Kulturpicknick in Arbste mit zauberhaftem Programm / „Lieben das Landleben“

Wo Sopranistinnen und Hühner die Zuhörer erfreuen

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Zauberer Tim, umringt von seinen Fans.

Arbste - Von Julia Kreykenbohm. Eine ganze Kinderschar hat sich um Tim Jahntz gruppiert. Der 21-Jährige hat zwar keinen Zauberstab dabei und statt eines Umhangs trägt er Jeans und T-Shirt – aber er ist dennoch ein Zauberer. Eben hat er einem kleinen Mädchen einen roten Ball in die Hand gedrückt und es aufgefordert, eine Faust zu ballen. „Und jetzt mach die Hand wieder auf“, bittet Tim. Das Mädchen gehorcht und ein kollektives „Hä?“ geht durch die Reihen, denn der Ball ist verschwunden. Tim zieht ihn lachend aus seiner Tasche und erstaunt damit sein Publikum erneut.

Der 21-Jährige aus Hude ist zum ersten Mal beim Kulturpicknick auf dem Hof von Vera und Peter Henze in Arbste, das bereits zum sechsten Mal vom Verein „Land und Kunst“ organisiert wurde. „Ich habe Peter bei einer anderen Veranstaltung kennengelernt und er hat mich eingeladen“, erzählt Tim, der eigentlich Mediendesign studiert. Doch seit sieben Jahren ist er nebenberuflich Zauberlehrling. „Ich mag den Kontakt mit Menschen und ich finde es toll, in einer Zeit, in der man beinahe alles logisch erklären kann, die Leute noch mit dem ein oder anderen Mysterium zu verblüffen.“

In Arbste ist ihm das bereits gelungen. „Kommst du noch mal wieder?“, fragt ein kleines Mädchen, als Tim eine Pause einlegt, um sich etwas zu trinken zu holen und er verspricht es. Doch die Kinder haben kaum Zeit, Tim nachzutrauern, denn auf dem Hofgelände gibt es jede Menge zu sehen und zu entdecken. Die Clownin Siba wandert beispielsweise durch die Reihen der Besucher, spricht sie an oder baut sie kurzerhand in ihre Show ein. Drücken gibt‘s da nicht. „Du da, kannst du mal die Hand heben?“, bittet Siba eine Frau, die auf der Bank sitzt. Diese kommt der Aufforderung sichtlich verunsichert nach. „Prima, eine Freiwillige meldet sich!“, ruft Siba und winkt die Frau heran, während die Umstehenden lachen.

Der Hofbesitzer und Geschäftsführer des Vereins, Peter Henze, steht ein wenig abseits und betrachtet zufrieden das Geschehen. Fast hätte das Kulturpicknick nicht stattfinden können, da den ganzen Morgen und Vormittag Gewitter über die Gemeinde Asendorf zogen. „Vermutlich sind deswegen auch weniger Leute hier. Normalerweise haben wir 400 bis 500 Gäste. Heute sind es wohl an die 100, obwohl nun die Sonne scheint und der Eintritt dank der Zuschüsse vom Landschaftsverband Weser/Hunte kostenlos ist.“

Doch diejenigen, die gekommen sind, erfreuen sich an den verschiedenen Künstlern, wie Christa und Klaus Harms aus Bückeburg. Sie besuchen zum ersten Mal das Kulturpicknick und sind begeistert. „Es gefällt mir total gut hier, da wir sehr an Kunst interessiert sind“, sagt Christa Harms. Der Grundgedanke der Veranstaltung sei, dass sich Kunstfreunde und Künstler im lockeren, ungezwungenen Rahmen begegnen können, sagt Henze. Und so kommt es, dass die zwei ausgebildeten Sopranistinnen Luise Eckardt und Nina Rademacher Arien und Lieder in der Waldscheune vortragen. Statt ernster, steifer Ruhe, wie in einem Opernhaus, hört man zwischendurch mal das Fauchen der Museumseisenbahn von Ferne und das Gackern von Hühnern, was jedoch für Erheiterung bei Publikum und Künstlern sorgt.

Doch neben lustigen und klassischen Tönen, werden auch ernste angeschlagen. Jürgen Strangmann von der Asendorfer Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung ist mit einem Stand vor Ort, um Unterschriften zu sammeln und zu informieren. Er und seine Mitstreiter wollen verhindern, dass ein neuer Sauenstall in Arbste gebaut wird. Sein Engagement ist ganz im Sinne von Peter Henze. „Wir lieben das Leben auf dem Land – folglich wollen wir ein lebenswertes Land erhalten.“ Er selber und seine Frau, die beide Schauspieler sind, haben vor zehn Jahren ein Stück unter dem Titel „De ole Buur un sin Öko-Deern“ zu dem Thema verfasst. Die Aufzeichnungen davon laufen den ganzen Tag im Stall auf der Diele, die zum kleinen Kinosaal umgestaltet wurde. „Wir sind entsetzt, wie aktuell das ist, was wir damals geschrieben haben“, sagt Henze kopfschüttelnd.

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