Die Kreiszeitung wird das Projekt weiter verfolgen.

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