Vortrag im Meditationszentrum

Mönch bringt Indien nach Riethausen

+
Gisela Hermanns-Hünecke freut sich auf den Besuch von Mönch Bhante Sanghasena.

Riethausen - Von Vivian Krause. Ehrfurcht, Respekt, Gastfreundschaft – Werte, die in Ladakh in Indien großgeschrieben werden. Werte, die auch Bhante Sanghasena verkörpert. Werte, die beim Besuch des buddhistischen Mönchs in Riethausen spürbar sein sollen.

Bhante Sanghasena reist regelmäßig aus Ladakh (Nordindien) in verschiedene Meditationszentren – auch in Deutschland. Dabei ist er nun außer in Frankfurt, Stuttgart und Hamburg auch in Riethausen zu Gast. Das Meditationszentrum Bhavana Vihara stellt ihm und seinem Begleiter Bhante Nagasena dabei nicht nur die Übernachtungsmöglichkeit in seinen Räumen, Gisela Hermanns-Hünecke möchte für die Zwei auch kochen und ihnen die Gegend zeigen. So will sie einen Teil dessen, was sie bei ihren Reisen nach Indien erlebt hat, zurückgeben.

„Schon als Kind hat mich der Himalaja fasziniert“, sagt die Bruchhausen-Vilserin. So führte sie vor etwa sieben Jahren der Weg nach Indien. Gemeinsam mit ihrem Mann ging sie dort auf eine Trekking-Tour. Unter anderem nach Ladakh im indischen Himalaja. „Ich habe mich schon früh mit spirituellen Inhalten beschäftigt“, sagt die Logopädin und nennt als Beispiel einen einwöchigen Meditationskurs. Nachdem ihre Kinder geboren waren, rückte das Thema etwas in den Hintergrund. „Es hat mich aber nie losgelassen“, sagt die zweifache Mutter. Ihre Reise in das religiöse Land ließ den Hang zum Spirituellen aufleben.

„Ich wollte bei den Menschen sein“

Nur zwei Jahre später ging es erneut nach Indien – allerdings nicht mehr nur für eine Trekking-Reise. „Ich wollte das Meditationszentrum besser kennenlernen.“ Beim letzten Besuch vor drei Jahren hielt Hermanns-Hünecke sich durchgehend in dem Mahabodhi-Zentrum auf. „Die Trekking-Reise interessierte mich nicht mehr. Ich wollte bei den Menschen sein“, sagt sie. Vor allem bei den älteren Menschen im Heim. „Ich habe ihnen deutsche Weihnachtslieder vorgesungen“, erinnert sie sich. „Und sie waren begeistert.“ Dabei begegnete sie auch Bhante Sanghasena. „Ich habe noch nie so einen ausgeglichenen Menschen kennengelernt“, sagt Gisela Hermanns-Hünecke über den Mönch, der bald in Riethausen zu Gast ist.

Die Dörfer in Ladakh sind nur schwer zu erreichen. „Die Straßen sind nicht asphaltiert“, sagt die 66-Jährige. Die Landschaft ist karg, kaum Bäume – und Berge, so weit das Auge reicht. Die Bevölkerung auf dem Land lebt von der Landwirtschaft. Bildung ist Mangelware in dem Bundesstaat mit rund 300.000 Einwohnern.

Auch Bhante Sanghasena spürte dies. Der Mönch entschied sich zunächst für den Weg ins Militär. „Große Chancen hat man in diesem kargen Land sonst nicht“, sagt Hermanns-Hünecke. Doch er wollte nicht kämpfen, daher begann Bhante Sanghasena schließlich eine Ausbildung zum Mönch. Da er selbst in seiner Kindheit kaum Bildung genossen hatte, beschloss er, diese in Zukunft für andere Kinder und Jugendliche zu ermöglichen. „Bhante Sanghasena hat für seine Idee geworben“, sagt Hermanns-Hünecke. Mit Erfolg: 1986 startete das Mahabodhi-Hilfsprojekt mit der Gründung des Mahabodhi-Zentrums (Mahabodhi International Meditation Centre) in Leh, der Hauptstadt Ladakhs.

