Martfeld will Bedingungen klären / 200000 Euro bereitgestellt / Offenes Ende

Rat streitet für Radwege in Loge und Hustedt

+
Mediengruppe Kreiszeitung

Martfeld - Von Mareike Hahn. Der Martfelder Gemeinderat kämpft darum, dass die Ortsteile Loge und Hustedt Radwege bekommen. Obwohl das Land Niedersachsen zuständig ist, haben die Politiker am Donnerstagabend bei der Sitzung im Gasthaus Dunekack in Kleinenborstel ein klares Zeichen gesetzt: Sie stellten vorsorglich jeweils 100000 Euro in die Haushalte 2016 und 2017 ein. Vor der Abstimmung gab es eine teils emotionale Diskussion.

Wie berichtet, hatte Hans-Hermann Bösche aus Loge dem Rat im Dezember eine Liste mit 1200 Unterschriften übergeben. Die Forderung der Bürger: „An der Hoyaer Straße zwischen Martfeld und Loge muss dringend ein Radweg gebaut werden!“ „Der Bau von Radwegen an den Landesstraßen, die Martfeld mit den Ortsteilen verbinden, liegt uns sehr am Herzen“, reagierte Bürgermeisterin Marlies Plate (Grüne) damals. Ihr und ihren Ratskollegen geht es dabei nicht nur um Loge, sondern auch um Hustedt.

Das große Aber: Weil beide neuen Wege an einer Landesstraße lägen, müsste eigentlich das Land den Bau bezahlen. Das erscheint indes unrealistisch. Den Hintergrund erläuterte am Donnerstag Michael Albers (SPD): „Das Land hat auf Grundlage von Vorschlägen der Landkreise eine Prioritätenliste erstellt und setzt dabei auf drei Kriterien: Schulwegsicherung, Tourismus und Lückenschluss.“ Loge und Hustedt belegten die Plätze 27 und 31. Von den elf Radwegen an Landesstraßen, deren Bau die Kreise Diepholz und Nienburg seit 2012 fordern, ist laut Plate bisher nur einer gebaut und ein weiterer in der Realisierung. „Es wird nicht einfach sein, Loge und Hustedt nach vorne zu bringen“, sagte Albers.

Seine Partei hatte – ebenso wie die Grünen und die Unabhängige Liste Martfeld (ULM) – einen Antrag zum Thema formuliert. Alle drei Fraktionen sind sich einig, dass etwas passieren muss.

„Man will sich vor der Wahl in Szene setzen“

Die SPD forderte, insgesamt 200000 Euro in diesem und dem nächsten Haushalt einzuplanen. „Ein Start muss her“, betonte Albers, stellte aber gleich klar, dass die Gemeinde allein einen kompletten Bau der Radwege „in keiner Weise“ finanzieren kann. „Wir reden von insgesamt 5,5 Kilometern, das sind 600000 bis 1,1 Millionen Euro“, schätzte er. „Wir sollten in Abschnitten denken.“ Eine Idee wäre, erst mal nur über innerörtliche Radwege zu sprechen. Genaueres könnte eine Arbeitsgruppe mit Bürgerbeteiligung erarbeiten.

Ein weiterer Punkt im Antrag der SPD: Sie wünscht, dass sich die Verwaltung um eine höhere Priorität für die Radwege in Loge und Hustedt bemüht sowie die „Realisierungs- und Finanzierungsmöglichkeiten“ mit dem Land klärt. Dürfte die Gemeinde allein an der Landesstraße bauen? Gibt es irgendeine Möglichkeit, zusammen mit dem Land die Radwege zu realisieren, und wie sähe sie aus? Die Antworten könnten negativ ausfallen, ist Albers klar: „Wir wissen nicht, ob wir am Ende scheitern.“

Zustimmung erntete er von Klaus-Dieter Kasper (Grüne): „Wir kennen die Kosten nicht, wir wissen nicht, wie das Land reagiert. Trotzdem wollen wir Geld einplanen und die Verwaltung beauftragen, alles abzuklären.“ Auch er schlug vor, sich erst mal auf die Ortskerne von Loge und Hustedt zu konzentrieren.

Dass Radwege her müssen, meint auch die ULM. Fraktionsvorsitzender Torsten Tobeck sprach sich für eine „Kostenberechnung im Ortsbereich“ aus. „Die Verbindung zu Martfeld herzustellen, wird kaum möglich sein“, sagte er. Das Gleiche gelte für die Bereitstellung von 200000 Euro. „Der Haushalt ist in absoluter Schieflage“, mahnte Tobeck. „Wir schüren Erwartungen, die wir nicht erfüllen können, wenn das Land nicht tätig wird.“ Im ersten Schritt solle die Verwaltung die Rahmenbedingungen ermitteln. „Dann können wir uns darüber unterhalten.“

Auch seine ULM-Kollegin Kerstin Hansen hielt es für falsch, „Begehrlichkeiten zu wecken“, obwohl das Land alle Hoffnungen zunichte machen könnte.

„Plakativ 100000 Euro in den Haushalt 2016 einzustellen, nützt gar nichts“, sagte Heinrich Lackmann (ULM). „Mir kommt es so vor, als wolle man sich vor der Kommunalwahl gut in Szene setzen.“ Er bezweifelte, dass 1,1 Millionen Euro für den Radwegebau ausreichen würden und wies einmal mehr auf Martfelds nicht unbedingt rosige Finanzlage hin: „Es ist einfach zu wenig Geld da.“

„Wir warten auf den

nächsten Toten“

Alle zwölf anwesenden Ratsleute waren sich einig, die Verwaltung tätig werden zu lassen. Mehrheitlich wurde beschlossen, auch Geld in den Haushalt einzustellen. Dagegen stimmten die ULM-Mitglieder Christoph Ferentschak, Torsten Tobeck, Heinrich Lackmann, Kerstin Hansen und Krimhild Wulf.

In der Einwohnerfragestunde meldete sich Wolfgang Splinter zu Wort. Er lebt seit 1977 in Loge. „Wie viele Fußgänger und Radfahrer sind im Kern von Martfeld in den letzten 39 Jahren tot gefahren worden“, fragte er. „Keiner“, vermutete Bürgermeisterin Plate. „In Loge waren es drei“, entgegnete Splinter. „Und wir warten förmlich auf den nächsten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Das sind die verrücktesten Leichenwagen der Welt

Das sind die verrücktesten Leichenwagen der Welt

Vielerorts heftige Regenfälle

Vielerorts heftige Regenfälle

50 Jahre AMG: Vollgas von Anfang an

50 Jahre AMG: Vollgas von Anfang an

Smart Luggage: Wenn der Koffer zum Lautsprecher wird

Smart Luggage: Wenn der Koffer zum Lautsprecher wird

Meistgelesene Artikel

Sommerpicknick in Asendorf erfreut sich großer Beliebtheit

Sommerpicknick in Asendorf erfreut sich großer Beliebtheit

Schönheits-OPs: Je näher der Strand, desto mehr Silikon

Schönheits-OPs: Je näher der Strand, desto mehr Silikon

Syker Haustechnik macht weiter – mit neuem Namen und alten Bekannten

Syker Haustechnik macht weiter – mit neuem Namen und alten Bekannten

Aus für die „Diepholz Card“

Aus für die „Diepholz Card“

Kommentare