Tierschützer erklärt Hintergründe

Katerklau? Was es mit verschwundenen Katzen auf sich haben könnte

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Das ist Kater Karli: Wer hat ihn gesehen? 

Homfeld - Es sollte ein ganz gewöhnlicher Sonntag werden für Kater Karli und seine Besitzerin Aranka Verebelyi-Bening. Karli ist ein Kater der Rasse Heilige Birma, mit schwarzem Fell: ein Gendefekt. Gegen sechs Uhr in der Früh ist Karli vor die Tür gegangen. „Das ist ganz normal für ihn“, sagt Verebelyi-Bening. Und auch, dass er mal zwei bis drei Tage durch die Gegend streift. Aber nun verstreicht ein Tag nach dem anderen. Keine Spur von Karli. „Irgendwas kam mir komisch vor.“

Verebelyi-Bening hat jedes Feld abgelaufen und Ausschau nach dem Kater gehalten. Nichts zu finden. „Wir haben Plakate im Umkreis von mindestens 15 Kilometern aufgehängt.“ Auch über soziale Medien wie Facebook sowie das Portal Ebay hat sie Vermisstenanzeigen aufgegeben. Nichts. „Wenn jemandem was aufgefallen wäre, hätten diejenigen sich doch bestimmt gemeldet.“

Das Abtelefonieren der Tierheime in der näheren Umgebung ergab wenigstens etwas Klarheit. „Wenn es wärmer wird, ist es ganz normal, dass Katzen auch mal etwas länger wegbleiben“, erklärt Carlheinz Romann. Er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter im Tierheim Drakenburg.

Viele vermisste Katzen rund um Nienburg

Vor einiger Zeit seien aber vermehrt Vermisstenanzeigen bei ihnen eingegangen. Katzen aus den Nienburger Stadtteilen Erichshagen und Holtorf und aus Liebenau seien verschwunden. „Das war schon komisch“, so Romann. Daraufhin hatten sie einen Aufruf bei Facebook gestartet. „Die Leute, die sich daraufhin gemeldet haben, schilderten aber nur Vorfälle von vor drei bis vier Jahren“, erklärt Romann. Da seien gut zehn Tiere aus Bücken und Umgebung verschwunden.

Einen konkreten Verdacht gibt es nicht. „Die Anrufe haben kein Muster gezeigt“, so Romann. Verebelyi-Bening aber sieht Hinweise. Am Tag des Verschwindens – 19. Mai – sei ein Fahrzeug mit Nienburger Kennzeichen auf ihren Hof gefahren. „Das haben uns unsere Nachbarn erst später erzählt“, so Verebelyi-Bening. „Wir waren zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause.“ Dass Autos auf ihrem Hof einfach mal wenden, sei keine Seltenheit.

Katze aus Auto mit Nienburger Kennzeichen geworfen

Vor gut zwei Wochen habe sie einen Anruf aus Warpe bekommen. „Jemand hat gesehen, wie eine Katze aus einem Fahrzeug mit Nienburger Kennzeichen geworfen wurde“, erzählt sie. Ob das Karli sein könnte, war die Frage. Verebelyi-Bening hat dort alle möglichen Felder abgesucht, aber nichts gefunden.

Was für die Besitzerin eine Rolle spielt, ist die Tatsache, dass sie auf dem Land lebt. „Viele Leute hier denken, dass Katzen Nutztiere sind. Die hat man nicht zu vermissen.“ Daher würden sie ihre Suche nicht ernst nehmen. Aber dass ein Tier auch ein Familienmitglied sein kann, würden viele vergessen. Und sich über eine kostenlose, zugelaufene Katze freuen. „Eine fremde Katze zu behalten, geht einfach nicht.“

Tierhandel eine mögliche Erklärung

Eine andere Option ist Tierhandel. Für Verebelyi-Bening ist das kein Fremdwort. Sie selbst sei viel in Asien unterwegs. „Ich sehe dort vor Ort, wie Katzen und Hunde für ‘n Appel und ‘n Ei verkauft werden.“ Der Gedanke, dass Tiere also hier in Deutschland geklaut und in Asien vertickt werden, sei nicht absurd. In verschiedenen Medienberichten ist sogar die Rede von einer richtigen Katzenmafia. Die Tiere sollen wegen ihres weichen Fells für die Herstellung teurer Rheumadecken beliebt sein. Aber auch die Tierversuchsindustrie könnte hinter den Räubern stecken.

Im Gespräch mit Tierschützer Romann relativieren sich Gedanken zu mutmaßlichem Katzenklau. „Die Infos, die wir bekommen haben, sind viel zu wischiwaschi.“ Andere Ursachen sind viel wahrscheinlicher als die Industrie. „Bei Katzen für Laborversuche zum Beispiel muss die Herkunft genau nachgewiesen werden“, erklärt Romann. Mit Diebstahl kommt man da nicht weit.

Neue Besitzer oder längeres Wegbleiben üblich

Die häufigste Ursache ist ein längeres Wegbleiben als üblich. Manchmal finden Katzen aber auch bei anderen Menschen Zuflucht. Wie sagt man so schön: „Katzen suchen sich ihre Besitzer selber aus.“ Und da, wo sie gekrault werden und Futter bekommen, bleiben sie.

Was aber auch hinter der ganzen Geschichte stecken könnte, sind Katzenhasser. Sie sammeln die Tiere ein und setzen sie kilometerweit entfernt wieder aus. Und von dort finden sie nicht allein zurück. „Sowas machen die Menschen leider.“ Wer aber auch verantwortlich sein könnte: der Wolf. Romann schildert einen Fall, bei dem auf einer Wildkamera zu sehen ist, wie ein Wolf eine rote Katze gepackt hat.

Im Juni wurden zwölf Vermisstenanzeigen aus dem ganzen Landkreis Nienburg aufgegeben. „Das ist nicht viel.“ Auch Thomas Gissing, Polizeipressesprecher des Landkreises Diepholz, konnte in der jüngeren Vergangenheit nicht beobachten, dass ungewöhnliche oder besonders viele Vermisstenanzeigen eingegangen sind.

Hinweise

Tasso 24-Stunden-Notruf: Tel.: 06190/937300

Suchdienstnummer: S2384381

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