Mensch und Lok schnauben

Zweibeiner gewinnen einen außergewöhnlichen Wettkampf gegen Hermann

+
Am Heiligenberg trennen sich die Wege von Mensch und Maschine: Für den Läufer geht es an der Bundesstraße 6 weiter.

Br.-Vilsen/Asendorf - Von Ulf Kaack. Mensch gegen Maschine, Schweiß gegen Dampf – unter diesem Motto ist gestern ein Leichtathletik-Wettbewerb der außergewöhnlichen Art über die Bühne gegangen.

Entgegen dem olympischen Regelwerk traten rund 250 Läufer gegen die historische Dampflokomotive Hermann an. Keine Stadionarena war der Ort des Duells, sondern der Schienenstrang zwischen den Museumsbahnhöfen in Bruchhausen-Vilsen und Asendorf.

Einer gegen alle, alle gegen Hermann – so das Szenario. Hunderte von Zuschauern wollten sich dieses zweite Rennen zwischen Muskeln und Stahl nicht entgehen lassen. 2016 hatten die Läufer das Dampfross der „Muselbahner“ bezwungen. Diese hatten sich vorgenommen, dass Herrmann diesmal zuerst durchs Ziel geht.

0,55 PS gegen 200 PS

Ein gut trainierter Mensch im besten Alter leistet gut 0,55 PS bei einer Körpergröße von 1,75 Metern und einem Gewicht von etwa 75 Kilogramm. Ein Spitzenathlet bringt es auf der 10.000-Meter-Distanz auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 Kilometern pro Stunde. Und Hermann? Die Lok, mit 106 Jahren äußerst betagt, kann mit gigantischen 200 PS aufwarten. Dafür bringt sie 24.000 Kilogramm auf die Waage, das Ganze bei einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 30 Kilometern pro Stunde. Geradezu skandalös daher das Negativ-Doping durch die Verkehrsfunktionäre: Sie beschränkten Hermanns Höchstgeschwindigkeit auf 20 Kilometer pro Stunde, also auf zwei Drittel seiner Möglichkeiten.

Mensch gegen Maschine

Pünktlich um 13 Uhr schickte Bruchhausen-Vilsens Vize-Bürgermeister Ulf-Werner-Schmidt die 127 Teilnehmer des AOK-Laufs am Bahnhof Bruchhausen-Vilsen auf die 7,8 Kilometer lange Distanz. Es waren Freizeitläufer der mittleren Leistungsklasse, begleitet von der Dampflokomotive Spreewald mit diversen Waggons im Schlepp. Fans und Familienangehörige feuerten die Sportler aus geöffneten Schiebefenstern lautstark an.

Die Bahn war ohne Chance

Die Kinder gingen im zweiten Lauf auf die Strecke, die mit 750 Metern deutlich kürzer bemessen war. Sie führte vom Asendorfer Ortseingang bis zum Bahnhof. Die 69 gestarteten Youngster schenkten sich nichts und passierten die Ziellinie in einer recht kompakten Formation.

Und dann das mit Spannung erwartete Finale am späten Nachmittag. Beim Novo-Nordisk-Wettlauf traten die 38 Teilnehmer der gehobenen Leistungsklasse nicht nur gegeneinander an, sondern hatten mit Hermann einen gemeinsamen Widersacher. Vom ersten Meter an hielt sich das Dampfross mit 120 Zuschauern an Bord wacker, schnaufte aber stark dabei. Am Ende siegte die leichtgewichtige Konkurrenz auf zwei Beinen. Die begann auf dem letzten Drittel der Strecke zwar auch zu schnaufen und zu dampfen. Doch Meter um Meter kauften die Läufer der Lok den Schneid ab. Mit nur wenig Rückstand musste sich Lokführer Manuel Koch am Ende geschlagen geben. Mit der Dampfpfeife untermauerte er die Glückwünsche an die siegreiche Konkurrenz.

Begleitet wurde das Spektakel von einem Fest auf dem Asendorfer Bahnhof. An zahlreichen Ständen und Buden wurde Leckeres feilgeboten, Kulturelles gab es im historischen Lokschuppen zu bestaunen. Eine Line-Dance-Formation präsentierte Tänze aus den USA. Und auch für Kinder gab es ein abwechslungsreiches Programm.

Mehr zum Thema:

BVB besiegt Titelfluch - DFB-Pokaltriumph im vierten Anlauf

BVB besiegt Titelfluch - DFB-Pokaltriumph im vierten Anlauf

Dortmund holt den Pott! Bilder vom Sieg gegen Frankfurt

Dortmund holt den Pott! Bilder vom Sieg gegen Frankfurt

„Auba-cooler Elfer!“ Die Pressestimmen zum BVB-Sieg

„Auba-cooler Elfer!“ Die Pressestimmen zum BVB-Sieg

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

Meistgelesene Artikel

Landarztpraxis in Twistringen droht die Insolvenz

Landarztpraxis in Twistringen droht die Insolvenz

Feuer zerstört Schuppen in Bassum

Feuer zerstört Schuppen in Bassum

Seit Wochen Ebbe im eigenen Postkasten

Seit Wochen Ebbe im eigenen Postkasten

In Seckenhausen endet die Ära der Friseurfamilie Weingartz

In Seckenhausen endet die Ära der Friseurfamilie Weingartz

Kommentare