Dabei galt es, zunächst Schulen zu errichten, um Bildung zu ermöglichen. Anfangs wurden rund 25 Schüler unterrichtet, jetzt sind es knapp 500. Dazu kamen ein Mahabodhi-Heim für ältere und behinderte Menschen, und es sind Zentren entstanden, in denen junge Nonnen und Mönche ausgebildet werden. „Er hat innerhalb einer Steinwüste eine unglaubliche Oase geschaffen“, sagt Hermanns-Hünecke. Die Arbeit wird auch heute noch durch Spenden und Patenschaften finanziert.

Patenschaft für Sumedho

Auch Hermanns-Hünecke hat eine Patenschaft übernommen – Patenkind Sumedho hat epileptische Anfälle. „Ich zahle 360 Euro im Jahr, er bekommt dafür medizinische Versorgung.“ Die Zwei stehen in schriftlichem Kontakt, besucht hat die Bruchhausen-Vilserin ihr Patenkind bereits zweimal – und ist überwältigt. Bei ihrem jüngsten Indien-Aufenthalt vor rund drei Jahren hat sich die etwa 70 Jahre alte Mutter von Sumedho mit dem Bus auf die Reise zum Zentrum in Leh gemacht. „Sie hat sich bei mir bedankt“, erinnert sich Hermanns-Hünecke. „Das hat mich unglaublich berührt.“ Die Inderin brachte Aprikosen und einen selbst gemachten Schal sowie Socken mit.

Die tiefe Dankbarkeit der Menschen bemerkt Hermanns-Hünecke in Ladakh jedes Mal aufs Neue. Auf Einladung der Mutter machte sie sich auf, um diese ebenfalls zu besuchen. Dort wurde sie bekocht und mit Respekt und Zurückhaltung empfangen. „Der Gast ist dort König.“ Empfangen wurde sie mit dem Umlegen eines Schals – dem Kata, einem indischen Glücksschal. Nach Hause kam sie nach ihrem mehrwöchigen Aufenthalt in Ladakh mit etlichen dieser Schals.

Hermanns-Hünecke hat in der Meditation ihr Zuhause gefunden. „Das gibt mir Erfüllung und Zufriedenheit“, sagt sie. Besonders in der heutigen Zeit sei es wichtig, die Gedanken und den Geist zu beruhigen. Und das können Interessierte nun gemeinsam mit dem Begründer eines der größten Hilfsprojekte in Ladakh, Bhante Sanghasena.

Der öffentliche Vortrag beginnt am Donnerstag, 18. Mai, um 19 Uhr im Meditationszentrum in Riethausen, Hausnummer 22. Rund zwei Stunden stehen unter dem Motto „Gelebtes Mitgefühl“ und werden von Bhante Sanghasena und Bhante Nagasena aus Ladakh gestaltet. Es gibt einen Vortrag zum Mahabodhi-Hilfsprojekt in Nordindien mit Bildern sowie eine Meditation.

www.bhavana-vihara.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Zeig mir dein Auto und ich sag dir wer du bist

Zeig mir dein Auto und ich sag dir wer du bist

Wiederverwertung: Aus Plastikflaschen werden Stiefelspanner

Wiederverwertung: Aus Plastikflaschen werden Stiefelspanner

Leipzig verliert auf Schalke - BVB siegt 3:0 in Wolfsburg

Leipzig verliert auf Schalke - BVB siegt 3:0 in Wolfsburg

Parkhausteile stürzen ab - Autos hängen in der Luft

Parkhausteile stürzen ab - Autos hängen in der Luft

Meistgelesene Artikel

Wetterexperte zum Ballon-Fahrer-Festival: „Wind ist unser Hauptfeind“

Wetterexperte zum Ballon-Fahrer-Festival: „Wind ist unser Hauptfeind“

Technischer Defekt setzt Keller komplett unter Wasser

Technischer Defekt setzt Keller komplett unter Wasser

Steinkamp nach Unterspülung gesperrt

Steinkamp nach Unterspülung gesperrt

Gerätehaus in Leeste feierlich übergeben

Gerätehaus in Leeste feierlich übergeben

Kommentare