Maurerlehrling Anton Frei arbeitete im Zuge des Leonardo-da-Vinci-Programms acht Wochen lang an historischen Gebäuden in Sevilla

„Spanier benutzen Maßbänder statt Zollstöcke“

Anton Frei arbeitete in Spanien überwiegend an historischen Gebäuden, aber auch an Hotels.
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Anton Frei arbeitete in Spanien überwiegend an historischen Gebäuden, aber auch an Hotels.

Schwarme - Von Charlotte Reinhard. Spanien im Sommer: Sonne, Flamenco und Fußball-Weltmeisterschaft – was wie Urlaub klingt, war für Anton Frei aus Syke eine Erfahrung der besonderen Art. Der 24-Jährige Maurerlehrling nahm am Leonardo-da-Vinci-Mobilitätsprogramm teil und arbeitete acht Wochen lang in Sevilla, wo er unter anderem dabei half, die historische Kathedrale zu restaurieren.

In der Berufsschule Syke (BBS) hatte der Vertrauenslehrer die Schüler auf das EU-geförderte Leonardo-da-Vinci-Programm hingewiesen, das es Auszubildenden ermöglicht, sechs bis acht Wochen lang im Ausland zu arbeiten. Anton Frei hatte sofort Interesse. „Ich wollte einmal ein anderes Land, andere Bauten und eine andere Mentalität kennenlernen“, erklärt der Syker.

Doch Interesse allein reichte nicht. Auch der Betrieb musste dem Auslandsaufenthalt zustimmen. Außerdem dürfen nur Berufsschüler am Da-Vinci-Programm teilnehmen, die sowohl in der Schule als auch bei einem obligatorischen überbetrieblichen Lehrgang gute Noten erzielen.

Anton Frei ist Maurerlehrling im zweiten Lehrjahr und lernt bei dem Unternehmen Oentrich und Knirsch in Schwarme. Sein Chef Stefan Knirsch erklärte sich sofort bereit, den Auszubildenden bei seinen Reisesplänen zu unterstützen. „Für junge Menschen ist das eine tolle Erfahrung. Von uns bekommst du jede Unterstützung, die du brauchst“, sagte er zu seinem Schützling.

Nachdem sein Chef sein Okay gegeben hatte und da Freis Noten sehr gut waren, stand einem Auslandsaufenthalt nichts mehr im Wege. Zurücklehnen konnte sich der 24-Jährige damit allerdings nicht. Flug, Unterkunft und Sprachschule musste er nämlich selbst organisieren. Als das geschafft war, flog er zusammen mit einem Mitschüler aus der BBS im Juni nach Sevilla. Dort besuchten beide zwei Wochen lang eine Sprachschule, bevor sie zum ersten Mal auf einer spanischen Baustelle anpacken durften. Die Kommunikation mit den Kollegen stellte anfangs ein Problem dar. „In zwei Wochen Sprachunterricht kann man einfach nicht so viel lernen und die meisten Spanier sprechen kein Englisch“, erklärt der Azubi. „Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt. Aber die Kollegen waren total offen und locker, und bald konnten wir unsere Grundbedürfnisse auf Spanisch ausdrücken.“

Auch die Arbeit fand Anton Frei angenehm. „Das Arbeitstempo ist aufgrund der hohen Temperaturen recht entspannt. Die Arbeiter sind gelassener und machen sich nicht kaputt“, meint der angehende Maurer. Die Arbeit an den hauptsächlich historischen Gebäuden Sevillas fand der 24-Jährige sehr interessant. Auf der Baustelle an der Kathedrale in Sevilla waren sie allerdings eher selten. „Während der Sommerzeit sind viele Touristen in der Kathedrale“, erklärt Anton Frei. „Wir konnten da dann nicht so oft arbeiten.“

Doch das Leben in Spanien bestand für die zwei deutschen Azubis nicht nur aus Arbeit. In ihrer Freizeit trieben sie Sport, erkundeten Sevilla, besichtigten die Sehenswürdigkeiten der Stadt, besuchten Bars und lernten für ihre Zwischenprüfung, die kurz nach ihrer Rückkehr anstand. Ab und zu trafen sie sich auch mit ihren spanischen Kollegen auf ein Bier. Das Hauptthema bei solchen Treffen, zumal gerade die Fußball-Weltmeisterschaft lief, war Fußball. „Die Spanier sind noch fußballverrückter als die Deutschen“, erzählt Frei. „Nachdem Spanien ausgeschieden war, herrschte überall erst einmal Totenstille. Danach drückten aber viele unserer Kollegen Deutschland die Daumen.“

Kurz vor dem WM-Finale mussten sich die beiden deutschen Auszubildenden von ihren spanischen Kollegen verabschieden. „Zum Abschied schenkten wir ihnen Zollstöcke. Die kannten sie nämlich nicht, bevor wir nach Sevilla kamen“, berichtet Anton Frei. Im Gegenzug bekamen die jungen Deutschen Maßbänder überreicht – das spanische Pendant zum Zollstock.

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