Nach dem monatelangen Lockdown

Friseur-Kunden haben nur einen Wunsch: Runter mit der Matte

Friseurin schneidet Kundin im Salon die Haare.
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Verwöhnprogramm in den Salons: Einige Frauen machten sich bereits selbst mit der Schere an ihrem Pony zu schaffen, jetzt dürfen ihre Haare wieder die volle Aufmerksamkeit vom professionellen Personal genießen – hier Daniela Neddermann und Friseurin Miriam Ottens im Salon Kaiser.

Samtgemeinde – „Viele Männer waren ganz schön genervt von ihrer Haarpracht“, weiß Friseurmeisterin Christin Eggers. In ihrem Salon „Hair Emotion“ in Martfeld gaben sich die Kundinnen und Kunden in den ersten zwei Wochen nach dem monatelangen Haar-Lockdown nur so die Klinke in die Hand. Die Kreiszeitung wollte wissen, ob sie sich jetzt für ein ganz anderes Haar-Outfit entscheiden.

„Ja, viele wollen etwas komplett Neues ausprobieren“, sagt Christin Eggers. „Einen neuen Haarschnitt oder eine neue Farbe.“ Einer Kundin sollte sie gar mehrere Farben gleichzeitig in ihr Haar zaubern. Auch die Kinder freuen sich, dass sie wieder zum Friseur dürfen. „Gerade den Jungs hingen die Haare schon im Gesicht“, berichtet die Friseurmeisterin.

Zudem darf sie, wie ihre Berufskolleginnen und -kollegen, das eine oder andere Malheur wieder richten. Viele Menschen hätten sich in der Zwischenzeit Haarschneidemaschinen zugelegt und diese fälschlicherweise oben am Kopf angesetzt. „So sind Löcher in der Frisur entstanden, die man ausgleichen muss“, sagt Christin Eggers. Frauen hätten sich Haarscheren gekauft und am Pony schon mal selbst Hand angelegt. „Viele Männer wollten ihren Frauen dabei helfen, aber die Damen wollten das nicht“, hat die Friseurmeisterin gehört. Das etwas längere Haar sei aber auch nützlich: So hätten viele ihrer Kundinnen den Übergang zu einem neuen Look gut hinbekommen.

Genau wie Christin Eggers freut sich auch Andrea Duschek von „Hair World“ in Schwarme, nach der langen Pause wieder für ihre Kunden da zu sein. „Die meisten von ihnen haben durchgehalten, die Frisuren waren gigantisch“, sagt Andrea Duschek. Für manchen sei das Grau im Haar plötzlich doch nicht mehr so dramatisch. Und an den Stellen, an denen das Haar früher rasiert wurde, ließen viele Männer das Deckhaar jetzt einfach länger. „Viele meiner Kunden wollten einen ganz neuen Schnitt“, hat Andrea Duschek in den vergangenen beiden Wochen nach der Wiedereröffnung beobachtet. Was sie besonders rührt: „Viele haben gesagt, dass sie für uns durchhalten und keine Hand an ihre Frisuren legen. Und unsere Kunden haben zu einer Spendenaktion für unseren Salon aufgerufen.“ Denn das Kurzarbeitergeld erhielten ihre Mitarbeiterinnen erst Anfang März. Und auch weitere Hilfen seien bislang noch nicht angekommen, sagt die Salon-Inhaberin. „Ich bin wirklich kein Jammerlappen, aber die letzten Wochen waren alles andere als schön. Das raubt einem schon die Nerven und beschert einem schlaflose Nächte.“ Umso mehr freut sie sich, jetzt wieder für ihre Kundinnen und Kunden da zu sein.

Genau wie Gerald Runge und sein Team in Asendorf. „Wir sind alle froh, dass wir wieder hier sind. Alle sind gut gestellt. Die Kunden sind aber ein bisschen bange, dass es erneut zu einem Lockdown kommen könnte“, sagt der Friseurmeister. Auch bei ihm hätten viele seiner Kunden durchgehalten. Auf den Köpfen habe er „keine Katastrophen“ entdecken können. Einige hätten zwar selbst zur Haarschneidemaschine gegriffen. „Wir konnten aber alle ,Schäden‘ mit einem neuen Schnitt beheben“, berichtet Gerald Runge. Wie viele andere Friseure arbeitet er mit seinem Team derzeit von montags bis samstags und auch länger als sonst in den Abend hinein, um der großen Nachfrage gerecht zu werden. „Bis Ende März ist der Kalender voll“, sagt der Friseurmeister.

Alle ,Schäden‘ waren zu beheben

Auch bei ihm seien noch keine der bereits im Januar beantragten Hilfen eingegangen. Aus seiner eigenen Tasche habe er deshalb den Lohn für seine Mitarbeiterinnen vorgestreckt. Seine Kollegin Christin Eggers in Martfeld hat ebenfalls bis dato weder die Januar- noch die Februarhilfe erhalten.

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