18-Jährige erlebt Tag der Toten

„Die Mexikaner feiern das Leben“ - Asendorferin Nele Weindich über ihr Auslandsjahr

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Nele Weindich (Zweite von links) besuchte während ihres Auslandsjahrs mit weiteren Austausschülern die Ruinenstätte der Maya-Kultur, Chichén Itzá, auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán.

Von Asendorf nach Tuxtla Gutiérrez ging es für Nele Weindich im August 2018. Knapp ein Jahr verbrachte die 18-Jährige mit Unterstützung des Rotary Clubs Bruchhausen-Vilsen in der etwa 500.000 Einwohner zählenden Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaats Chiapas. Sie lebte bei insgesamt drei Gastfamilien.

Asendorf – Die 18-Jährige besuchte eine amerikanische Schule, gemeinsam mit bis zu 300 weiteren Schülern, schätzt sie. Dort herrschten strenge Sicherheitsvorkehrungen. So durfte ein Schüler die Bildungseinrichtung nur verlassen, wenn er von den Eltern abgeholt wurde. Ansonsten kam er nicht von dem umzäunten, verschlossenen Gelände.

Der meiste Unterricht fand auf Englisch statt. Dennoch sagt Nele Weindich, die das Gymnasium in Sulingen besucht: „Ich verstehe fast alles auf Spanisch.“ Doch das Sprechen falle ihr noch etwas schwer. Noch. Denn in der Schule lernt sie die Sprache nun. Auch in ihrer Freizeit kann die 18-Jährige ihre Sprachkenntnisse verbessern, denn im nächsten Jahr nimmt ihre Familie für etwa drei Monate die mexikanische Austausschülerin Frida Lopez auf. Nele Weindich sagt mit Blick auf ihren Mexiko-Aufenthalt: „Es ging nicht um die Sprache, sondern um den Kulturaustausch.“

„Ich habe gemerkt, wie deutsch ich eigentlich bin“

Vermisst hat die 18-Jährige neben der Familie und den Freunden vor allem die aus ihrer Heimat gewohnte Organisation und das Essen. „Ich habe gemerkt, wie deutsch ich eigentlich bin“, sagt Nele Weindich rückblickend. Uhrzeiten beispielsweise für Treffen würden in Mexiko erst gar nicht ausgemacht. „Weil sich ohnehin keiner daran hält“, meint sie.

Apropos Treffen: Nach der Schule würden die Einheimischen nicht oft zusammenkommen. Nele Weindich hingegen verbrachte ihre Freizeit mit Freunden, vor allem mit der Austauschschülerin Benita Molitor. Die beiden lernten sich in der Schule kennen – und flogen sogar gemeinsam zurück nach Deutschland. Die 18-Jährige war kaum allein unterwegs, meldete sich andernfalls bei ihren Gasteltern, wenn sie an ihrem Zielort angekommen ist. „Es kann schon gefährlich sein“, sagt Nele Weindich und berichtet von einem Austauschschüler, der dreimal beklaut worden ist. Der 18-Jährigen ist nie etwas passiert, dennoch wäre sie im Dunkeln nicht alleine rausgegangen. Angst habe sie jedoch nie gehabt. Es seien viele Polizisten und Sicherheitsleute unterwegs gewesen.

Bereiste Orte: Cancún, Beliza, Honduras

Auch außerhalb der Stadt Tuxtla Gutiérrez war die Schülerin unterwegs. Neben Ruinenstätten der Mayas und Wasserfällen besuchte sie Mexiko-Stadt sowie einige Orte des Südens. Mit den Rotariern war sie zudem in Cancún und auf einer Kreuzfahrt von Mexiko nach Kuba, Belize, Honduras und zurück nach Mexiko. Gerne würde Nele Weindich in Zukunft noch den Norden des Landes erkunden.

Zudem erlebte die Austauschschülerin einige Feiertage. Am 16. September feierte sie den mexikanischen Unabhängigkeitstag und außerdem den Tag der Toten (auf Spanisch Día de Muertos). Für die Verstorbenen wird ein Altar aufgestellt, ebenso wie Fotos, erzählt Nele Weindich. Zudem bereitet die Familie die Lieblingsspeisen zu, die der Tote gerne gegessen hat. Denn am Día de Muertos, am 1. und 2. November, kommt der Geist der Verstorbenen ins Haus. 

Ein Jahr in Mexiko - eine „richtig schöne Zeit“

Die Mexikaner „trauern nicht dem Tod hinterher, sondern feiern das Leben der Leute noch mal“, sagt die Schülerin. Sie war mit ihrer Gastfamilie auf dem geschmückten Friedhof, kam mit anderen ins Gespräch und erlebte eine ausgelassene Stimmung. „Das ist schön gewesen.“

Auch insgesamt spricht die 18-Jährige von einer „richtig schönen Zeit“ und sagt: „Man nimmt einfach sehr viel mit.“ Sie sei offener geworden und habe sich persönlich sehr weiterentwickelt. Zwar sei sie zunächst froh gewesen, wieder zu Hause zu sein, doch jetzt möchte sie gerne wieder zurück nach Mexiko. Neben den Erinnerungen bleibt auch ihr neues Hobby: das Fußballspielen. In der Schule in Mexiko war sie Mitglied eines Teams, jetzt spielt sie beim Turn- und Sportverein (TSV) Asendorf.

Weitere Infos zum Austauschprogramm:

www.bruchhausen-vilsen.rotary.de

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