Meins oder deins?

Gemeinde Martfeld will prüfen, wo Landwirte den Wegeseitenraum nutzen

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Symbolbild

Martfeld - Es ist ein „unangenehmes Thema“, konstatiert Pitt Brandstädter. Er und seine Kollegen aus der Grünen-Fraktion im Martfelder Gemeinderat wollen trotzdem aktiv werden.

„Wir sehen Handlungsbedarf“, sagt Brandstädter in der jüngsten Ratssitzung. „Es geht darum, herauszufinden, inwieweit öffentlicher Raum mit gewissen ökologischen Aufgaben mittlerweile landwirtschaftlich genutzt wird.“ Sprich: Wo in der Gemeinde Martfeld haben Bauern Teile der Wegeseitenränder ihren Feldern zugeschlagen?

Drastischer Artenrückgang bereitet seit Jahren Sorgen

Das „unangenehme Thema“ ist nicht neu: Bereits 2013 hat die Arbeitsgruppe „Bunte Wege“ des Heimat- und Verschönerungsvereins Martfeld den Rat aufgefordert, die „Missstände“ zu untersuchen. Warum bis zur jetzigen Anfrage der Grünen rund vier Jahre verstrichen, ist bei der Sitzung kein Thema. Wohl aber, dass nicht noch mehr Zeit ungenutzt bleiben soll. Brandstädter spricht von einem „drastischen Artenrückgang in der biologischen Vielfalt“ und nennt als einen Grund „die intensivere landwirtschaftliche Nutzung“. Er bittet im Namen seiner Fraktion, festzustellen, wo Landwirte über die Grenzen eigener Flächen hinaus gepflügt haben.

Dass das gar nicht so einfach ist, macht Gemeindedirektor Bernd Bormann deutlich. Er sieht drei Möglichkeiten. Erstens: „Die Gemeinde Martfeld beauftragt das Katasteramt, das nachzuprüfen. Das kostet einen Haufen Geld, ist aber als einziges gerichtsfest.“ Zweitens: „Die Verwaltung wird aktiv. Wir haben ein Geoinformationssystem und wissen, wie groß die Wege sein müssen. Das Problem: Die Wege sind nicht immer in der Mitte gebaut. Wenn ein Zehn-Meter-Weg nur noch acht Meter misst, wissen wir nicht, ob die zwei Meter links oder rechts fehlen. Dann brauchen wir jemanden, der den Grenzstein sucht.“ Drittens: „Man wird jetzt in der Gemarkung Martfeld aktiv, stellt Kleinenborstel und Hustedt aber zurück, bis die Flächen kostenlos im Rahmen der Flurbereinigung ermittelt werden.“

Generalverdacht gegen Landwirte soll es nicht geben

Brandstädter hält Vorschlag zwei für den besten. Die Überlegung, Kleinenborstel und Hustedt zunächst auszulassen, finde er zwar charmant, aber schließlich wisse niemand, wann die Flurbereinigung überhaupt starten könnte. Parteikollegin Marlies Plate ergänzt: „Wenn wir sehen, dass zwei Meter fehlen, können wir mit dem oder den Landwirten das Gespräch suchen.“

„Zu schnacken“ ist für Michael Albers (SPD) auf jeden Fall der richtige Weg. „Das Schlimmste wäre, alle Landwirte unter Generalverdacht zu stellen, dass sie absichtlich die Wegeseitenränder benutzen.“ Das Katasteramt loszuschicken, wäre seiner Ansicht nach zu teuer und würde bloß zu Unfrieden führen.

Auch Torsten Tobeck (Unabhängige Liste) spricht sich dafür aus, mit „Bordmitteln“ loszulegen und bei großen Verstößen die Landwirte zu kontaktieren.

Zweifel, dass die Verwaltung die aufwendige Arbeit leisten kann

„Wenn wir jede Fläche angucken müssen, ist das allerdings ein Heidenaufwand“, sagt Bormann und bezweifelt, dass die Verwaltung das leisten könne. Er schlägt vor, sich erst mal auf einen kleinen Bereich zu konzentrieren. Damit ist der Rat einverstanden. „Wir sollten an den Stellen anfangen, wo Landwirte offensichtlich zu weit gepflügt haben“, sagt Albers.

Klaus-Dieter Kasper (Grüne) appelliert auch an die Bürger und die Straßenmeisterei, an die Artenvielfalt zu denken: „Lasst die Pflanzen stehen, bis sie verblüht sind und geht nicht zu früh ran!“

mah

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