Heinz-Dieter Freese ist von Fund in der Brandheide fasziniert

Luftbildarchäologe entdeckt historisches Langhaus

Veronica König, Grabungstechnikerin beim niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, übernahm die satellitengestützte Vermessung der vermeintlichen Fläche des ehemaligen Langhauses mithilfe eines sogenannten Tachymeters.

Martfeld - Wenn der Martfelder Heinz-Dieter Freese in die Luft geht, entdeckt er immer wieder etwas Neues. Der Leiter der Luftbild-Arbeitsgemeinschaft im „Freundeskreis für Archäologie in Niedersachsen“ hält gezielt Ausschau nach archäologisch wichtigen Orten. Und er hatte schon mehrfach Glück. Zum Beispiel im Juli 2015, als er am südlichen Dorfrand seines Wohnorts, in der Brandheide, ein vorgeschichtliches Langhaus (langgestrecktes Haus, in der eine oder mehrere Familien mit oder ohne Vieh zusammenlebten) entdeckte.

Der ehrenamtliche Luftbildarchäologe identifizierte es im Vorbeiflug aus rund 300 Metern Höhe anhand von zwei parallelen Reihen in Form grüner Flecken in einem ansonsten gelben Gerstenfeld.

Mit bloßem Auge kann man sehen, wo die einzelnen Pfosten des Hauses standen (weißer Kreis). - Fotos: Heinz-Dieter Freese

Nachdem Freese, der im Sommer regelmäßig mit Privatpiloten umherfliegt, wieder festen Boden unter den Füßen hatte, begab er sich direkt zum Fundort in der Brandheide. „Die Bewuchsmerkmale waren am Erdboden ebenfalls klar zu sehen, aber nur aus der Luft ergeben sie einen Sinn“, erklärt der 59-Jährige. Die grünen Flecken zeigten die genaue Lage von Pfostenlöchern an, die vor Jahrhunderten zur Errichtung eines Bauernhauses ausgehoben worden seien. „Nach dem Verfall oder Abriss des Gebäudes füllten sich die Löcher mit feinporiger Erde, die eine erhöhte Wasserkapazität bietet. Daher bleibt in heißen Sommern das Getreide an solchen Stellen länger grün“, berichtet Freese, der sich darüber freut, dass der Fund noch im Juli 2015 offiziell dokumentiert wurde. Veronica König, Grabungstechnikerin beim niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, übernahm die satellitengestützte Vermessung der vermeintlichen Fläche des ehemaligen Langhauses. Dabei setzte sie einen sogenannten Tachymeter ein, den sie mittig auf alle grünen Getreideflecken stellte. „Der Pfostenbau wurde auf diese Weise lokalisiert und in die archäologische Datenbank des Landes Niedersachsen aufgenommen. Es handelt sich um den ersten nachgewiesenen vorgeschichtlichen Siedlungsbereich in der Gemeinde Martfeld“, sagt Freese.

Und was kann er aus dem Luftbild schließen? Laut dem Hobby-Luftbildarchäologen stand am Fundort ein Langhaus, in dem einst Mensch und Vieh zusammen lebten. Das Dach wurde von zwei Pfostenreihen mit einem Abstand von sieben Metern getragen. Die einzelnen Pfosten waren jeweils etwa vier Meter voneinander entfernt. Das Luftbild enthält nach Angaben von Freese keine Hinweise auf Seitenschiffe. „Eine besondere Bauweise zeigt sich am südlichen Hausende. Dort sind im Getreide zwei zusätzliche Mittelpfosten zu sehen. Und deren Breite scheint deutlich geringer als an den Längsseiten. Vielleicht ein Anbau?“, fragt Freese. Ein Vergleich mit dem nördlichen Ende sei allerdings nicht möglich, weil der Roggenbewuchs auf dem angrenzenden Feld keine klaren Strukturen zeige.

Grüne Flecken und Verfärbungen im Getreide

Das Haus erstreckte sich über 28 Meter Länge. Außerhalb der Pfostenreihen können Betrachter des Luftbilds weitere grüne Flecken und Verfärbungen im Getreide entdecken. Worum handelt es sich dabei? „Vermutlich um Abfallgruben, um Gräben sowie um geologische Feuchtigkeitsrinnen“, sagt Freese. Das sei aber nur eine Spekulation.

Veronica König, Grabungstechnikerin beim niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, übernahm die satellitengestützte Vermessung der vermeintlichen Fläche des ehemaligen Langhauses mithilfe eines sogenannten Tachymeters.

Und es gibt noch viele weitere offene Fragen: Wo stand das Vieh? Wo befand sich der Eingang zum Haus und wo die Feuerstelle? Gab es tragende Mittelpfosten, die nicht in den Boden eingelassen waren, sondern auf Steinen ruhten? „In diesem Fall geraten wir an die Grenzen der Luftbildinterpretation, selbst bei einem solch idealen Befund wie in Martfeld“, sagt Freese. Ob eine Ausgrabung mehr Klarheit bringen könnte? Eventuell, allerdings ist in der Brandheide keine geplant.

Sicher ist Freese sich auch nicht bei dem Alter des Bauwerks. Er las im Herbst 2015 auf dem Acker einige Hände voll Keramikscherben auf. Experten datierten diese auf den Übergang der jüngeren vorrömischen Eisenzeit, also in die sogenannte römische Kaiserzeit. „Vereinfacht gesagt: in die Jahrzehnte um Christi Geburt“, erklärt Freese. Der ehrenamtliche Luftbildarchäologe räumt jedoch ein, dass diese zeitliche Einordnung des Hausgrundrisses wissenschaftlich nicht korrekt sei. Denn ob Keramik und Gebäude aus der selben Zeit stammen, weiß niemand. „Wer sagt denn, dass die Gefäßreste nicht viel älter sind als der Pfostenbau?“ Dieser Frage geht Heinz-Dieter Freese nicht weiter nach. Er wartet schon sehnsüchtig auf den Sommer, wenn er aus der Luft wieder Neues entdecken kann.

Mehr zum Thema online beim "Freundeskreis für Archäologie in Niedersachsen e.V." http://neu.fan-nds.de/ und auf Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/ Heinz-Dieter_Freese

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