Kreis prüft Antrag seit einem Jahr

Antje Hillmann kämpft weiter gegen Stall

Antje Hillmann ist sicher: „Dieser Antrag kann nicht durchgewunken werden.“
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Antje Hillmann ist sicher: „Dieser Antrag kann nicht durchgewunken werden.“

Graue - Von Mareike Hahn. Schon vor einem Jahr beantragte Lutz Ruge aus Graue eine Umnutzung seines Stalls an der Straße Zum Herrenhassel – bis heute hat der Landkreis seinen Antrag weder genehmigt noch abgelehnt. „Wir sind noch zu keinem Ergebnis gekommen“, sagt Joachim Homburg vom Fachbereich Planen und Bauen. „Wir müssen eine relativ lange Einwandsliste abarbeiten.“ Eine Liste, an der Ruges Nachbarin Antje Hillmann einen großen Anteil hat. Für sie steht fest: „Dieser Antrag kann so nicht durchgewunken werden.“

Wie berichtet, möchte Ruge die Anlage, die ursprünglich 13000 Masthähnchen beherbergte, an die Firma Geflügelzucht Horstmann aus Stolzenau verpachten. Darin sollen künftig 25000 Junghennen leben – nur 130 Meter vom Haus der Hillmanns entfernt. Die Familie will das nicht hinnehmen, fürchtet unzumutbare gesundheitliche Belastungen. Ein Sachverständiger für Immissionsschutz sagte Antje Hillmann, dass sich „die Staubbelastung durch die Umnutzung verzehnfachen würde. 25000 Junghennen verursachen so viel Staub wie 130000 Masthähnchen.“ Ihr Haus befinde sich genau in der Haupt-Windrichtung des Stalls – auch wenn der Antragsteller etwas anderes behaupte, sagt sie.

Lutz Ruge wollte auf Nachfrage keinen Kommentar zu dem Thema abgeben. Frank Horstmann von der gleichnamigen Firma war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Seit dem Herbst 2013 hat Hillmann den Kreis immer wieder auf „Unstimmigkeiten“ in Ruges Unterlagen hingewiesen. Das bestätigt Joachim Homburg – und sieht darin eine Erklärung für die ungewöhnlich lange Prüfungszeit: „Es dauert, die Einwände abzuarbeiten. Wir müssen alle Argumente detailliert überprüfen.“

Eins dieser Argumente betrifft das mittlerweile zum dritten Mal überarbeitete emissionsrechtliche Gutachten. „In den Texten stehen andere Zahlen als in den Grafiken. Es ist nicht nachvollziehbar, wie diese Zahlen zustande gekommen sind“, sagt Hillmann. Außerdem sei darin nur von zwei Ställen im Umkreis von zwei Kilometern um Ruges Anlage die Rede. Nach ihren Worten sind es jedoch zehn Geflügelställe mit zusammen knapp 300000 Tieren.

„Widersprüchlichkeiten“ im emissionsrechtlichen Gutachten räumte Fachbereichsleiter Stephan Maaß schon im Februar ein. Das Gutachten solle zeigen, dass keine emissionsrechtlichen Gründe der Umnutzung des Stalls entgegenstünden: „Es kann mehrfach überarbeitet werden“, sagt der Landkreis-Mitarbeiter. Eine Vielzahl an „Stellschrauben, Annahmen und Recherchen“ könne das Ergebnis beeinflussen. Hillmann drückt es anders aus: „Der Kreis verhält sich sehr wohlwollend gegenüber dem Antragsteller.“

Die Erschließung des Stalls sei nicht gesichert, argumentiert die Nachbarin weiter. Zwar nickte der Asendorfer Gemeinderat im April mehrheitlich eine Erschließungsvereinbarung ab – aber die Straße wurde seitdem laut Hillmann nicht repariert oder gar ausgebaut.

Ihrer Meinung nach ist der ganze Antrag hinfällig: „Es ist keine Umnutzung, die Ruge plant, sondern ein Umbau“, sagt die 45-Jährige. „Er hat im Antrag falsche Maße zum Stall genannt. Um 25000 Junghennen und die geplante Voliereneinrichtung unterzubringen, müssen das Dach umgebaut und die Statik verändert werden. Und dafür gelten andere Emissionsauflagen als für eine Umnutzung.“

Ob der Kreis zum selben Ergebnis kommt, dürfte sich bald zeigen. Homburg rechnet in Kürze mit einer Entscheidung. Sollte der Kreis den Antrag genehmigen, ist das für Hillmann indes kein Grund aufzugeben: „Dann lege ich Widerspruch ein.“

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