Da haben viele was verpasst: Diana Rathmann und Felizia Frenzel singen in Broksen

„Mit reichem Trost beschüttet“

Da lobt die Seele den Herren: Felizia Frenzel (links) und Diana Rathmann in der Bartholomäus-Kirche Bruchhausen. Am Spinett: Uwe Pilgrim. - Foto: Bert Strebe

Br.-Vilsen - Von Bert Strebe. Sie beginnen a cappella, ohne Begleitung. „Nun lob, mein Seel, den Herren“, heißt das Stück, geschrieben 1605 von Michael Praetorius. Der Text basiert auf Psalm 103. Die Menschen, heißt es in der ersten Strophe, würden von Gott „mit reichem Trost beschüttet“. In Osnabrück haben die Leute dieses Lied im Freudentaumel gesungen, als 1648 der Dreißigjährige Krieg zu Ende war.

Jetzt erklingt es aus den Kehlen von Diana Rathmann und Felizia Frenzel. Zusammen mit dem Kirchenmusiker Uwe Pilgrim bestreiten die beiden jungen Sopranistinnen am Donnerstagabend ein geistliches Konzert in der St.-Bartholomäus-Kirche in Bruchhausen. Es ist das erste Konzert einer kleinen Tournee. Felizia Frenzel und Diana Rathmann haben sich beim Studium in Rostock kennengelernt – Diana Rathmann lebt heute als Sängerin und Gesangspädagogin in Bruchhausen-Vilsen.

Schon nach den ersten Tönen weiß das Publikum, dass es hier etwas Besonderes erlebt. Die Stimmen der beiden Sängerinnen ergänzen sich auf frappierende Weise. Felizia Frenzels Sopran ist kraftvoll und warm und weich zugleich. Der von Diana Rathmann hat etwas Zartes, Gläsernes und Funkelndes. So trägt die eine immer auch die andere mit Hilfe ihrer jeweiligen Stärken. Bei manchen Liedern ist es, als würde aus den beiden Stimmen ein neuer, dritter Klang entstehen. Er geht direkt in die Herzen der Zuhörer.

Leider sind nicht allzu viele Herzen zugegen. In den 30 Bänken der Bartholomäus-Kirche verlieren sich 25 Menschen. Dass nur so wenige gekommen sind, wirkt etwas beschämend angesichts der Qualität des Gebotenen.

Die wäre ohne jede Frage auch größeren Konzertsälen angemessen. Die Stücke stammen von bekannten Kirchenmusikkomponisten wie Heinrich Schütz oder Claudio Monteverdi, auch Arbeiten von Felix Mendelssohn Bartholdy und sogar Mozart kommen zu Gehör. Daneben gibt es kleine, nicht so geläufige Schätze wie „The Lord bless you and keep you“ vom 1945 geborenen John Rutter.

Uwe Pilgrim, der die Damen begleitet, sitzt ein paarmal auf der Empore an der Orgel, sonst vorn im Altarraum am Spinett. Das ist ein kleines Cembalo, eigentlich eher für Hausmusik als fürs Konzert gedacht. Beim Klavier schlagen Hämmer auf die Saiten, bei Cembalo und Spinett werden sie von mechanischen Dornen gezupft. Das macht die Töne langsam. Ein Spinett ist kein Instrument für brillanzverliebte Musiker, eher eines für Menschen mit Tiefe. Pilgrim beherrscht sein Lindholm-Kleinod, das noch aus der DDR stammt, perfekt. Bei einem Sololauf des Musikers („Les Baricades Misterieuses“ von François Couperin) schwebt eine magische Stimmung durchs Kirchenschiff.

Großer Applaus. Viel größerer Applaus übrigens, als 25 Leuten zuzutrauen ist.

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