SERIE LANDWIRTSCHAFT HEUTE

Schweinezuchtbetrieb in Engeln: Hier lässt der Eber noch die Sau raus

Landwirt Jan Eickhorst hat sich auf die Zucht von Schweinen der Rasse „German Piétrain“ spezialisiert. Nach seinen Angaben sind die Tiere stressresistent und genauso robust wie ein „Duroc“.
+
Landwirt Jan Eickhorst hat sich auf die Zucht von Schweinen der Rasse „German Piétrain“ spezialisiert. Nach seinen Angaben sind die Tiere stressresistent und genauso robust wie ein „Duroc“.

Engeln – Jan Eickhorst ist ein Landwirt, der eine Nische besetzt hat, die früher gar keine war. Der 56-Jährige besitzt einen von mittlerweile nur noch drei Betrieben in ganz Niedersachsen, die sich auf die sogenannte Schweineherdbuchzucht spezialisiert haben. „Normale Reinzuchtsauen gibt es kaum noch, heute werden überwiegend Hybridzuchtsauen eingesetzt, die aus mehreren Rassen gekreuzt werden“, erläutert Jan Eickhorst.

Warum er trotzdem der klassischen Herdbuchzucht treu geblieben ist? „Ich bin damit groß geworden. Mein Opa hat Geflügel gezüchtet, mein Vater Kühe und Schweine. Ich habe ausschließlich mit Schweinen weiter gemacht.“

Als es noch den Hoyaer Schweinezuchtverband gab, fanden in der Region pro Monat drei Auktionen statt, auf der Jungsauen und Jungeber verkauft wurden. „Irgendwann musste man zu den Auktionen immer weiterfahren, die Kundschaft brach weg.“ Auch der Niedersächsische Schweinezuchtverband ist mangels Kunden seit 2008 Geschichte.

Landwirt Jan Eickhorst hat sich auf die Zucht von Schweinen der Rasse „German Piétrain“ spezialisiert. Nach seinen Angaben sind die Tiere stressresistent und genauso robust wie ein „Duroc“.

Jan Eickhorst aber blieb der Zucht immer treu. Er verkauft seine Eber im Alter zwischen sieben und neun Monaten vom Hof direkt an überwiegend kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe mit zehn bis 800 Sauen – und das in einem Umkreis von 150 bis 200 Kilometern. Beispielsweise als Deck- oder Besamungseber, die dann in Sauenställen eingesetzt werden. 50 bis 60 Tiere setzt er auf diese Weise über die Zuchtorganisation „German Genetic“ pro Jahr ab.

„Die meisten großen Sauenhalter brauchen keine Eber mehr“, weiß der staatlich geprüfte Landwirtschaftsleiter. Die zögen sich oft selbst Sucheber heran und würden in der Regel nur noch künstlich besamen. Das wiederum übernähmen Besamungsstationen.

„Will ich mitwachsen, in der Nische bleiben oder aufhören?“ Diese Frage stellte sich auch Jan Eickhorst – und entschied sich bewusst für die mittlere Lösung. Zwischen 350 und 400 Tiere stehen stets in seinen Ställen: 30 Sauen und ihre Ferkel, Jungeber und auch Mastschweine. Er hat sich seit 1980 nach und nach auf die Rasse „German Piétrain“ spezialisiert, nachdem er früher die Deutsche Landrasse züchtete.

„Das Piétrain-Schwein ist stressresistent und genauso robust wie zum Beispiel ein ,Duroc‘.“ Die männlichen Eberferkel, die nicht kastriert werden, werden nach der Körung typisiert, in dem ihnen ein kleines Stück aus dem Ohr ausgestanzt und im Anschluss untersucht wird. Das Tier bekommt dann eine zusätzliche Ohrmarke. Für Schweine, die bei der Körung – also bei der Auswahl von geeigneten Tieren für die Zucht – schlechte Werte aufweisen, führt der Weg zum Schlachter.

Dass Jan Eickhorst ein Züchter durch und durch ist, merkt man, wenn er über die Qualitätsmerkmale seiner German Piétrain-Eber spricht. „Beim Zuchtwert kommt es unter anderem auf das Fundament, das Exterieur, die Bemuskelung und den Rückenspeck, auf Futterwert und Gewichtszunahme sowie auf die Daten ihrer Vorfahren an“, erläutert Eickhorst. Zweimal jährlich werden die Tiere von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen einer Schweinegesundheitsprüfung unterzogen, die eine Blut- und Kotprobe sowie einen Abstrich per Nasentupfer vorsieht.

