Jonas Detering berichtet über Afrika

Nach einem Jahr Ghana gab’s erst mal Labskaus bei Oma

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Jonas Detering berichtete beim Büchertischkreis über seinen Ghana-Aufenthalt. Mit dabei war auch seine Oma Elisabeth.

Asendorf - Von Vivian Krause. Zu Kaffee und Kuchen gab es beim jüngsten Treffen des Büchertischkreises in der evangelischen St.-Marcellus-Kirche in Asendorf auch einen Vortrag von Jonas Detering.

Der 19-jährige Enkel von Elisabeth Detering, die ebenfalls zu der Gruppe gehört, berichtete den 20 Zuhörern über seinen Aufenthalt in Ghana (Westafrika). Dort machte der angehende Student einen einjährigen Freiwilligendienst.

Die Entscheidung, für ein Jahr nach Westafrika zu gehen, traf Jonas Detering nach seinem Abitur. „Die Entwicklungspolitik hat mich interessiert“, sagt er. Mit dem „weltwärtsprogramm“ ging es also nach Ghana, genauer gesagt in den Ort Adeiso im Süden Ghanas. Die erste Erkenntnis: Es ist unglaublich warm. „Auch nachts fallen die Temperaturen nicht unter 23 Grad“, sagt der 19-Jährige. „Schön kuschelig“, fügt er an und lacht.

Arbeitete mit auf einer Farm

Er lebte bei einer Familie in Adeiso, arbeitete auf einer Farm in Asuotwene. „Alle haben mich ganz lieb aufgenommen“, sagt er. Generell sei die Gastfreundschaft in Ghana groß. Sein Chef auf der Farm bewirtschaftet zehn bis zwölf Hektar Land. Zur etwa zehn Minuten entfernten Arbeit kam Jonas Detering mit dem Bus. Dieser fährt nicht nach einem Fahrplan, „aber er kommt.“

In Ghana gebe es viele Selbstversorger. „45 Prozent leben von der Landwirtschaft“, sagt Jonas Detering. In Deutschland seien es nur rund 1,5 Prozent. Doch Landwirtschaft ist nicht gleich Landwirtschaft, erklärt er. Jonas Detering arbeitete in Ghana nicht mit großen Maschinen, sondern mit der Hand. Die Ghanaer benutzen die Machete für fast alles – vom Bäumefällen bis hin zum Feldbestellen, sagt der angehende Student.

Die Amtssprache ist Englisch. „Aber nicht jeder unterhält sich auf Englisch“, stellt Jonas Detering fest. Es gebe rund 40 einheimische Sprachen, in seinem Umfeld waren die vorherrschenden Twi und Ewe. „Ich habe das leider nicht gelernt“, bedauert der 19-Jährige im Nachhinein.

Religion ist großes Thema in Ghana

Die Religion sei ein großes Thema in Ghana. Die Mehrheit der Bevölkerung ist christlich. Die meisten Einwohner gehen nicht nur zu Weihnachten in die Kirche, sondern mehrmals die Woche. „Dort gibt es nicht nur zwei Kirchen in einem Dorf wie hier“, sagt er. Ein Dorf habe bis zu sechs Gotteshäuser. 

Er erlebte während seines Jahres in Afrika sowohl eine Hochzeit als auch eine Beerdigung. Der Trauergottesdienst dauerte zwei bis drei Stunden, erinnert sich der 19-Jährige. Zum Teil seien die Särge dort richtige Kunstwerke. Insgesamt sei eine Beerdigung in Ghana fröhlicher als in Deutschland, „aber natürlich auch traurig“, fügt Jonas Detering an. Die Leute feiern eher das Leben der Verstorbenen als deren Tod.

