Bilder von den schönsten Ecken

Kunst im Getränkehaus: Helmut Nordhausen zeigt Heimat-Motive

Künstler Helmut Nordhausen fertigte über Jahre hinweg Bilder von Straßenzügen und Gebäuden aus Bruchhausen-Vilsen an. Diese sind nun im Getränkehaus an der Bahnhofstraße zu sehen.
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Künstler Helmut Nordhausen fertigte über Jahre hinweg Bilder von Straßenzügen und Gebäuden aus Bruchhausen-Vilsen an. Diese sind nun im Getränkehaus an der Bahnhofstraße zu sehen.

Br.-Vilsen – Über Jahre hinweg hat Künstler Helmut Nordhausen die schönsten Ecken Bruchhausen-Vilsens gemalt. Nun sind seine Werke im Getränkehaus zu sehen.

Schon im Eingangsbereich fällt der Blick auf zahlreiche Bilder in unterschiedlichen Farben und Formen – ob Porträts, Zeichnungen von Straßen, Gebäuden und Landschaften, Schriftzüge oder abstraktere Kunstwerke. Im Inneren des Geschäfts an der Brautstraße in Bruchhausen-Vilsen ist die Vielfalt sogar noch größer. All die Gemälde hat Helmut Nordhausen im Laufe seines Lebens angefertigt.

Oftmals entdeckte er etwas, was er als so schön empfand, dass es niemals in Vergessenheit geraten sollte. Kurzerhand brachte er es zu Papier. 1945 war er nach eigenen Angaben in russischer Gefangenschaft. „Aus einem Fenster aus dem zweiten Stock konnte ich auf die Stadt Tabor schauen und habe anschließend diesen Anblick in einem Gemälde festgehalten“, erinnert sich der heute 97-Jährige und begutachtet sein Werk. Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat sich auf diese Weise Vieles angesammelt. Aus seinem Arbeitszimmer unterm Dach habe man Helmut Nordhausen lange Zeit nicht herausbekommen, erzählt er.

Dort machte er sich über Jahre hinweg auch immer wieder daran, und setzte Straßenzüge und Gebäude aus seinem Heimatort Bruchhausen-Vilsen in Szene, darunter beispielsweise das Forsthaus oder die Brautstraße. Insgesamt 35 dieser Werke hat er vor Kurzem aus der Versenkung geholt. Zwar käme heutzutage niemand mehr in sein Geschäft, doch verstauben sollten seine Bilder nicht. Ganz im Gegenteil: Sein Plan war es, sie dem neuen Hotel im Ortskern zu stiften. „Es wäre doch eine nette Idee, wenn in jedem Zimmer ein Gemälde aus dem Ort hängen würde, dann würden beispielsweise Fahrradtouristen sofort erkennen, wie schön es bei uns ist“, erläutert Helmut Nordhausen seinen Einfall. Ohne lang darüber nachzudenken, ließ der Rentner Kopien von seinen Originalen anfertigen und besorgte entsprechende Rahmen.

Doch die Betreiber von Thöles Hotel hatten bereits andere Pläne und ein eigenes Konzept entwickelt, wünschten dem Künstler jedoch weiterhin viel Erfolg.

Ein kleiner Rückschlag für Helmut Nordhausen. Was sollte er denn nun mit all den Bildern machen? Wo sollte er sie unterbringen? Sie zurück in die Mappe zu legen, aus der sie gekommen waren, war jedenfalls keine Option.

Es brauchte einen Ort, an dem die Kunstwerke von einer Vielzahl von Menschen gesehen werden könnten, damit sie ihren Zweck erfüllen würden. „Ich fahre mehrmals wöchentlich hinunter ins Getränkehaus. Dort gibt es einen schönen großen, separaten Raum, in dem auch die Spirituosen verkauft werden“, sagt Helmut Nordhausen. Das Getränkehaus-Team sei auf Anhieb begeistert von seinem Vorschlag gewesen, sodass die Werke des Künstlers nun doch noch ihren Platz gefunden haben. Wer sich im Übrigen für eines der Exemplare interessiert, könne dieses vor Ort für kleines Geld erwerben. Ganz zur Freude des 97-Jährigen haben auch schon vier der Bilder den Besitzer gewechselt.

Sein ganzes Leben lang ist Helmut Nordhausen freischaffender Künstler gewesen. Diese Leidenschaft habe er bereits in der Schule für sich entdeckt, woraufhin ihm seine Großmutter Werke ihres im Ersten Weltkrieg verstorbenen Mannes zeigte. Denn der konnte ebenfalls sehr gut zeichnen. „Allein wie schön er seinen Namen schrieb, hatte mich bereits gefesselt“, erinnert sich der Senior an längst vergangene Zeiten. „Wenn du auch dieses Talent hast, musst du das ausnutzen“, habe seine Oma damals zu ihm gesagt. Und das tat Nordhausen dann schließlich auch – „vor allem zu Ehren meines Großvaters, den ich leider nie kennenlernen durfte.“

Als er schließlich aus der Gefangenschaft in Russland kam, habe er damit begonnen, die schönen Ecken von Bruchhausen-Vilsen auf Papier festzuhalten. Auf diese sei zu einem späteren Zeitpunkt ein „besserer Herr“,  wie Nordhausen sagt, aufmerksam geworden. Dieser brachte ihn anschließend dazu, an einer Kunsthochschule zu studieren, wo er vier Jahre damit verbrachte, sein Talent zu entwickeln. Darüber hinaus lernte er den Beruf als Anstreicher, schrieb mehrere Bücher, engagierte sich im Gesangsverein, spielte gemeinsam mit seiner Frau Theater und konzipierte in diesem Rahmen auch oftmals die Bühnenbilder. Sport war für Helmut Nordhausen ebenfalls stets wichtig. Lange Zeit war er Mitglied im Turnverein.

„Ohne vorher meine Übungen zu machen, gehe ich auch heute nicht aus dem Haus“, meint der rüstige Rentner. Aber was ist mit der Kunst? „Heute bin ich kaum noch aktiv, vielleicht mal die ein oder andere Zeichnung, aber nicht mehr so wie früher“, erzählt der 97-Jährige. Es liegt ihm jedoch am Herzen, dass seine Werke nicht im Schrank verstauben, sondern sich noch andere daran erfreuen können. Daher macht es ihn sehr glücklich, dass nun einige seiner Bilder im Getränkehaus in Bruchhausen-Vilsen zu sehen sind.

Weitere Infos

Die Kunstwerke sind im Getränkehaus an der Bahnhofstraße 41 bis 45 in Bruchhausen-Vilsen zu sehen. Interessierte können sich diese zu den regulären Öffnungszeiten anschauen.

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