Märchenhafter Klang

Hohes Niveau des Jugendsinfonieorchesters Bremen

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Als Solist am Akkordeon zeigte der Italiener Pietro Roffi hochgradige Virtuosität.

Br.-Vilsen - Von Ulf Kaack. Bereits zum 18. Mal traf sich, jeweils im Herbst, das Internationale Jugendsinfonieorchester Bremen (IYSO), um gemeinsam auf hohem Niveau zu musizieren. Tradition ist es, dass das Ergebnis der einwöchigen gemeinsamen Proben in Bruchhausen-Vilsen uraufgeführt wird. So geschehen am Samstag in der Mensa im Schulzentrum.

Unter der Leitung des profilierten Bremer Dirigenten Martin Lentz haben 120 Instrumentalisten in der vergangenen Woche intensiv geprobt und ein Programm auf die Beine gestellt, das sich hören lassen konnte. Allesamt ausgesprochene Talente, die zu Recht von einer Karriere auf den Bühnen internationaler Konzertsäle träumen dürfen. Zusammengefunden hatten sich Musiker aus 14 Nationen: Polen, Lettland, Türkei, Irak, Spanien, Ägypten, Norwegen, Syrien, Algerien, Schottland, dem Sudan, den Vereinigten Arabische Emiraten, Serbien und Deutschland.

Eine Aufführung, die man optimalerweise mit geschlossenen Augen genossen hat. Denn es ging im Repertoire im weitesten Sinne um Märchen. Lautmalerische und erzählerische Werke renommierter Komponisten. Den Einstieg machte das Ensemble mit „Die Waldnymphe“, 1894 als Ballade für Orchester von dem Finnen Jean Sibelius aufs Notenpapier geschrieben.

Wenig aufgeblasene Musik

Einerseits sehr pathetisch daherkommend, entpuppte es sich dabei doch – wie in der klassischen Musik Skandinaviens häufig vorkommend – wenig aufgeblasen. Ursprünglich als von Richard Wagner inspirierte Oper gedacht, hat Sibelius „Die Waldnymphe“ flächig und unaufgeregt intoniert. Bläser und Streicher trugen sich wechselseitig, minimalistische Dramaturgie erzeugte die Kesselpauke. Zunächst ließ es das Kopfkino nur erahnen, das anmutige Fabelwesen. Doch dann machte das Orchester die Waldnymphe sichtbar – zauberhaft tanzend auf einer lichtdurchfluteten Waldlichtung.

Es schloss sich das Akkordeonkonzert „Märchen“ aus der Feder des Tschechen Václav Trojan an. Eine spritzige Komposition mit ständig wechselnden Akzenten, pfiffig und facettenreich. Sie bot Pietro Roffi, dem Solisten an diesem Abend, Gelegenheit, seine Virtuosität am Akkordeon eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Der 25-jährige Italiener hat bereits 15 internationale und nationale Wettbewerbe gewonnen und eine große Karriere vor Augen. 

Innerhalb von Trojans Komposition blieben seine solistischen Beiträge eingebettet in das Spiel des Orchesters. Pietro Roffi spielte sich keinesfalls plakativ in den Vordergrund, sondern ließ sein außergewöhnliches Talent auf sympathische Weise in vielen kleinen Passagen als Teil des Teams aufblitzen.

Viel Lebendiges zu hören

Ähnlich Lebendiges gab es nach der Pause zu hören. „Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28“ setzten die Musiker akustisch in Szene. Wiederum ein variantenreiches Werk, das Ende des 19. Jahrhunderts von Richard Strauss komponiert wurde. Natürlich fand sich das Schelmenhafte, das Übermütige des Protagonisten Eulenspiegel darin wieder. Mit launenhaften Tempiwechseln, parodistischen und tonmalerischen Effekten zeichnete das Sinfonieorchester ein tonales Abbild des Jecken.

Das vierte und letzte Stück stach ein wenig aus der Art, handelte es sich hierbei nicht um eine klassische Komposition im herkömmlichen Sinne: Es war die Filmmusik „La Strada“, geschrieben von Nino Rota unter Mitwirkung des Regisseurs Federico Fellini. Der 1954 erschienene Film spielt in weiten Teilen im Zirkusmilieu, was sich klanglich mit langen Passagen in der Aufführung wiederfand. Elemente in der Machart von George Gershwin ließen die Mensa swingen, melancholische Klänge entführten auf die dunkle Seite Hollywoods.

Perfekte Intonation

Das Internationale Jugendsinfonieorchester lieferte ein perfekt intoniertes Konzert ab, das durch die clevere Zusammenstellung der Werke umso mehr zu einer homogenen Einheit wurde. Die Freude am Musizieren war bei den jungen Musikern unübersehbar. Ein Spirit, der auch aufs Publikum übersprang. Schade, dass sich das ambitionierte Projektorchester heute – nach seinem zweiten Konzert gestern in der Glocke in Bremen – wieder auflöst und rund um den Globus verteilt.

Bei aller Begeisterung für das Gehörte und Erlebte darf ein Wermutstropfen nicht unausgesprochen bleiben: Es ist schade, dass die jungen Instrumentalisten dem Publikum gegenüber sichtlich in der Überzahl waren. Es waren deutlich unter 100 Musikfreunde, die den Weg zu diesem Konzert fanden. Der Hörgenuss hätte eine deutlich höhere Aufmerksamkeit verdient gehabt.

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