Doch nicht nur der Glaube, auch das Essen unterscheide sich zu dem in Deutschland. In Ghana gebe es laut Jonas Detering vier Hauptmahlzeiten: Banku (ein Kloß aus Maismehl und Maniok), Redred (Bohnen mit frittierten Kochbananen), Joloffreis (in Tomatensoße angebratener Reis) und Fufu (ein Brei aus gestampftem Maniok mit Kochbananen). „Das ist eins meiner Lieblingsessen geworden“, sagt der 19-Jährige zum ghanaischen Fufu.

Verzicht auf Kartoffeln

Auf die typisch deutsche Kartoffel musste er verzichten. Durch die Wärme und das feuchte Klima könne diese in Ghana nicht angebaut werden. „Die Pflanze fault dort“, sagt Jonas Detering. Dafür gab es viel Reis. Der 19-Jährige schrieb eine Liste mit Gerichten, die er gerne wieder essen würde, wenn er in Deutschland ankommt. „Das erste Essen war bei Oma Labskaus.“

Gegessen wird in Ghana oft mit der Hand, „aber nur mit der rechten“, sagt Jonas Detering. Nicht nur beim Essen, sondern auch bei der Begrüßung nutzen die Einheimischen niemals die Linke, diese gilt als unrein, weil man sich damit wäscht. „Das wäre eine Beleidigung.“

„Es gibt keine Ziegelhäuser mit doppelverglasten Fenstern“, beantwortet Jonas Detering lächelnd eine der zahlreichen Nachfragen aus dem Büchertischkreis. Die meisten Häuser seien aus Zementblöcken errichtet und hätten ein Blechdach. Größtenteils gebe es Elektrizität, auch auf den Dörfern, aber Wasserleitungen im Haus eher nicht.

Duschen unter freiem Himmel

So hieß es für Jonas Detering: Freiluftduschen. Das Wasser holte er aus dem Brunnen, geduscht wurde mithilfe von Eimern. Eine willkommene Erfrischung, sagt der 19-Jährige. Besonders nach der Arbeit. Seine Wäsche wusch er mit der Hand. „Ich will nicht sagen, dass das immer gut geworden ist“, fügt er an und lacht. „Es ist halt anders“, fasst er zusammen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Jonas Detering die Parlaments- und Präsidentschaftswahl im Dezember. Es gebe in Ghana zwei große Parteien, eine konservative und eine sozialdemokratische – die Neue Patriotische Partei (NPP) und den Nationaldemokratischen Kongress (NDC) – sowie mehrere kleinere. 

„Ich war in der Hauptstadt [Accra, Anm. d. Red.], als das Ergebnis der Wahl verkündet wurde.“ Die Leute seien mit Flaggen durch die Straßen gelaufen. Jonas Detering fühlte sich an Ereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland erinnert. Nana Akufo-Addo von der NPP setzte sich mit 53,8 Prozent Stimmenanteil gegen Amtsinhaber John Mahama vom NDC durch.

An Malaria erkrankt

Ein weiteres einprägsames Erlebnis: eine Malaria-Erkrankung. Dieser Virus wird von infizierten Mücken übertragen. Jonas Detering bekam die Krankheit eine Woche bevor er nach Hause flog. Die medizinische Versorgung sei nicht wie in Deutschland. Auf einen Arzt in Deutschland kämen rund 1 000 Patienten, auf einen in Ghana rund 4 000, schätzt der Asendorfer. Man müsse daher mit langen Wartezeiten rechnen. Seine Malaria-Erkrankung wurde mit Spritzen behandelt.

Sein Jahr in Ghana hat Jonas Detering in Fotos festgehalten, die er nach seinem Vortrag in der Kirche rumreichte. Und schon begannen Gespräche über die Lebensweise, die Kultur und das Wetter, gespickt mit Sätzen wie „Das sieht aber schön aus“, „Tolles Foto“ und „Die sehen ja nett aus“. Für Jonas Detering steht fest: Er möchte noch einmal nach Ghana reisen. Im Oktober geht es für ihn tatsächlich wieder weg – allerdings nicht ganz so weit. Er beginnt in Passau (Bayern) ein Studium der Staatswissenschaften.

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