Landwirte Michael und Horst Eckebrecht sprechen über den geplanten Sauenstall

„Wir produzieren das, was an der Ladentheke gefragt ist“

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Die Landwirte Michael (rechts) und Horst Eckebrecht verwenden eigenes Getreide, um das Futter für ihre Tiere selbst zu mischen. Im Hintergrund des Bilds ist ein Silo des Hofs Eckebrecht in Kampsheide zu sehen. Das neueste Projekt der Männer: In Altenfelde wollen sie einen Sauenstall bauen.

Asendorf - Von Mareike Hahn. Aufruhr in der Gemeinde Asendorf: Während viele Einwohner gegen den geplanten Sauenstall in Altenfelde kämpfen, können andere die Aufregung nicht nachvollziehen. Mit Spannung erwarten alle die Entscheidung des Landkreises über den Bauantrag. Im Interview sprechen der Kampsheider Landwirt Michael Eckebrecht und sein Vater Horst über ihr Vorhaben:

Können Sie verstehen, dass einige Bürger gegen Ihr Stallvorhaben protestieren?

Michael Eckebrecht: Verstehen kann man sicher, dass einige Bürger nicht unbedingt einen großen Stall vor der Haustür haben wollen. Aber irgendwo muss Landwirtschaft ja stattfinden. Um die Ängste zu entkräften, haben wir uns frühzeitig mit den Anwohnern zusammengesetzt. Dass das Thema ein Jahr später trotzdem hochgekocht ist, kam für uns etwas überraschend.

Was ist in dem Jahr passiert?

Michael Eckebrecht: Wir haben zunächst die Hofstelle in Altenfelde übernommen. Gleich ein paar Wochen später haben wir den Anwohnern erklärt, was wir vorhaben und sind mit ein paar Leuten zu einem ähnlichen Stall gefahren. Dann haben wir unsere Planungen konkretisiert und den Bauantrag 2015 eingereicht. Das hat etwas gedauert.

Hat die Reaktion der Anwohner Sie enttäuscht?

Michael Eckebrecht: Jeder kann seine Meinung frei äußern. Ein bisschen schwierig ist nur, wenn behauptet wird, dass man offen miteinander sprechen möchte und man dann von hinten angefallen wird.

Horst Eckebrecht: Die meisten Leute, die seit Generationen in Altenfelde wohnen, nehmen das ganz gelassen. Es sind vor allem die Zugezogenen aus der Stadt, die von einer wunderschönen Siedlung sprechen und gegen den Stall kämpfen. Man darf aber nicht vergessen, dass dort ursprünglich baurechtlich nur Landwirtschaft vorgesehen war. Die Bürger leben auf alten Hofstellen, die sie wegen einer Ausnahmegenehmigung für privates Wohnen nutzen dürfen. Ich bin über 60, mein Großvater hat einst schon Nahrungsmittel Richtung Bremen transportiert. Genau das wollen wir auch machen. Hier sind die landwirtschaftlichen Nutzflächen für die Versorgung der Bevölkerung in Städten wie Syke und Bremen. Wir produzieren das, was an der Ladentheke gefragt ist.

Die Stallgegner argumentieren gerne, dass es in Deutschland eine Überproduktion von Fleisch gebe.

Horst Eckebrecht: Etwa 15 Prozent des Fleischs der geschlachteten Schweine sind in Deutschland nicht marktfähig – die Alternative wäre, es wegzuwerfen. Wir verkaufen zum Beispiel Pfötchen, Ohren, Schwänze und Innereien nach China, das sind dort Delikatessen.

Michael Eckebrecht: Der Selbstversorgungsgrad mit Ferkeln liegt unter 80 Prozent, viele Ferkel werden nach Deutschland importiert. Die Mäster wollen aber lieber die Tiere hier kaufen und nicht hunderte Kilometer transportieren, auch im Sinne des Tierwohls. Diese Marktlücke möchten wir mit unserem neuen Stall füllen, und das tun wir auch schon mit unserem vorhandenen Stall in Kampsheide, der ebenfalls für 1000 Sauen angelegt ist.

Müssen Landwirte expandieren, um überleben zu können?

Michael Eckebrecht: Man muss die Ferkel in großen Partien anbieten. Früher wurden die Partien von mehreren Erzeugern zusammengebracht, was die Gefahr mit sich brachte, dass die Ferkel Krankheiten aufeinander übertrugen. Das Problem habe ich weniger, wenn alle Ferkel aus dem selben Stall kommen.

Horst Eckebrecht: Das ist, wie wenn Sie drei Kinder mit Grippe in die Schule schicken – acht Tage später sind alle krank. Heute gibt es nur noch Direktbeziehungen vom Ferkelerzeuger zum Schweinemäster. Die vier Betriebe, die wir beliefern, haben seit mehr als fünf Jahren nur noch Ferkel von uns auf dem Hof.

Wie soll Ihre neue Stallanlage aussehen?

