Nur das Schöne ist nichts für ihn

Musiker Roland Berens schafft Gänsehaut-Atmosphäre in Schwarme

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Die Gitarre in der Hand, die Mundharmonika um den Hals, die Augen geschlossen: Roland Berens präsentierte gefühlvolle, anspruchsvolle Texte ebenso wie anspruchsvolle Kompositionen im ausverkauften Robberts Huus in Schwarme.

Schwarme - Von Jana Wohlers. Klänge des poetischen Rhythm and Blues, fusioniert mit einer geballten Portion aus Jazz-, Rock- und Folk-Elementen, erklangen am Freitagabend in Schwarme. Doch das Konzert von Roland Berens beeindruckte mit viel mehr als nur musikalischer Unterhaltung.

Es beeindruckte mit gefühlvollen Texten, mitreißenden Passagen und bewegenden Themen. Der Musiker nahm seine Zuhörer im voll besetzten Kulturzentrum Robberts Huus mit auf eine philosophische Reise.

„Meine Songs sind Geschichten, die das Leben schreibt“

Lange dauerte es nicht, bis der gebürtig aus Verl in Nordrhein-Westfalen stammende Berens das Publikum auf seiner Seite hatte. Schon nach seinem ersten Song, der Blues-Liebesballade „All das bist du für mich“, tippten Hände und Füße der Zuschauer im Takt der Musik. Die bestand aus verschiedenen Gitarren- und Mundharmonika-Tönen, die der Künstler mal abwechselnd, häufig jedoch in atem(be-)raubender Weise gleichzeitig erklingen ließ.

Die Songs, komponiert und getextet größtenteils von Berens selbst, überzeugten durch eine beeindruckende Nähe zur Realität. „Ich halte nichts davon, nur von den schönen Dingen des Lebens zu musizieren“, erzählte Berens seinem gespannt lauschenden Publikum. „Meine Songs sind Geschichten, die das Leben schreibt.“

Der Künstler präsentierte seine Musik ebenso sympathisch wie sich selbst. Sie ist authentisch und verfolgt einen unverkennbar eigenen Stil, macht nachdenklich, enthält Akkorde der Poetik und Romantik.

Gitarre und Munharmonika gleichzeitig - anspruchsvolles Spiel

Ein Wort findet sich darin häufiger: Zeit. „Was ist Zeit? Es ist ein Begriff, der kaum fassbar ist, subjektiv geprägt und irgendwie geheimnisvoll“, sagte der Blues-Musiker. In seinem gleichnamigen Song „Zeit“ zeigte er seine ganz eigene Interpretation dieses philosophischen Themas. Durch unterschiedliche Variationen in Takt und Gesang verlieh er der Zeit Ausdruck.

Nicht enden wollenden Applaus erntete der historische, mit unverkennbaren Folk-Elementen versehene Song „Wirf fort dein Schwert“. „Deutschland verfügt über eine lange Geschichte, genau wie die Location, in der wir heute zusammengekommen sind. Eine Geschichte, die nicht nur auf jene zwölf schrecklichen Jahre begrenzt werden sollte“, sagte Berens.

„Wirf fort mein Schwert“ zeigt eine durchaus populäre Geschichte auf. Anlässlich der 350. Wiederkehr des Westfälischen Friedens präsentierte Roland Berens den Song im Beisein von Bundespräsident Roman Herzog 1998 im Dom zu Münster. Der Westfälische Frieden markiert den Beginn des Endes des Dreißigjährigen Kriegs. Der mittelalterliche Text von „Wirf fort mein Schwert“, gepaart mit einem musikalisch anspruchsvollen gleichzeitigen Spiel von Gitarre und Mundharmonika, hatte eine berauschende Wirkung auf das Publikum. Der Grund: Berens bildete als Solo-Künstler die Ober- und Unterstimme von Ted Turner und Andy Powell nach, an deren Musik sich die Kompensation orientierte. Der Musiker durchlebte die Tiefe seines Songs so gefühlvoll, dass er für wahre Gänsehaut-Momente sorgte.

Ein Song feiert in Schwarme Premiere

Extra für Schwarme hatte Roland Berens eine Premiere im Gepäck: Der Song „Unsagbar weit“ erzeugte ein Gefühl der Erinnerung an vergangene Zeiten in lauen Sommernächten, in denen der Mensch das schier unendlich große Universum betrachtet. „In der heutigen Zeit ist es einfacher, gute Songs zu schreiben“, behauptete Berens. „Schwieriger ist es geworden, ein Thema zu finden, das beeindruckt.“

Beeindruckend – kein anderes Wort würde die Wirkung von „Unfassbar weit“ auf das Publikum besser beschreiben. Berens' sanft wiederhallende Stimme ließ die Zuhörer ihre Augen schließen und zauberte ein musikalisches Bilderbuch in die Köpfe.

Mit seiner eindrucksvollen Kombination aus exzellenten Mundharmonika-Soli, passend abgestimmtem Gitarrenspiel und seinen fast philosophischen deutschen Texten erntete der Musiker immer wieder tosenden Applaus.

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