Kurzes Leben voller Bruderliebe

Spannende Multimedia-Show zu Vincent und Theo van Gogh

Phillip Wentrup untermalte mit seinem Cello die Ausführungen von Schauspielerin Ulrike Fertig und Kunsthistoriker Thomas Carstensen über die Brüder van Gogh. - Foto: Ulf Kaack

Br.-Vilsen - Es war eine Multimediashow der sanften, der ganz leisen Art, die der Kultur- und Kunstverein am Sonntag vor knapp 40 Zuhörern im Schulforum Bruchhausen-Vilsen präsentierte. „Freund sein, Bruder sein, lieben ...“ lautete der Titel der Lesung, die das ambivalente und doch stets innige Verhältnis zwischen dem Maler Vincent van Gogh und seinem Bruder Theo tiefgehend thematisierte.

Sie wanderten gemeinsam durch die holländische Polderlandschaft. Vincent war 20 Jahre alt, Theo vier Jahre jünger. Heftige Regenfälle ließen die beiden in eine Mühle flüchten. Dort schlossen sie einen lebenslangen Freundschaftsbund, der trotz vieler Höhen und Tiefen ein Leben lang hielt.

Schauspielerin Ulrike Fertig und der Kunsthistoriker Thomas Carstensen zeichneten im Dialog die parallel verlaufenden Biografien der Van-Gogh-Brüder anhand ihres intensiven Briefwechsels nach, der über Jahrzehnte hinweg überliefert ist. Dieser Chronologie folgend, verband der Cellist Phillip Wentrup die verschiedenen Epochen des Brüderpaars virtuos an seinem Instrument in sorgfältig portionierten Essenzen.

Der Niederländer Vincent van Gogh (1853-1890) gilt als einer der größten Maler der Kunstgeschichte. Sein Hauptwerk wird dem Post-Impressionismus zugeordnet. Anerkennung fand er zeitlebens nur wenig, sein Ruhm entstand posthum. Er war eine zerrissene Persönlichkeit. Und zerrissen war auch sein Lebensweg. Er absolvierte eine Ausbildung zum Kunsthändler, konnte sich aber mit seinem Beruf nie anfreunden. Die Kommerzialisierung der Malerei war ihm zutiefst zuwider. Eben diesen Beruf übte sein Bruder in Paris aus. Mit geringem Erfolg, doch er konnte davon leben.

Vincents Versuche in London und Paris, sich als Lehrer, Verkäufer und Prediger auf wirtschaftlich solide Füße zu stellen, scheiterten kläglich. In einem belgischen Kohlerevier wirkte er als Hilfsprediger und dokumentierte zeichnerisch das Elend der Bergarbeiter und ihrer Familien. Zunehmende Verwahrlosung, die Düsternis seiner Zeichnungen und sein Auftreten als radikaler Sozialrevolutionär führten dazu, dass das Arbeitsverhältnis aufgehoben wurde. Im Alter von 27 Jahren beschloss Vincent van Gogh, sich ganz der Malerei zu verschreiben.

Ab diesem Zeitpunkt kam Theo für Vincents Lebensunterhalt auf. Den Maler plagten permanent Geldsorgen. Eine Zeit lang lebten sie gemeinsam in Paris, wobei sich der jüngere Bruder über das Chaos beklagte, dass der Maler in der Wohnung anrichtete. Vincent indes arbeitete rasant, hinterließ der Nachwelt schließlich 864 Gemälde und über 1 000 Zeichnungen.

„Theo sah die Unterstützung seines Bruders als Mission, obwohl er häufig kurz davor war, seine Finanzspritzen einzustellen“, analysierte der Hamburger Carstensen. „Ihm missfielen das üble Benehmen seines Bruders, seine schlechte Kleidung, die Kompromisslosigkeit und sein völlig übersteigertes Ego. Andererseits schätzte er seine malerische Begabung, glaubte fest an seinen künstlerischen Erfolg.“

Vincent van Gogh starb am 29. Juli 1890 in einem desolaten gesundheitlichen und psychischen Zustand mit nur 37 Jahren. Zwei Tage zuvor hatte er sich selbst eine Kugel in die Brust geschossen. Theo ereilte der Tod ein halbes Jahr später nach einem Psychiatrieaufenthalt und einer Syphiliserkrankung. Seite an Seite sind die Brüder auf dem Friedhof von Auvers-sur-Oise bei Paris begraben. -  ufa

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