Alle unter einem Dach

Lebenstraum ist wahr geworden: Eine WG für besondere Menschen

Liebevoll eingerichtet: Ein Zimmer in Heike Brandhoffs WG.
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Liebevoll eingerichtet: Ein Zimmer in Heike Brandhoffs WG.

Br.-Vilsen. Träume gehen nur selten in Erfüllung. Aber für Heike Brandhoff ist tatsächlich ein Lebenstraum wahr geworden: Eine Wohngemeinschaft für junge Erwachsene mit Handicap hat sie gegründet – mitten im Herzen von Bruchhausen-Vilsen und mit Blick auf den Kohlwührensee. Ihr Sohn Samuel (22) ist schon eingezogen, und vier weitere Bewohner warten ungeduldig auf ihre eigenen vier Wände.

Aber noch ist bei ihnen nicht alles Formale geregelt. Denn in diesem Fall trägt kein Verein und keine Institution die Einrichtung, sondern eine dreifache Mutter mit Herzblut.

Rückblende: Alle unter einem Dach – diesen Traum macht Heike Brandhoff im November 2017 öffentlich. Und berichtet, wie ihr mittlerer Sohn Joel den Impuls gegeben hat: Er hatte nach einem Praktikum in einer Werkstatt für behinderte Menschen aus vollem Herzen verkündet: „Mama, wir geben Samuel nicht weg.“

In der gemütlichen Gemeinschaftküche: Renate Zöller und Heike Brandhoff.

Der 22-jährige Samuel ist auf Unterstützung angewiesen und möchte trotzdem ein selbstbestimmtes Leben führen. Seine Mutter beschließt, dafür zu kämpfen, gibt ihren Arbeitsplatz als Heilerzieherin auf und wird „Unternehmerin“ im besten Sinne des Wortes. Heike Brandhoff gründet nia nicht allen ( „Nia – nicht allein“), macht sich mit Freizeit- und Betreuungsangeboten für Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen selbstständig.

Alle unter einem Dach in ganz besonderer WG

Alle unter einem Dach – Schritt für Schritt arbeitet sie daran, auch wenn ihr niemand einen Kredit geben will. Fast schicksalhaft erscheint heute der Tipp von einer Bekannten. Von ihr erhält Heike Brandhoff die Telefonnummer eines Vermieters in Bruchhausen-Vilsen. Er sucht eine Nachnutzung für eine ehemalige Seniorenresidenz.

Das ist erlaubt: Dieser Pappkamerad gehört zur Einrichtung eines WG-Zimmers.

Die dreifache Mutter schreibt ein Konzept, vereinbart einen Besichtigungstermin – und ist begeistert: „Die Chemie stimmte. Jeder hatte Ideen.“ In der Immobilie muss viel renoviert werden, und noch heute sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen. Aber schon im Mai sind die ersten Bewohner eingezogen. Fast 400 Quadratmeter stehen der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft zur Verfügung. Rund 270 Quadratmeter groß ist der Wohnbereich für die jungen Erwachsenen mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen. Die gemütliche Wohnküche und das geräumige Wohnzimmer nutzen sie gemeinsam. Aber jeder hat sein eigenes, ganz nach seinen eigenen Wünschen gestaltetes Zimmer.

Zwei Zimmer in der WG sind noch zu vergeben

Fünf sind bereits fertig eingerichtet. Zwei müssen noch renoviert werden. Wer dort einzieht, ist noch offen: „Wir haben noch zwei Zimmer zu vergeben“, sagt Heike Brandhoff, die unter Telefon 04252/ 7688018 weitere Infos gibt. Insgesamt vier Badezimmer und weitere Funktionsräume gehören zur „selbstbestimmten ambulant betreuten Wohngemeinschaft“, wie Heike Brandhoff ihr Projekt nennt.

Sie selbst wohnt mit ihrem Lebensgefährten in einer direkt angrenzenden, rund 125 Quadratmeter großen Wohnung. Gemeinsam mit bisher acht Kräften kümmert sich das Paar künftig um die Bewohner. Letztere können eine ständige Rufbereitschaft nutzen – genau wie die Bewohner zweier Dachgeschoss-Wohnungen im Haus, die ebenfalls Unterstützung brauchen. Diese Wohnungen hat Heike Brandhoff ebenfalls gemietet.

Alle Bewohner der WG haben eine Arbeitsstelle – entweder bei den Delmewerkstätten oder in einer vergleichbaren Einrichtung. Ihre Freizeit können sie so gestalten, wie es ihnen beliebt. „Wenn jemand am Wochenende lange schlafen will, dann kann er das gerne machen“, sagt Heike Brandhoff und beschreibt ganz individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Darauf würden auch die Eltern sehr großen Wert legen.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Jeder Bewohner soll die Unterstützung erhalten, die er braucht und wünscht. Würde und Respekt, so stellt die 55-jährige Leiterin klar, liegen ihr ganz besonders am Herzen. Sie möchte gern weitere Erzieher oder Pflegekräfte einstellen. Die WG-Bewohner sollen sich zu Hause fühlen. Deshalb gehört auch ein kleiner Garten mit zwei zutraulichen Kaninchen dazu. Nicht ausgeschlossen, dass ein paar Hühner dazu kommen.

Am Kohlwührensee in direkter Nachbarschaft können die Bewohner spazieren gehen – andererseits aber auch zu Fuß die Geschäfte oder die Friseure im Ortskern erreichen. Genau solche Bedingungen hatte sich Heike Brandhoff gewünscht – und dafür ihr anderes, früheres Leben aufgegeben. Es hat sich gelohnt: „Ich bin total glücklich in diesem Leben“, sagt Heike Brandhoff über die Wohngemeinschaft.

Ich bin total glücklich in diesem Leben

Heike Brandhoff

Auch wenn die Verwirklichung nicht leicht war und viel Durchsetzungsvermögen sowie Konsequenz brauchte. Enttäuschungen sowie Rückschläge mussten überwunden, Probleme gelöst werden. Viel Kraft habe ihr dabei die Organisation „Fairnet“ gegeben, sagt die 55-Jährige – und verrät: „Ich bin eine Netzwerkerin.“

Ideen hat sie noch viele: „Ich überlege, noch eine Ferienwohnung einzurichten.“ Ihr Vermieter hat ihr Räume angeboten, „und der Bedarf ist da“. Eltern von jungen Erwachsenen mit Handicap hätten schon nachgefragt, ob ihre Kinder nicht mal einen Urlaub in der Wohngemeinschaft verbringen könnten – damit sie selbst mal in Urlaub fahren können. Außerdem könnte sich Heike Brandhoff vorstellen, ein Projekt zum Thema Arbeit zu initiieren, Mehr will sie aber noch nicht verraten.

www.nia-nicht-allein.de

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