Absage wegen Corona-Vorgaben

Keine Nikolausfahrten bei der Museumseisenbahn Bruchhausen-Vilsen

Historischer Dampfzug mit viel Dampf im Bahnhof mit herbstlichen Bäumen.
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Ein Dampfzug vor herbstlicher Kulisse – eine Aufnahme mit Seltenheitswert, denn die Saison endet normalerweise am 3. Oktober. Nikolausfahrten wird es in diesem Jahr aber nicht geben.

Wegen der anhaltenden Vorgaben zur Einschränkung der Corona-Pandemie muss die Museumseisenbahn Bruchhausen-Vilsen die Nikolausfahrten absagen.

Update vom 1. Dezember 2020: Br.-Vilsen – Der Nikolaus war schon auf dem Weg nach Bruchhausen-Vilsen – im Gepäck viele Weihnachtsgeschenke voller Süßigkeiten für Kinder, die an den Adventswochenenden ein letztes Mal in diesem Jahr mit der Muselbahn fahren wollten. Da ereilte ihn die schlechte Nachricht: Der Deutsche Eisenbahnverein (DEV) sagt wegen der Corona-Pandemie alle Nikolausfahrten in der Samtgemeinde ab.

Damit der Nikolaus allerdings nicht ganz umsonst nach Bruchhausen-Vilsen gekommen ist, entschloss sich die Museums-Eisenbahn, die Süßigkeiten, die für die Nikolausfahrten gedacht waren, an die gemeinnützige Tafel zu spenden. Denn es seien bereits alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen worden, teilt der DEV in einer Pressenotiz mit. Ein ehrenamtliches Team habe sich auch bereit erklärt, die Extratouren durchzuführen, um auf diese Weise viele Kinderherzen zu erfreuen. Doch die beliebten Dampfzüge kommen in diesem Jahr nicht mehr zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf zum Einsatz.

Fahrkarten für Nikolausfahrten werden erstattet

Für die Museums-Eisenbahn bedeutet das einen weiteren finanziellen Verlust, erklärte Gunther Meckmann vom DEV-Vorstand. Noch Mitte November gab es Grund zur Hoffnung, die Fahrten ab dem 2. Adventswochenende durchführen zu können (wir berichteten). Doch daraus wird nichts. Jetzt sei man deswegen nur noch um Schadensbegrenzung bemüht. Fahrkarten, die bereits online bestellt worden sind, können an den Verkaufsstellen zurückgegeben werden.

Einen kleinen finanziellen Ausgleich verspricht sich derDEV nun durch Online-Bestellungen im Web-Shop des vereinseigenen Bücherladens. Vorstandsmitglied Dirk Lonscher verweist auf eine große Auswahl an Eisenbahnliteratur und -bildbänden, Kinderbüchern und Souvenirs, Filmen und hochwertigen Eisenbahnmodellen.

Ursprungsartikel vom 18. November 2020: Br.-Vilsen – „Die Fahrsaison 2020 konnte nicht an die Anzahl von Fahrgästen des Vorjahres anknüpfen.“ Das Fazit des Deutschen Eisenbahnvereins (DEV) zum Corona-Jahr verwundert nicht. Die Züge konnten wegen der Abstandsregeln bei Weitem nicht die Gäste zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf hin- und herfahren wie in „normalen“ Jahren. Dem Vorstand sind jedoch (noch) keine Fahrgastzahlen zu entlocken. Nur so viel: Trotz Saisonverlängerung bis Ende Oktober blieb die Zahl der beförderten Fahrgäste rückläufig.

Finanziell muss das für den Verein ein Desaster sein; die verkauften Fahrscheine sind eine tragende Säule der Finanzierung. Aus Mitgliedsbeiträgen und Fördergeldern allein ließe sich der Fuhrpark nicht hegen und pflegen, den Ehrenamtliche wortwörtlich am Laufen halten. „Wir sind zwangsweise optimistisch, dass das nächste Jahr besser laufen wird“, sagt Pressesprecher Martin Thies auf Anfrage. Würde ein Impfstoff das altbekannte Alltagsleben ab Frühjahr wieder ermöglichen, die Museumsbahn würde davon profitieren. „Die Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihre Freizeit aktiv verbringen zu können“, hatte Tourismus-Expertin Sarah Verheyen erst kürzlich aus ihrem Fachbereich berichtet. „Wir planen die Saison ab 1. Mai 2021 erst einmal wie immer“, gibt Martin Thies die Strategie des Vorstands wieder. Denn: „Für den Fortbestand der Museumseisenbahn sind wir auf die Unterstützung von Fahrgästen angewiesen“, heißt auf der Internetseite des Vereins. Das historische Wochenende im August und die Tage der Eisenbahnfreunde sollen in jedem Fall wieder zum Programm gehören. „Mit diesen Aktionstagen sprechen wir besonders auch überregionale Gäste an“, so Thies.