Horst Eckebrecht: Zwei Gebäude sind geplant, eins für 1000 Sauen und eins für die Ferkelaufzucht. Der Sauenstall wird etwa 90 Meter lang und 50 Meter breit, der Ferkelstall 60 mal 30 Meter.

Michael Eckebrecht: In einem Bereich des Sauenstalls werden die Sauen besamt. Ein größerer Bereich dient als Wartestall für die Zeit zwischen der Besamung und dem Ferkeln. Eine Woche vor dem Ferkeln kommen die Sauen in eine Abferkelbucht. Nach der Geburt werden die Ferkel vier Wochen von der Muttersau gesäugt. Anschließend sind sie groß genug, um in den Ferkelaufzuchtstall zu kommen. Der Mäster übernimmt sie nach sieben, acht Wochen, dann wiegen sie etwa 28 Kilo. Eine Sau bekommt 2,3 Mal im Jahr circa 14 oder 15 Ferkel. Wir kommen auf rund 30000 Ferkel pro Jahr.

Haben die Tiere genug Platz?

Michael Eckebrecht: Ja. Die Ställe sind in den letzten Jahren immer größer geworden. Früher hatte eine Abferkelbucht 3,5 bis vier Quadratmeter, heute sind es über fünf.

Horst Eckebrecht: Das Vorurteil, dass große Ställe in Sachen Tierwohl schlecht sind, stimmt nicht. Je neuer ein Stall, desto höhere Anforderungen muss er erfüllen.

Michael Eckebrecht: Wir kombinieren die Gesetzesvorgaben mit unseren eigenen Erfahrungen und gehen in manchen Bereichen darüber hinaus. Ein bisschen mehr Platz ist immer gut – fürs Tierwohl und für die Leistung.

Was tun Sie, um die Anwohner vor Staub, Geruch und Keimen zu schützen?

Horst Eckebrecht: Abluftfilteranlagen sind in Niedersachsen Pflicht. Laut Gutachten wird die Wohnbebauung in Altenfelde von der Abluft nicht berührt, da kommt nichts an. Ein Problem könnte nur der Ammoniakeintrag in den 150 Meter entfernten Wald sein.

Michael Eckebrecht: Staub und Gerüche lassen sich leicht filtern, die Abluft wird sozusagen gewaschen. Bei gasförmigen Stoffen wie Ammoniak ist das schwieriger.

Einige Bürger haben Angst vor MRSA-Keimen.

Horst Eckebrecht: Nur 1,7 Prozent der MRSA-Keime kommen aus der Landwirtschaft, 98 Prozent aus der Humanmedizin. Ich selbst bin MRSA-negativ.

Michael Eckebrecht: Ich habe mich kürzlich testen lassen, das Ergebnis aber noch nicht bekommen. Wenn ich positiv wäre, wäre das aber erst mal kein Drama.

Horst Eckebrecht: Viele Landwirte sind wieder negativ, wenn sie dreimal geduscht haben. Ansonsten kann man acht Tage eine Salbe für die Schleimhäute benutzen und ist danach in der Regel wieder negativ. Die Keime sind im Augenblick relativ einfach wegzukriegen. Die Übertragung ist nur über direkten Hautkontakt möglich, durch das Essen von rohem Fleisch oder wenn man den Staub – im Stall, nicht über große Distanzen – einatmet. Übrigens sind neun Prozent der Hunde und Katzen in Deutschland MRSA-positiv.

Wie handhaben Sie den Einsatz von Antibiotika?

Michael Eckebrecht: Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben und versuchen darüber hinaus, den Einsatz zu minimieren. Wir werden den neuen Stall mit neuen Sauen bestücken und dann nur noch unsere eigenen nehmen. Wenn eine Sau zu alt und geschlachtet wird, wird sie durch eine von uns selbst gezogene ersetzt. So reduzieren wir das Risiko für Krankheiten und damit auch die Antibiotika-Menge.

Horst Eckebrecht: Um die Tiere zu schützen, können Menschen den neuen Stall nur durch eine Dusche betreten. Das ist wie im Schwimmbad: Sie gehen auf einer Seite rein, entkleiden sich und duschen – auf der anderen Seite ziehen Sie Ihre Arbeitskleidung an und gehen in den Stall. Wir riegeln unsere Ställe hermetisch ab, um Keime nicht reinzulassen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht offen sind: Wenn eine kleine Gruppe unseren Stall angucken will, lassen wir sie gerne rein und erklären alles.

Landwirte müssen zurzeit viel Kritik einstecken.

Horst Eckebrecht: Nach dem Krieg haben 20, 30 Prozent der Leute in der Landwirtschaft gearbeitet, heute sind es vielleicht noch drei. Wir Landwirte haben während des Strukturwandels versäumt, unsere Arbeit zu kommunizieren. Ich bin der Meinung, dass wir Profis brauchen, die den Menschen erklären, wie Landwirtschaft funktioniert. Es ist doch für alle besser, wenn wir hier unsere Nahrungsmittel kontrolliert produzieren, als wenn sie aus dem Ausland kommen.

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