Melanie Simon arbeitet ab Februar als Pastorin in Asendorf / „Gott gibt Kraft“

„Die Stelle kam wie auf einem Silbertablett“

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Diese Schale hat Melanie Simon selbst angefertigt. Sie steht symbolisch für die Seele des Menschen.

Asendorf - Von Mareike Hahn. Für Melanie Simon ist die menschliche Seele wie ein Gefäß. Sie kann überlaufen vor Ballast, aber auch übersprudeln durch die Kraft Gottes. Ab dem 1. Februar möchte die 39-Jährige die Asendorfer dabei begleiten, „Achtsamkeit für die innere Schale einzuüben und ihre Seele zu sortieren“. Dann tritt sie ihren Dienst als Pastorin in der Kirchengemeinde an.

Die Vorfreude auf ihre neue Aufgabe ist Melanie Simon deutlich anzumerken. „Die Stelle kam wie auf einem Silbertablett“, sagt sie. „Es ist ja eine Kunst, als Pastorin, Ehefrau und Mutter etwas zu finden, was zur Familie und zu einem selbst passt. In Asendorf passt es.“

Eigentlich habe sie nach einer halben Stelle Ausschau gehalten, die Suche habe sich jedoch schwierig gestaltet. „Halbe Stellen gibt es kaum, und wenn, dann meistens in der Stadt. Da will ich aber nicht hin.“

Seit dem Sommer besuchen die sechsjährigen Zwillingstöchter von Melanie Simon und ihrem Mann die Waldorfschule in Bruchhausen-Vilsen. Die Familie wohnt in Dreye, die Fahrt zur Schule kam der Mutter jeden Tag sehr lang vor. Und so weckte die vakante Pastorenstelle in Bruchhausen-Vilsen ihr Interesse. Bei einem Gespräch mit Superintendent Jörn-Michael Schröder stellte sie allerdings schnell fest, dass das breite Aufgabenspektrum „für mich in meiner Situation zu viel ist“. Dann rückte der Posten in Asendorf, der seit Mai frei ist, ins Blickfeld der 39-Jährigen.

Gleich bei ihrer ersten Fahrt durch den Ort fühlte sich Melanie Simon wohl: „Ich bin ums Pfarrhaus geschlichen. Dieser Ort und der Garten sind wunderschön“, erzählt sie. Der positive Eindruck habe sich durch die ersten Gespräche mit dem Kirchenvorstand verstärkt.

„Die Asendorfer wollten jemanden, der junge Familien ansprechen kann, weil die zurzeit im Gemeindeleben nicht vorkommen“, sagt die Theologin und lacht. „Ich bin junge Familie, ich weiß, wie man mit Kindern umgehen muss, und ich weiß, dass sonntagmorgens um 10 Uhr kein Termin für Familien ist. Ich bringe ein gutes Händchen mit für Kinder, für Familien und für Mütter, die auch mal eine Pause brauchen.“

Dass für Asendorf eine volle Pastorenstelle vorgesehen ist, brachte Melanie Simon zwar zunächst zum Grübeln, aber ihre Entscheidung war schnell getroffen. „Je mehr ich darüber nachdachte, desto ruhiger wurde ich. Das ist ein gutes Vorzeichen.“

Im Kirchenkreis Syke-Hoya ist die aus der Nähe von Hildesheim stammende Pastorin keine Unbekannte. Ihren Probedienst hat sie bis 2010 in Leeste absolviert. Seitdem war sie „beurlaubt zwecks Kinderbetreuung und für die Familie“. Ursprünglich wollte sie in der Elternzeit promovieren, am Ende fehlte dafür aber die Zeit: „Meine Kinder haben mich sehr gefordert.“

Stattdessen entdeckte sie Handarbeiten für sich, filzte, fertigte Puppen an, nähte. „Ich habe es genossen, mit meinen Händen etwas zu schaffen“, sagt sie. „Das hat man sonst ja nicht so als Pastorin.“ Außerdem schrieb und schreibt sie gerne kurze Geschichten und Gedichte. In den vergangenen drei Jahren arbeitete die 39-Jährige jeweils für ein paar Stunden in der Woche als Religionslehrerin an der Grundschule Schwarme.

Wichtige Zeit verbrachte sie auch im Kloster Wülfinghausen bei Hannover. „Die Nonnen dort haben eine ganz besondere Form des geistlichen Lebens, die mir entspricht. Dieses Reinversetzen in biblische Texte, das Beten, die Gebetszeiten und die Meditation sind ein Quell der inneren Wandlung.“

Ende Januar zieht Melanie Simon mit ihrer Familie ins Pfarrhaus in Asendorf, ihr Ehemann wird seine Stundenzahl als Lehrer in Syke dann reduzieren, um mehr Zeit für seine Liebsten zu haben. Gleichzeitig betont die Pastorin, dass auch sie nicht rund um die Uhr arbeiten könne. „Ich habe deutlich gesagt, dass ich ebenfalls Mama bin und Grenzen werde ziehen müssen“, erklärt sie. „Ich dachte, wenn die Mitglieder des Kirchenvorstands den Brocken schlucken, bin ich geeignet.“ Sie schluckten den Brocken.

Im Februar möchte sich Melanie Simon erst mal ins Asendorfer Gemeindeleben einfühlen. Ankommen, die Menschen anhören und ihnen begegnen: „Dann entsteht was.“ Einen großen Stellenwert werde sicher die Flüchtlingsarbeit einnehmen: „Das ist einfach dran. Eine Gemeinde kann bei dem Thema nicht außen vor bleiben.“

Wichtig ist ihr, dass der Glaube „was mit dem Mittelpunkt zu tun hat, nicht nur mit Randbereichen“. Gott befinde sich mitten im Leben und könne ganz viel Kraft geben. Kraft für die eigene Seele, in die in der heutigen Zeit so viel gepackt werde, was da gar nicht reingehöre. „Mit Gott zu leben, heißt achtsam zu sein, was ich in die Schale nehme, und zu üben, die Seele an ihn als Kraftquelle anzuschließen.“ Dabei wird Melanie Simon ihren neuen Schützlingen helfen.

Gottesdienste:

Ihre Aufstellungspredigt hält Melanie Simon am Sonntag, 13. Dezember, in einem Gottesdienst in der Asendorfer Kirche: Ab 10 Uhr stellt sie sich der Gemeinde vor. Ihr Einführungsgottesdienst beginnt am Sonntag, 7. Februar, um 15 Uhr in der Kirche.

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