Doch der Verein ziehe auch durchaus positive Schlüsse aus der Not, für die die Pandemie gesorgt hat. Um die denkbar kurze Saison aufzufangen, verlängerte der Verein den Fahrbetrieb erstmals bis Ende Oktober und war damit ein Ziel während der Herbstferien.

„Wir denken darüber nach, das unabhängig von Corona im nächsten Herbst wieder anzubieten“, sagt Martin Thies.

Interessante wie zukunftsweisende Schlüsse zog der Verein aus der Auflage, dass Fahrkarten in diesem Jahr ausschließlich online erworben werden konnten. Der Gang zum historischen Fahrkartenschalter im Bahnhof gehört zwar zum Erlebnis Museumsbahn dazu – die farbigen Papptickets von anno dunnemals sind begehrte Sammlerobjekte wie Souvenirs – doch es geht eben auch anders. „Die Besucher haben im Internet gleich ihre Kontaktdaten hinterlegen können. Dieses Verfahren stellte keine besondere Hürde für unsere Gäste dar“, berichtet Martin Thies. Das Verständnis für die auch hier notwendigen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln sei groß gewesen. Und habe persönliche Kontakte auf ein Minimum reduziert.

Umso leichter könnte daher das Geschäft mit den Nikolausfahrten werden. Billetts kann man bereits jetzt online erwerben. „Es liegen schon einige Reservierungen vor“, teilt der Pressesprecher mit. Viele Stammgäste wollen nicht darauf verzichten, den Nikolaus persönlich in denkbar uriger Kulisse zu treffen. Dass in den Wagen wegen der Aerosole nicht für ihn gesungen werden dürfte, könnte der Verein verschmerzen. Einen Einnahmeausfall dieser überaus gut besuchten Reihe nicht. „Wir hoffen inständig, dass die Nikolausfahrten stattfinden können“, gibt Martin Thies die Befindlichkeiten im Vorstand wieder. Nicht nur, weil die Präsente, die mitreisende Kinder vom Nikolaus erhalten, bereits eingetroffen sind. Am ersten Adventwochenende dürfen die Züge wegen aktueller Vorgaben nicht fahren.

Für die folgenden Wochenenden im Advent gibt es jedoch einen Fahrplan. Samstags wie sonntags jeweils um 11, 13.30 und 16.10 Uhr sollen die Nikolauszüge den Bahnhof Bruchhausen-Vilsen verlassen. „Sollte das Interesse größer sein, werden wir weitere Züge einsetzen“, bemühe sich der Verein, im Sinne der Fahrgäste zu handeln. Karten bekommt man unter tickets.museumseisenbahn.de im Internet.

Hinter den Kulissen müssen wegen der finanziellen Auswirkungen der Pandemie einzelne kostenintensive Projekte auf Eis gelegt werden. Dazu zählt der weitere Aufbau der Mallet-Lokomotive. Mit dem Einsatz der Ehrenamtlichen soll der Waggon 7 allerdings über den Winter zum Büffetwagen umgebaut werden und ab Mai den beim Publikum beliebten Speisewagen ersetzen, von dem sich die Muselbahn getrennt hat. Nicht groß aufschieben will der Verein darüber hinaus die Erneuerung der Kesselrohre, eine Voraussetzung dafür, dass die Dampflokomotive „Plettenberg“ zur nächsten Saison durch den erforderlichen Bahn-TÜV kommt.

Froh sei man im Vorstand, dass in diesem Winter keine zwingende Streckensanierung anstehe. Die dafür zuständige Gleisbau-Rotte könne sich daher vielen anderen Arbeiten rund um die Werkstatthalle widmen, um den Verein auf die nächste, hoffentlich dann wieder halbwegs „normale“ Saison vorzubereiten, sagt Martin Thies.

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