„Seit 1995 habe ich keinen Eber mehr zugekauft“, sagt der Züchter, der auch seit den 1980er-Jahren nie wieder eine Sau dazu gekauft hat und auf Eigenremontierung setzt. „Die Sauen, die im Abferkelstall stehen, werden jeden Morgen und jeden Abend zum Fressen aus ihren Buchten gelassen“, erzählt der Landwirt, der auch unterstreicht: „Ich kupiere keine Schwänze und mache bei der Ringelschwanzprämie mit.

Das geht aber nur, weil ich die Schweine auf Stroh halte, bis sie ein Gewicht von 30 bis 35 Kilogramm erreichen.“ Die Ferkel bleiben länger als üblich bei der Sau und sind drei Wochen in der Abferkel- und danach drei Wochen in der Bewegungsbucht. „Wenn ich zehn Ferkel pro Wurf absetze, bin ich zufrieden“, erzählt Jan Eickhorst. „Ich züchte die Sauen nicht auf Fruchtbarkeit, sondern auf gute Mast- und Schlachtleistung, gutes Fundament und gute Muttereigenschaften.“

Zwei Piercings im Ohr: Einige männlichen Eber werden nach der Körung typisiert. Das Tier bekommt dann eine zusätzliche Ohrmarke.

Zwischen 100 und 150 Mastschweine hat er zurzeit, die er selbst vermarktet. Acht bis zehn Tiere liefert er pro Woche mit dem eigenen Viehanhänger an Schlachter Becker ins nahe gelegene Bruchhausen-Vilsen. Dort kommen die Tiere dann noch zwei Tage in den Stall, bevor sie schließlich geschlachtet werden.

„Dann sind sie völlig entspannt, das wirkt sich positiv auf die Fleischqualität aus“, findet der Landwirt, der überwiegend auf selbst erzeugtes Futter setzt. Nur das Ferkelfutter kauft er zu. Alle anderen Tiere bekommen ab einem Gewicht von 30 bis 35 Kilogramm Futter, das er in der eigenen Mühle mahlt. Auf 46 Hektar baut er in einer durchdachten Fruchtfolge Zuckerrüben, Raps, Gerste, Roggen und Weizen an.

Die Entwicklung in der Sauen- und Schweinehaltung sieht Jan Eickhorst kritisch: „Man muss schon Lust haben, das alles mitzumachen“, ist er sich bewusst, wenn er an die neuen Vorgaben hinsichtlich der großen K-Themen Kastration, Kupieren und Kastenstand denkt.

„Es werden sicher noch viele Betriebe aufhören, die nicht mehr umbauen wollen“, sagt der 56-Jährige. Dann würden künftig noch mehr Ferkel als ohnehin schon aus dem angrenzenden Ausland kommen. „Die Besamungszahlen in Deutschland gehen ja jetzt schon zurück“, sagt der Landwirt. Vom Rückzug der Sauenhalter aber würde der Verbraucher trotzdem nicht viel mitbekommen. „Beim Lebensmittelangebot wird man das nicht merken.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Landkreis Diepholz: Großbrand vernichtet Scheune – 100 Feuerwehrleute im Einsatz

Landkreis Diepholz: Großbrand vernichtet Scheune – 100 Feuerwehrleute im Einsatz

Landkreis Diepholz: Großbrand vernichtet Scheune – 100 Feuerwehrleute im Einsatz
Die Idee in der Flasche abgefüllt: Likörkreation aus Sulingen

Die Idee in der Flasche abgefüllt: Likörkreation aus Sulingen

Die Idee in der Flasche abgefüllt: Likörkreation aus Sulingen
Eröffnung des Gartenkultur-Musikfestivals 2021 auf dem Hohen Berg in Syke

Eröffnung des Gartenkultur-Musikfestivals 2021 auf dem Hohen Berg in Syke

Eröffnung des Gartenkultur-Musikfestivals 2021 auf dem Hohen Berg in Syke
Lehrer-Ehepaar Wilhelmi nimmt Abschied vom Gymnasium Sulingen

Lehrer-Ehepaar Wilhelmi nimmt Abschied vom Gymnasium Sulingen

Lehrer-Ehepaar Wilhelmi nimmt Abschied vom Gymnasium Sulingen

Kommentare