Verbände belohnen Jäger

Prämie für Nutria-Abschüsse - ein Schwanz gilt als Beweis

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Nutrias und Bisamratten können Deiche zerstören. Deshalb erhalten Jäger für erlegte Exemplare eine Prämie vom Mittelweserverband. Thomas Henrichmann, Tom Brügmann, Gerhard Winter und Peter Neumann (v.l.) überprüfen die Beweise.

Br.-Vilsen - Von Anke Seidel. Bei dieser Premiere ist der Andrang bei Weitem nicht so groß wie erwartet. Sieben Jäger sind gekommen, um sich die sogenannte Schwanz-Prämie zu sichern. Der Mittelweserverband hat sie erstmals für Nutrias ausgeschrieben.

Diese Nager stehen als invasive, also eingeschleppte Tierart, auf der Abschussliste. Weil sie in Deichen und Böschungen tückische Schäden anrichten können, zahlt der Verband den Jägern pro erlegtem Nutria sechs Euro. Als Beweis müssen sie die Schwänze der getöteten Tiere vorlegen.

62 liegen am Ende in einer großen Plastikwanne, die auf dem Gelände des Mittelweserverbands-Bauhofs in Bruchhausen-Vilsen steht. Der unangenehm beißende Geruch verrät: Die Jäger haben diese tierischen Körperteile in Alkohol konserviert. Tom Brügmann, amtlicher Bisamjäger und Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer, überprüft die Beweise und registriert die Namen der Jäger sowie die Abschussorte der Nutrias. Bis zu 65 Zentimeter lang und bis zu 15 Kilogramm schwer können die Nager mit den auffallenden Zähnen werden. „Bis zu vier Mal im Jahr haben sie mindestens vier Junge, die durchkommen“, beschreibt Peter Neumann als Geschäftsführer des Mittelweserverbands die Fruchtbarkeitsrate.

Neumann ist in großer Sorge, weil Nutrias in Böschungen, Deichen und Dämmen wühlen – oftmals unbemerkt – und dadurch enormen Schaden anrichten können. Im schlimmsten aller denkbaren Fälle würde das Wasser durchfließen – die Schutzfunktion des Deiches wäre damit zerstört.

Bisher keine Schäden erkennbar

Noch seien keine Schäden erkennbar, sagt Peter Neumann. Aber der Mittelweserverband trägt Verantwortung für 52 Kilometer Weserdeich in den Landkreisen Diepholz, Nienburg und Verden – und muss für Sicherheit sorgen.

Deshalb kartieren Neumann und sein Stellvertreter Thomas Henrichmann die Abschussorte der Nutrias. Demnach sind allein 20 im Bereich Stuhrer Seegraben und Kirchweyher See erlegt worden, weitere am Süstedter Bach und am Rieder Umleiter. Außerdem erlegten Jäger Nutrias in Amedorf/Ritzebergen, Ahsen-Oetzen und Holschenböhl im Landkreis Verden.

Weil die Jäger die Nutria-Schwänze konserviert haben, ist der Abschusszeitraum nicht mehr genau nachvollziehbar. Die reale Abschusszahl sei mit Sicherheit höher als die der abgegebenen Trophäen, sagt Tom Brügmann beim Termin auf dem Bauhof. Manchen Jägern sei der Weg nach Bruchhausen-Vilsen für die sechs Euro Prämie wohl zu weit gewesen, überlegt Peter Neumann.

Es ist der landesweite Satz, den der Mittelweserverband zahlt. Dass alle den Jägern die gleiche Prämie bieten, hat einen Grund. „Wir wollen Schwanztourismus verhindern“, formuliert es Peter Neumann. Aber Kenner wissen, dass andere Verbände – aus Tradition – inoffiziell mehr Geld zahlen für Nutria-Trophäen.

Prämien auch für Bisamratten

Es sind nicht nur Prämien für erlegte Nutrias, die der Mittelweserverband an diesem Tag zählt. Weil Bisamratten genauso tückische Schäden anrichten können, werden Jäger auch für ihren Abschuss belohnt. 4,50 Euro gibt es für ein erlegtes Tier. Als Beweis dafür muss wiederum der Schwanz vorgelegt werden. 196 sind es bei dieser Zählung in Bruchhausen-Vilsen. Einen Großteil davon – exakt 145 – haben allerdings Mitarbeiter des Mittelweserverbands selbst erlegt. Sie haben Schlagfallen im Einsatz, um Uferböschungen und Deiche zu schützen.

Die Bisambekämpfung erfolgt in Niedersachsen nach dem Niedersächsischen Wassergesetz im Rahmen der Unterhaltungspflicht von Deichen und Dämmen. Genau die regelt das Niedersächsische Deichgesetz. Die Koordination ist bei der Landwirtschaftskammer angesiedelt. Im vergangenen Jahr waren landesweit 108 189 Bisame gefangen worden.

„Die Nutria hat sich inzwischen fast flächendeckend in Niedersachsen ausgebreitet“, heißt es im Jahresbericht der Landwirtschaftskammer. Lag die Strecke dieser Nager im Jagdjahr 2013/14 bei 4  539 Stück, so waren es im Jagdjahr 2016/17 bereits 21 866.

92 erlegte Nutrias im Jahr 2016/17, 238 im Jahr 17/18

Erlegten die Jäger im Landkreis Diepholz 2015/16 noch vier Exemplare dieser Art, waren es ein Jahr später bereits 92, während es im gerade abgeschlossenen Jagdjahr sage und schreibe 238 waren.

Sowohl die Jäger als auch die Wasserunterhaltungsverbände warten auf die Abschaffung des Mutterschutzes bei Nutrias. Der Erlass wird zurzeit im Landwirtschaftsministerium vorbereitet. „In unserer Brust schlagen zwei Herzen“, zeigt Peter Neumann Verständnis für Tierschützer, die sich damit nicht anfreunden können. Ähnlich hatte sich bereits Kreisjägermeister Cord-Hinrich Hespe geäußert.

Aber die Gefahr für schützende Uferanlagen sei zu groß, hieß es.

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