Junge Besatzung hat gegen fliegende Festung keine Chance

In der Heimat wartet der Tod

Der zweimotorige Zerstörer Me 110 konnte sich aufgrund seiner schwerfälligen Flugeigenschaften in der Tagjagd nicht bewähren, war aber als Nachtjäger erfolgreich. - Fotos: Sammlung Kuhlmann

Landkreis Diepholz - Jürgen Kuhlmann aus Okel hat in jahrelanger Detailarbeit Luftangriffe, Bombenabwürfe und vor allem Flugzeugabstürze im damaligen Landkreis Grafschaft Hoya recherchiert. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit stellen wir im Rahmen unserer Serie „Luftkrieg in der Region“ vor. Jetzt berichtet er vom Abschuss eines deutschen Zerstörers vom Typ Messerschmitt Bf 110 in Berxen westlich von Bruchhausen-Vilsen.

Am 8. Oktober 1943 war reichlich Betrieb am Himmel über der Weser-Ems-Region. Ein amerikanischer Bomberverband flog einen verheerenden Tagangriff auf Bremen. „Über 350 viermotorige B-17 Flying Fortress-Maschinen der 8. Luftflotte der US Air Force attackierten die Hansestadt“, berichtet Jürgen Kuhlmann. „Fliegeralarm war für den Zeitraum von 14.24 bis 17.23 Uhr ausgelöst.“

Es war der erste von insgesamt vier Großangriffen der Amerikaner gegen deutsche Verkehrszentren und die Luftfahrtindustrie. Am Folgetag richtete sich die zweite Attacke gegen Gotenhafen, Danzig, Anklam und Marienburg.

Am 10. Oktober 1943 hagelte es Bomben auf Münster, und vier Tage darauf auf Schweinfurt. Diese Luftoffensive war für die US Air Force äußerst verlustreich, verlor sie doch binnen einer Woche 148 Maschinen und rund 1 500 Mann des fliegenden Personals.

Auch der Angriff auf Bremen forderte hohe Opfer unter den US-Bomberverbänden. 30 Maschinen wurden zwischen 15.05 und 16.42 Uhr von der deutschen Flak, den Jägern und Zerstörern der Luftwaffe abgeschossen. Allein vier fliegende Festungen stürzten auf das Gebiet des Landkreises Grafschaft Hoya.

Der erst 20-jährige Pilot der Messerschmitt Bf 110, Leutnant Hans Tegge aus dem nordbrandenburgischen Prenzlau, verlor im Luftkampf über Berxen sein Leben.

Doch auch die Luftwaffe musste Verluste hinnehmen. Im Luftraum über Hoya und Bruchhausen-Vilsen entbrannte am Nachmittag des 8. Oktober 1943 ein wilder Luftkampf zwischen den Bombern und den Maschinen der Reichsverteidigung. Darunter auch die Messerschmitt Bf 110 G-2 der III. Gruppe des 26. Zerstörergeschwaders mit Leutnant Hans Tegge am Steuerknüppel. Hinter ihm im Cockpit saß Unteroffizier Erich Murawski, verantwortlich für die Navigation, den Funkverkehr und die Bedienung des Zwillings-Maschinengewehrs im Kanzelheck.

Erst einige Tage zuvor war ihr Geschwader aus Italien, wo es zunächst für Rommels Afrikakorps und anschließend gegen die auf Sizilien gelandeten alliierten Invasionstruppen im Einsatz war, zur Reichsverteidigung auf den Fliegerhorst in Wunstorf bei Hannover verlegt worden. „Es ist wahrscheinlich ihr erster Einsatz in der Heimat gewesen“, vermutet Jürgen Kuhlmann. „Pilot Tegge war 20 Jahre alt und stammte aus Prenzlau, Murawski war zwei Jahre älter und kam aus dem ostpreußischen Lyck, dem heutigen Elk in Polen.“

Über Bruchhausen-Vilsen ereilte die beiden deutschen Soldaten gegen 15 Uhr ihr tödliches Schicksal. Während des Luftkampfes wurde ihr zweimotoriger Zerstörer mit der Kennung 3U+MT von den Bordwaffen der wehrhaften Fliegenden Festungen – jede B-17 war schwer gepanzert und hatte 13 Browning-MGs an Bord – getroffen und stürzte ab. In Berxen bohrte sich die Messerschmitt im Bereich Marschbruch in ein Waldstück und wurde total zertrümmert. Die beiden deutschen Soldaten waren auf der Stelle tot. Beerdigt sind sie in ihren Heimatorten.

Indes ging das Bombardement auf Bremen weiter. Rund 3 300 Bomben schlugen an diesem Nachmittag vor allem im Bereich des Steintorviertels ein. Das eigentliche Angriffsziel, die Hafen- und Schiffbauanlagen im Norden der Hansestadt, wurden verfehlt. 132 Menschen verloren ihr Leben, 240 wurden zum Teil schwer verletzt. - ufa

Lesen Sie weiter in unserer Serie: Short Stirling bohrt sich in Glades Weide

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