Läuft!

Alter Deutz-Motor funktioniert nach tausenden Arbeitsstunden wieder

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Der Motor läuft, die Schwungscheibe dreht sich – und (von vorne) Ralf Gräpel, Dr. Reiner Paape, Ernst Meininger und Dr. Heinrich Gräpel freuen sich.

Martfeld - Am Anfang stand die Frage, ob es überhaupt möglich ist, den alten Deutz-Motor im einst für ihn an die Fehsenfeldsche Mühle angebauten Raum wieder in Gang zu bekommen. Inzwischen ist sichtbar und hörbar: Es war möglich.

Und das dank des Einsatzes von mehreren Männern, die akribisch, aufopferungsvoll und unerschütterlich an der Wiederbelebung des rund 4,5 Tonnen schweren Kraftpakets gearbeitet haben, das 1904 von der Firma Deutz in Köln gebaut und 1930 in der Martfelder Mühle installiert worden war. Dort lief es bis in die 60er-Jahre.

Landwirt Dr. Heinrich Gräpel, sein Sohn, der Maschinenbau-Ingenieur Ralf Gräpel, und Chemiker Dr. Rainer Paape (alle aus Martfeld), Restaurator Wilhelm Reinhardt (Bruchhausen-Vilsen), Maschinenbauer Ernst Meininger (Verden) sowie Cord Fehsenfeld, Besitzer der Mühle, haben ab 2016 tausende Stunden gearbeitet, getüftelt, gebangt und geschwitzt.

Rückschläge gehören dazu

Die Arbeitsgruppe des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) Martfeld rückte dem Motor mit Schmirgelpapier, jeder Menge Putzlappen, Drahtbürsten und Spachteln zu Leibe. „Rückschläge gehören dazu, damit mussten wir rechnen, und wenn man meint, man ist fertig, kommt ein neues Problem“, sagt der 65-jährige Ernst Meininger.

In der Tat: Als das Team vor einigen Tagen glaubte, alles läuft rund, währte die Freude nicht lange. Nein, die Schwungscheibe, die 20 Zentner schwer ist, lief rückwärts. Der Grund, in Kurzform erklärt, war, dass der Motor konstruktionsbedingt nach dem Abschalten kurzfristig rückwärts laufen kann. 

In der Schwungscheibe ist noch viel Energie gespeichert, und der Motor, schaltet man ihn ab, läuft noch eine Weile weiter. Der Rückwärtslauf führte zu einer Beschädigung. Kompliziert, aber die beiden Maschinenbauer Ralf Gräpel und Ernst Meininger bekamen alles in den Griff, sodass sich der Motor und die Schwungscheibe wieder kraftvoll drehen. Beim Testlauf glaubte man fast, das Aufatmen der Männer im Einklang mit dem Motorgeräusch zu hören.

200 Umdrehungen pro Minute

Belohnt wurde das Team bei der ersten öffentlichen Aufführung am Mühlentag, als die Besucher staunend und ehrfurchtsvoll zuschauten, wie der 16 PS starke Motor arbeitete und die Schwungscheibe 200 Umdrehungen pro Minute leistete.

Dankbar sind die Beteiligten, dass Geld vom Landschaftsverband Weser-Hunte und von der Gemeinde Martfeld sowie Mittel aus dem Dorferneuerungsprogramm und somit rund 13 000 Euro in die Restaurierung flossen.

Der Motor war einst eingebaut worden, um einen Mahlgang der Fehsenfeldschen Mühle anzutreiben, wenn der Wind zu flau war. Meininger: „Er ist jedoch kaum zum Einsatz gekommen. Es war ein Benzol-Motor im Original, er wurde einst umgerüstet zum Diesel-Motor.“ Das, erklärt das Team, konnte nicht gut gehen, weil ein Diesel-Motor eine größere Schwungmasse benötigt, die vorhandene Schwungscheibe aber nicht schwer genug ist. Inzwischen wird daher wieder mit Benzin gearbeitet.

Heinrich Gräpel (67), im Martfelder Heimat- und Verschönerungsverein für die Mühlentechnik verantwortlich, freut sich, eine 114 Jahre alte Rarität vor der Verschrottung gerettet zu haben. Immerhin wurden nur 33 Motoren dieses Typs gebaut.

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