Ein letztes Mal gemeinsam singen

Der Männergesangsverein „Orpheus“ aus Bruchhausen-Vilsen steht vor dem Aus

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Der Männergesangsverein „Orpheus“ gibt am Pfingstsonntag sein letztes Konzert. 

Der Männergesangsverein (MGV) „Orpheus“ aus Bruchhausen-Vilsen von 1848 löst sich jetzt auf. Der Vorsitzende Johann Venske kam bei der Fusion mit dem Männergesangsverein „Eintracht“ Homfeld zu „Orpheus“ und wurde 2008 dessen Vorsitzender. „Es gab keine andere Möglichkeit“, sagt Venske. Der Chor sei überaltert und Nachwuchssänger gebe es nicht.

Br.-Vilsen - Sein letztes Konzert gibt der Chor am Sonntag, 9. Juni, mit dem 152. Pfingstsingen im Vilser Holz unter der Leitung von Dirigentin Daniela Predescu. Die Besucher dürfen sich ab 8 Uhr auf ein anspruchsvolles Konzert freuen und bei einigen Liedern mit einstimmen. Am Ende verabschiedet sich der Chor aus dem Vilser Holz, in das er mit dem „Orpheus-Express“ einzieht, mit dem Song „Leb wohl Du schöner Wald“. Mit von der Partie ist die Singgruppe des Heimatvereins Walle. Das traditionelle Abschlusskonzert am Kohlwühren See in Bruchhausen-Vilsen wird „Orpheus“ nicht mehr veranstalten. Wehmut schwingt in den Worten des Vorsitzenden mit, wenn er sagt, dass mit inzwischen nur noch 13 Sängern, von denen nicht immer alle bei den Proben oder Auftritten dabei sein konnten, ein öffentlicher Auftritt als Chor nicht mehr möglich sei. „Dass ,Orpheus´ sich jetzt auflöst, ist für mich persönlich sehr hart. Es ist wirklich kein schönes Gefühl für mich. Das Singen im Chor hat mir stets sehr viel Freude bereitet“, sagt Venske, der selbst im zweiten Tenor singt und weiter: „Immer öfter hat mich vor Auftritten die Sorge gequält, ob auch alle Sänger da sein werden“.

Die Zelter-Plakette

Mit dem MGV „Orpheus“ verlässt eine Institution die Bühne, die von der Gründung durch den Theologen Pastor Bergmann 1848 an, bis zum bevorstehenden letzten Konzert im Juni das kulturelle Leben über Bruchhausen-Vilsen hinaus mitprägte. Im Laufe der mehr als 170 Jahre gab es Höhen und Tiefen. Es war ein stolzer Moment für den Männergesangsverein, als am 26. Mai 1957 Bundespräsident Theodor Heuss dem damaligen Ehrenvorsitzenden des Vereins Otto Meier-Schmalenbruch die Zelter-Plakette übergab. Eine Ehre für „Orpheus“, denn diese ist die höchste deutsche Auszeichnung für Amateurchöre. Eine Schallplatte hat der Chor auch aufgenommen.

Wer in den Annalen des Vereins blättert, welche zum Teil gut beim Vorsitzenden Venske aufbewahrt sind, stößt auf höchst interessante Ereignisse aus der Geschichte des MGV.

Es ist eine wechselvolle Historie, stets eng verknüpft mit Namen von Personen aus Bruchhausen-Vilsen, die den Musikern immer wieder Impulse gaben und den Männergesangsverein bei Tiefen am Leben hielten.

Chor spielte Theater

Sogar Theater haben die Sänger gespielt, darunter Stücke wie „Die spanische Fliege“ (1951), „Die schöne Postmeisterin“ (1959) sowie „Hochzeit mit Erika“ (1956). Die Bühnenbilder malte der heimische Künstler und langjährige Sangesbruder Helmut Nordhausen.

430 Millionen Mark

Beim Blick ins Jubiläumsheft zum 150-jährigen Bestehen des Chores fällt unter anderem ein Zeitungsartikel ins Auge, in dem festgehalten wird, dass in den 20er-Jahren Liederbücher für 430 Millionen Mark gekauft wurden. Was die Gruppe aber kaum gestört haben konnte, denn die Vereinskasse wies ein Plus von 183 Billionen Mark auf. Auch heute sind diese Liederbücher noch vorhanden.

Die Namensherkunft

Die Gründerväter des MGV „Orpheus“ benannten den Verein nach einem Sohn des Musen-Gottes Apoll. Damit sollte deutlich gemacht werden, dass der Verein ein Besonderer sein wird. Persönlichkeiten übernahmen Führungsaufgaben im Vorstand oder wurden Dirigenten. Aber es gab auch Tiefen, dazu zählte das Jahr 1956, als der gesamte Vorstand wegen einer Meinungsverschiedenheit zurücktrat.

Werner Witschke

Verdient im Chor gemacht hat sich unter anderem der heute 88-jährige Werner Witschke, der von 1973 bis 2013 Dirigent der Musikgruppe und rund 21 Jahre lang ihr Vorsitzender war. Ihm folgte Irmtraud Gerdts als Dirigentin bis Anfang 2019.

Die Ältesten

Venske nennt noch eine Reihe weiterer Namen, die nach wie vor mit dem Männergesangsverein als Chormitglieder verbunden sind. Beispielsweise den 89-jährigen Sänger Johann Claus, der seit 1948 aktiv dabei ist. Der älteste Sänger im Chor ist Wilhelm Tolle, mit seinen 90 Jahren erlebt er nun auch das Ende des Chores. Zum Reigen der Ältesten zählt auch der 86-jährige Heinrich Atenhahn, der seit 1955 Sangesbruder ist.

Nicht zu vergessen seien auch die Frauen, die seit Jahren im großen Kessel den Kaffee aufbrühen und den gespendeten Butterkuchen reichen. Auch ihnen gebühre Dank und Anerkennung, sagt Venske.

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