Studenten entdecken bei Grabungen am Heiligenberg einen Siegelstempel

Die Lokalgeschichte steckt in der Erde

Das Reinigen der Funde gehört ebenso dazu wie die Grabungen selbst. Hier am Werk sind Maja Leone (links) und Annika Jochens. Fotos: Vivian Krause

Heiligenberg – Die Suche nach Spuren aus der Vergangenheit geht weiter: Derzeit finden erneut Grabungen am Heiligenberg statt. Auf der Wiese hinter dem Forsthaus suchen Grabungsleiterin Dr. Simone Arnhold von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Frank Wedekind von der Firma „Streichardt & Wedekind Archäologie“ aus Göttingen, der sie zeitweise als Grabungsleiter vertritt, und insgesamt sechs Studenten nach archäologischen Funden. Viele der Entdeckungen, die vom 9. bis ins 19. Jahrhundert reichen, müssen noch aufgearbeitet werden, sagt Frank Wedekind. Insgesamt zeige die Fläche laut Arnhold, dass das archäologische Potenzial sehr groß ist. Sie spricht von einem „Stück Lokalgeschichte, das zutage gekommen ist“ und ist erfreut, dass diese mit archäologischen Methoden bereichert werden könne.

2018 waren Belege entdeckt worden, die auf das 13. Jahrhundert schließen ließen, also auf die Zeit, in der dort das Kloster Heiligenberg, ein ehemaliges Prämonstratenser-Stift, gestanden hat. Ebenso verhält es sich in diesem Jahr. Die erste Vermutung von Arnhold und Wedekind: An der Stelle der aktuellen Grabung landete in der Stiftszeit der Müll aus den Speisesälen. Dies unterstreiche die große Menge an gefundenem Geschirr, darunter Trinkgefäße oder solches zum Ausschenken. Jegliche Keramiken lassen sich in eine bestimmte Zeit einordnen.

Für insgesamt vier Wochen sind die Grabungsarbeiten am Heiligenberg angelegt. Sie finden laut Arnhold in Kooperation mit dem niedersächsischen Landesdenkmalamt statt. Finanziert wird die Grabung am Heiligenberg durch den Landschaftsverband Weser-Hunte (10 000 Euro) sowie den Flecken Bruchhausen-Vilsen (5 000 Euro). Die restliche Summe, die erst nach Grabungsende feststeht, trage laut Christa Gluschak von der Verwaltung der Eigenbetrieb „TourismusService Bruchhausen-Vilsen“.

War im vergangenen Jahr noch eine Studentengruppe für Lehrgrabungen vor Ort, so handelt es sich in diesem Jahr um Forschungsgrabungen. 2018 war ein langer Suchschnitt mit einem Bagger gemacht worden, erinnert sich Arnhold. Weil Mauerreste zum Vorschein kamen, setzten Studenten in diesem Jahr erneut an der Stelle an. Entdeckt haben sie Backsteine, die auf ein kleines Wirtschaftsgebäude schließen lassen, erklärt Frank Wedekind. Dass dieses jedoch zu den Stiftsgebäuden gehörte, schließt er aus. Die Archäologen ordnen die Funde in die Nachstiftszeit ein. „Mitte des 16. Jahrhunderts bis Mitte des 18. Jahrhunderts, eher in die erste Hälfte“, sagt Arnhold. Das wiederum bedeute, „dass die historischen Quellen nicht vollständig sind, sondern dass es nach der Aufgabe des Stifts noch eine weitere Nutzung des Geländes gab“, meint Arnhold. Und zwar in der Zeit bis zur Errichtung des Forthauses. Arnhold spricht von einem Zeitraum von rund 200 Jahren.

Die Studenten und die Grabungsleiter hätten gerne geschaut, was sich unter der Mauer befindet. Zeitlich bedingt sei dies jedoch nicht möglich. Denn nur noch bis Freitag sind sie am Werk und legten gestern aufgrund des Regens eine Zwangspause ein. Die Gefahr, Schäden zu verursachen, sei zu groß, sagt Arnhold.

Sowohl Arnhold als auch Wedekind sind begeistert von den Funden – und von dem Team. Ganz besonders stolz sind sie auf den Fund eines Siegelstempels. Dies sei etwas „sehr, sehr Besonderes“, betont Frank Wedekind. Gleich nach dem Fund haben die Studenten begonnen, zu recherchieren. Auf dem Stempel ist ein lateinischer Schriftzug zu lesen, der wahrscheinlich so viel bedeutet wie „Das Siegel des Jakob aus Bremen“, erklärt Studentin Helen Stamer. Zudem sind darauf ein Wolf und ein Männchen abgebildet. Die Spindelform spreche für eine Datierung ins 14. Jahrhundert, sagt Arnhold. Nicht nur der Siegelstempel an sich sei ein ungewöhnlicher Fund, auch dessen Beschaffenheit. Oft seien diese nicht so gut erhalten. Um mehr zu erfahren, werde die Gruppe eine Spezialistin zurate ziehen, die sich mit Siegelkunde in Bezug auf die Prämonstratenser-Geschichte auskennt. In jedem Fall sei er für die Stiftsgeschichte wichtig, ist sich Arnhold sicher.

Ob es eine weitere Grabung geben werde, kann sie noch nicht sagen. Die Fläche werde nach Abschluss der Arbeiten zunächst mit Vlies abgedeckt und zugeschüttet.

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