Kunstverein Art-Projekt weicht während des Klostermühle-Umbaus ins Rathaus aus

Ein „Intermezzo“

Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann (rechts) und Laudator Wolfgang Griese (Zweiter von rechts) mit einigen beteiligten Künstlern (von links): Adam, Karin Schildmair, Regine Wanek, Udo Richter, Peter C. Creuzburg, Otto Kirmse und Karin Altrogge. Foto: Ulf Kaack

Br.-Vilsen - Von Ulf Kaack. Unter dem Titel „Intermezzo“ zeigt der Bruchhausen-Vilser Kunstverein Art-Projekt im örtlichen Rathaus einen breiten Ausschnitt des künstlerischen Schaffens seiner Mitglieder. Kunstexperte Dr. Dr. Wolfgang Griese eröffnete die Werkschau im Beisein von Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann und zahlreichen Kunstinteressierten.

13 Jahre lang war das Domizil von Art-Projekt die Galerie im Obergeschoss der Klostermühle Heiligenberg. Bedingt durch den Besitzerwechsel und die aktuell anstehenden Umbauarbeiten ist der Verein vorübergehend „heimatlos“, hat aber mit seiner Kunstpräsentation im Rathaus ein adäquates Ausweichquartier gefunden. So markiert der Titel „Intermezzo“ in seiner Bedeutung auch ein Zwischenspiel, das die domizilfreie Zeit überbrückt.

Die Vielschichtigkeit des zur Schau Gestellten beeindruckt nachhaltig. Ebenso die Qualität. Wolfgang Griese in seinem Vortrag: „So unterschiedlich wie die Künstlerpersönlichkeiten der Vereinigung sind, so unterschiedlich und vielseitig sind auch ihre Ausdrucksformen, ihre Kunstauffassungen, ihre Materialwahlen, ihre Stilrichtungen und ihre Experimentierfelder.“

In der Folge stellte der Kunstexperte jeden der neun Ausstellenden und seine Arbeiten im Kurzporträt vor. Beginnend mit dem langjährigen Art-Projekt-Vorsitzenden Gert Schröder, der seine bildhauerischen Werke vor allem mit den Materialien Bronze, Marmor und Naturstein eine Gestalt gibt. Exemplarisch ging er auf die aus hartem Serpentin geschlagene Skulptur „Macho“ ein, die einen menschlichen Torso abbildet. Diverse Interpretationsmöglichkeiten tun sich für den Betrachter auf. Der Verzicht auf Kopf und Glieder gibt Rätsel auf und schafft gleichzeitig Freiräume für die eigene Fantasie.

Das bevorzugte Gestaltungselement des Bildhauers Udo Richter hingegen ist Holz. „Ein Naturprodukt, ein reines Material“, sagte Griese. „Der Künstler entwickelt hier eine Formsprache mit floralen, der Natur entlehnten Ornamenten. Eine raffinierte Verschmelzung von klaren und filigran verspielten Teilen.“

Nicht in verbaler Prosa oder Lyrik erzählt Nadya Hauswald von ihren Reisen nach Italien. Sie wählt stattdessen Pinsel, Ölfarbe und Leinwand für ihre leicht lesbare Bildsprache zur Visualisierung ihrer mediterranen Motive. Karin Schildmair lässt sich hingegen vom Zufall leiten, so Grieses Interpretation: „Hier wird eine lyrische Abstraktion favorisiert, in der statt konstruktiver und geometrischer Elemente spontane Improvisationen und direkt künstlerisch umgesetzte Empfindungen eingesetzt werden.“

Auf die Suche nach neuen Ausdrucksformen hat sich Karin Altrogge begeben. Sie experimentiert mit verschiedenen Mixed-Media-Techniken und einzelnen Varianten des Abstraktionsprozesses, um sich von der rein gegenständlichen Malerei zu lösen. Auch Regine Wanek hat sich der abstrakten Bildsprache verschrieben. Dabei variiert sie eine eindrucksvolle Bandbreite von streng geometrisch bis hin zu verspielten Darstellungen, besticht dabei durch die Intensität und Leuchtkraft der von ihr gewählten Farben.

Intensiv ging Griese auf die Farbfantasien von Peter C. Creuzburg ein. Mosaikartig aus mehreren kleineren Elementen zusammengesetzt, handelt es sich um Träger zum Mischen von Farben. „Der Maler modifiziert die vorgefundene, mehr oder weniger zufällig entstandene Farbsubstanz und erhebt das während des Malprozesses genutzte Hilfsmittel zum Kunstwerk“, so Grieses Analyse.

Adam, so sein Künstlername, präsentiert mit „…ich bin so hoch geflogen“ die eigene künstlerische Arbeit der vergangenen 25 Jahre und stellt daneben mit dem Multimedia-Wandobjekt „Gold, Rot, Tod“ die tragische Biografie des Worpsweder Künstlers Heinrich Vogelers dar.

Die Ausstellung „Intermezzo“ ist bis zum 31. August während der Öffnungszeiten im Rathaus zu sehen: Montag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 13 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 8 bis 18 Uhr.

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