Manfred Lindhorst steuert seit 35 Jahren einen Tanksammelwagen

Mit der frischen Milch auf Du und Du

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Bei jedem Lieferanten wird eine Probe gezogen.

Asendorf - Von Regine Suling. Mit gekonnten Handgriffen taucht Manfred Lindhorst den Rüssel des Tankschlauches in den Hofbehälter. Dann dauert es nur wenige Augenblicke – und das Gefäß ist leer, sein Inhalt ist im Bauch des Tankwagens verschwunden. Der Schlauch wandert in den nächsten Behälter und saugt ihn mit einem Glucksen ebenso innerhalb weniger Sekunden leer. Rund 200 Liter fasst solch ein kleiner Tank, der mit der Karre an die Straße gerollt wird und dort darauf wartet, geleert zu werden. Nur noch auf wenigen Milchviehbetrieben ist das üblich. In der Regel steht ein großer Tank im Stallgebäude, ganz in der Nähe des Melkstands.

Manfred Lindhorst kennt sich indes mit allen Behältnissen aus: Seit 35 Jahren sitzt der 56-Jährige im Dienst der Milch am Steuer. Für die Molkerei Grafschaft Hoya in Asendorf lenkt er als einer von sechs Stammfahrern einen der beiden Tanksammelwagen und fährt Magermilch zur Weiterverarbeitung zu anderen Molkereien. Oder er sammelt das Getränk direkt bei den Landwirten ein. So wie an diesem Tag. Die erste Tour begann am frühen Morgen, mit seinem Tankwagen samt Anhänger. „Bei vier Milchlieferanten habe ich insgesamt 24000 Liter abgeholt“, sagt der Morsumer. Danach kehrte er nach Asendorf zurück: „Dann habe ich den Wagen leer gemacht und gewaschen.“ Auf seiner vierten und letzten Tour an diesem Tag stehen Höfe mit weniger Milchkühen und dementsprechend weniger Milch auf dem Tourenplan. Deswegen ist Lindhorst auch nur mit dem Tanksammelwagen unterwegs, ganz ohne Hänger. Nach einem Stopp in Steinborn geht es weiter nach Wöpse. Dort dauert das Tanken länger: Manfred Lindhorst dockt den Rüssel direkt an den Milchtank an. „Rund 500 Liter pro Minute schafft die Pumpe gerade“, sagt der 56-Jährige und sieht auf dem Display im Sammelwagen, wie viel Milch er bereits hineingepumpt hat. Während mehrere Tausend Liter Milch in den Tank laufen, zieht er eine Probe: Langsam tropft Milch in kleine Reagenzgläser. „Bei jedem Lieferanten machen wir eine Einzelprobe, außerdem gibt es eine Probe für die gesamte Tour“, erklärt Manfred Lindhorst. Er macht sich wieder auf den Weg, nach Homfeld. Nach der vierten Station sind fast 10000 Liter im Bauch des Sammelwagens gelandet. Insgesamt 25 Milchlieferanten fährt Lindhorst an diesem Tag an, auf seinen vier Touren nimmt er dabei insgesamt rund 65000 Liter Milch auf. Das sah früher anders aus: „Da hatte ich alleine in Ochtmannien zwölf Höfe – und ich bin nur die Hälfte aller Betriebe angefahren. Ingesamt war ich früher pro Tag bei 65 bis 70 Höfen.“ Heute sind die Betriebe weniger und zugleich größer geworden.

Zu seiner Arbeit ist Manfred Lindhorst durch Zufall gekommen. Seinen Lkw-Führerschein machte er bei der Bundeswehr, wenig später heuerte er bei der damaligen Molkerei in Uenzen an. Fünf Jahre arbeitete er dort, dann wurden die Molkereien Hoya, Asendorf und Uenzen zusammengelegt. Und der Morsumer blieb seinem Job treu. „Damals war ich der Jüngste und immer das Küken, heute bin ich der älteste Fahrer.“

In den 35 Jahren hat sich in seinem Beruf viel verändert: „Die Arbeitszeiten zum Beispiel, früher hatten wir noch keine Früh- und Spätschicht.“ Sein erster Tankwagen hatte 200 Pferdestärken. „Das hat sich gesteigert, die Tanks wurden immer größer. Heute hat mein Tankwagen 440 PS.“

Häufig fährt Manfred Lindhorst heute Magermilch, das Einsammeln der Milch indes bringt ihm wesentlich mehr Freude. „Der Kontakt mit den Leuten fehlt mir ein bisschen.“ Die Leute – das sind Landwirte wie der Homfelder Willi Bockhop, bei denen Manfred Lindhorst die Milch abholt, und der zu einem kurzen Klönschnack zum Tankwagen kommt. Das mag der Morsumer, der selbst gelernter Landwirt ist und sich seinem ersten Beruf immer noch stark verbunden fühlt. Deswegen frönt er ihm auch in seiner Freizeit: „Da mache ich ein bisschen Ackerbau und habe auch ein paar Schafe.“

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