Die Mühle, die nicht mehr klappert

Kunstharz schenkt Welle der Wassermühle Bruchmühlen noch ein paar gute Jahre

Einfache Rechnung: Das Mühlrad dreht sich zehnmal pro Minute und seit der unorthodoxen Sanierung bereits zum millionsten Mal.
+
Einfache Rechnung: Das Mühlrad dreht sich zehnmal pro Minute und seit der unorthodoxen Sanierung bereits zum millionsten Mal.

Bruchmühlen – „Das kannst du doch nicht machen! Deine Mühle ist fast 700 Jahre alt.“ Müller und Mühlenbesitzer nehmen regen Anteil daran, was sich in ihrer Szene tut. Eine Welle mit Hilfe von Kunstharz zu flicken, diese Idee ließ einige zweifeln. Romke Schievink wagte den Versuch. Und feiert jetzt einen ersten Erfolg: nach der Reparatur drehte sich das Rad der Wassermühle Bruchmühlen Anfang dieser Woche zum millionsten Mal ohne Unterbrechung.

Klappern gehört zum Handwerk, sagt der Volksmund, es klappert die Mühle, lehrt ein Volkslied. Das Geräusch, dass die Wassermühle in Bruchmühlen zuletzt von sich gab, klang in den Ohren ihrer neuen Besitzer allerdings nicht gesund. „Man hat das Schlagen deutlich gehört und die Vibration noch auf der Straße deutlich gespürt“, beschreibt Bea Tilanus den Zustand, in dem sie und ihr Partner Romke Schievink die Mühle im Juni vergangenen Jahres erworben haben. Neben der Herrichtung von zwei Gästezimmern gehörte die Reparatur der Welle zu den ersten Sanierungsprojekten der beiden Niederländer.

Bea ist ausgebildete Müllerin. Sie möchte in Bruchmühlen nicht nur selbst idyllisch wohnen, sondern die Wassermühle auch dazu nutzen, wofür sie im Jahr 1350 gebaut wurde: zum Mahlen. Diesem Vorhaben ist sei seit Mitte November einen Schritt näher. Seitdem dreht sich das Wasserrad nämlich so regelmäßig und geräuscharm, wie ein Müller es sich nur wünschen kann.

Etwa 30 Jahre hat die Holzwelle auf dem Buckel. Alterserscheinungen seien nicht untypisch, besonders bei außen liegenden Wellen, weiß Romke. Hier lag das Problem nicht etwa beim Holz, sondern in der Mechanik. „Im Laufe der Jahre kam immer mehr Spiel in die Verbindung von Blattzapfen und Holzwelle. Das führte dazu, dass das rotierende Wasserrad wie ein Hammer auf das Steinfundament schlug“, schildert der Mühlenbesitzer. Dadurch lösten sich einige Steine.

Eine neue Welle würde 15  000 bis 20 000 Euro kosten, eine Summe, die nach dem Kauf der Mühle nicht zur Verfügung stand, wie beide erzählen.

Hobbysegler Romke erinnerte sich, dass er den dreizehn Meter hohen Mast seines Segelschiffs mit Kunstharz erfolgreich repariert hatte. Auch die Holzwelle ist hoher Belastung und Nässe ausgesetzt. Der Versuch war es ihm wortwörtlich wert.

Freunde und Vorbesitzer Johann Hüneke packten mit an. Sie entfernten all die Keile, die immer wieder Abhilfe schaffen sollten, sich jedoch lediglich als Notlösungen erwiesen. Nach umfangreicher Vorbereitung bearbeiteten Romke und Bea das marode Verbindungsstück mit flüssigem Kunstharz. Eine zeitaufwendige Handarbeit, die nach einer langen Phase des Aushärtens Erfolg versprach: Die Welle schlug nicht mehr aufs Fundament. Zufrieden waren die neuen Eigentümer aber noch nicht.

Sie entscheiden sich, auch die Holzwelle mit Epoxidharz auszugießen. Bis zu 60 Zentimeter tief waren die Hohlräume. „Wir haben 21 Liter Harz verbraucht, mehr, als wir erwartet hatten“, erzählen sie von den monatelangen Arbeiten. Das Ergebnis lässt beide strahlen. Das Wasserrad dreht sich geräuschlos und treibt scheinbar mühelos das Mahlwerk an. Demnächst soll die Wasserkraft auf einen Generator übertragen werden, um Strom zu erzeugen. „Fünf bis zehn Jahre könnte das jetzt halten“, erwartet der Bauherr.

Zehnmal pro Minute dreht sich das Mühlrad. Da er es mit Zahlen hat, befragte Romke nach etwa sechs Wochen den Taschenrechner und sah die Zahl 850 000. Nur wenige Rechenschritte später stand fest, dass sich das Rad zur Monatswende eine Million Mal gedreht haben würde. Das hätten sie gern groß gefeiert. Aber das muss, wie alles andere im Moment auch, warten. Auf die Nachbarn wartete immerhin ein Stück Jubiläumskuchen zum Selbstbedienen. Das Tablett leerte sich über den Nachmittag. Nun kann es in Bruchmühlen mit anderen Dingen weitergehen. Zu Saisonbeginn sollen die ersten Gästezimmer bezugsfertig sein. Und es soll – wie berichtet – eine Sternwarte entstehen. „Die Baugenehmigung ist da“, verkünden Romke Schievink und Bea Tilanus so erfreut wie stolz. In Kürze wollen sie Details über diese ausgefallene Idee mitteilen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Wieder Enttäuschung für Rose in Gladbach - BVB im Halbfinale

Wieder Enttäuschung für Rose in Gladbach - BVB im Halbfinale

«Felsbrocken vom Herzen»: Skisprung-Mixed erobert Gold

«Felsbrocken vom Herzen»: Skisprung-Mixed erobert Gold

UN: Mindestens 18 Tote bei Protesten in Myanmar

UN: Mindestens 18 Tote bei Protesten in Myanmar

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Meistgelesene Artikel

Führerschein B197: Fahrschule Schmidt in Syke rüstet sich für die nächste Generation

Führerschein B197: Fahrschule Schmidt in Syke rüstet sich für die nächste Generation

Führerschein B197: Fahrschule Schmidt in Syke rüstet sich für die nächste Generation
Famila-Markt: Eröffnung am 15. März

Famila-Markt: Eröffnung am 15. März

Famila-Markt: Eröffnung am 15. März
Dehoga-Demo in Syke: „Wir können. Wir müssen. Lasst uns öffnen!“

Dehoga-Demo in Syke: „Wir können. Wir müssen. Lasst uns öffnen!“

Dehoga-Demo in Syke: „Wir können. Wir müssen. Lasst uns öffnen!“

Kommentare