Zwischen Jimi Hendrix und Heidi Kabel

„Mattfeld mokt platt“: Hamburger „Tüdelband“ überzeugt in der „Kastanie“ - erneut

Malte Müller und Mire Buthmann sind „Die Tüdelband“, die 2017 noch als Quartett in Martfeld gastierte. Foto: Uwe Campe
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Malte Müller und Mire Buthmann sind „Die Tüdelband“, die 2017 noch als Quartett in Martfeld gastierte.

Martfeld - Von Uwe Campe. „Tohuus is dor, wo us dat goot geiht“ - mit diesem Refrain aus ihrem Lied „Tohuus“ begrüßte Mire Buthmann, Sängerin und Gitarristin des Hamburger Platt-Pop-Duos „Die Tüdelband“, am Freitagabend knapp 40 Besucher in der Gaststätte „Die Kastanie“ in Martfeld-Hollen. Damit gab sie gleich das Motto für das Auftaktkonzert der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Mattfeld mokt platt“ der Kulturplattform im Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) vor. In behaglicher Atmosphäre bei Kerzenschein, Wein und mitreißender Musik konnten es sich die Gäste in der Tat gut gehen lassen.

Besonders vorstellen brauchte Wolfgang Peters, Leiter der Kulturplattform, „Die Tüdelband“ in seiner plattdeutschen Anmoderation nicht mehr, denn bereits vor zwei Jahren hatte diese - seinerzeit allerdings noch als Quartett - ein bemerkenswertes Konzert in Martfeld gegeben.

Gegenwärtig bilden das Duo „Frontfrau“ Mire Buthmann (Gesang, E-Gitarre, Akustik-Gitarre) und Malte Müller (Schlagzeug, Bass-Pedal, zweite Stimme).

Während Mires Markenzeichen eine Wollmütze darstellt, ist es bei Malte eine durch wohl keine Mütze zu bändigende Haarpracht. Die beiden sympathischen, in Schleswig-Holstein geborenen Musiker leben heute im Hamburger Stadtteil St. Pauli, sind allerdings sehr viel „on tour“.

Die Idee zur Gründung der Formation kam Mire Buthmann vor zehn Jahren am Strand auf Fehmarn, wo der legendäre Musiker Jimi Hendrix 1970 einen seiner letzten Auftritte hatte. Wie sie augenzwinkernd bemerkte, vereinigt die Band etwa den Geist von Jimi Hendrix und Heidi Kabel.

Der kompakte und frische Sound des Duos ist geprägt von rockig-groovigen Elementen, vereinzelt aber auch von Folk- und Blues-Einschüben. Diese mit nahezu überquellender Spielfreude vorgetragene Musik mit plattdeutschen Texten über ungewöhnliche Liebesgeschichten, gute Freundschaften, Heimatsuche und das platte Land ist charakteristisch für „Die Tüdelband“ und zaubert dem Publikum ein ums andere Mal ein Lächeln auf’s Gesicht - so auch in Hollen.

Die erste Konzerthälfte schloss nach sieben Stücken mit dem Lied „Ganz goot“, das mit der rhetorischen Frage „Sünd we eenmal tofreden?“ (Sind wir jemals zufrieden?) endete.

Zwischen den Liedern plauderte die Sängerin immer wieder aus dem Nähkästchen oder über das, „worüber Musiker sich so Gedanken machen“. Dabei richtete sie den Fokus vorwiegend auf zwischenmenschliche Beziehungen, aber auch auf Konzerterlebnisse und Reiseeindrücke. Wenn sie über den von ihr angehimmelten Uwe sprach, der zu ihrer Enttäuschung auf Jungs stand, oder von den Kollegen Hilde und Torsten, deren Zuneigung zueinander erst nach Jahrzehnten ein Happy End fand, dann erhellte das den Hintergrund von so manchem Lied.

Der mit einem aufmunternden „Los geiht!“ (Los geht’s) eröffnete zweite Konzertabschnitt enthielt weitere sieben Lieder. Eine besondere Liebe haben die beiden Künstler für die Nordseeinsel Amrum entwickelt, der sie ein Lied gewidmet haben. Dort ist im berühmt-berüchtigten Lokal „Blauen Maus“ zudem ihre aktuelle CD entstanden.

Das unter anderem von Heidi Kabel interpretierte Tüdelbandlied (An de Eck steit’n Jung mit’n Tüdelband …), dem das Duo seinen Namen verdankt, haben die Musiker nach längerer Pause wieder in ihr Programm aufgenommen. Dieses 1911 von den jüdischen Brüdern Ludwig und James Wolf gedichtete Couplet ist eine der heimlichen „Hamburg-Hymnen“, durfte zur Zeit des Nationalsozialismus jedoch nicht gesungen werden, woran sich aber niemand ernsthaft hielt.

Das vom Duo gemeinsam mit den Besuchern gesungene Lied „Jeden Dag“ bildete den krönenden Höhepunkt des Abends. Das Konzert, das Zuhörern und Musikern gleichermaßen viel Spaß bereitet hat, wird allen vermutlich noch lange in Erinnerung bleiben.

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