Verwaltungsmitarbeiterin Cattrin Siemers spricht über Neuigkeiten im Kita-Bereich

„Die Kosten steigen weiter“

CattrinSiemersJ Foto: mah

Br.-Vilsen - Das neue Kindergartenjahr hat begonnen, und während sich die Eltern von Drei- bis Sechsjährigen über die Einführung der Beitragsfreiheit freuen, müssen die Mütter und Väter von Krippenkindern wegen einer Gebührenerhöhung in der Samtgemeinde tiefer in die Tasche greifen. Redakteurin Mareike Hahn hat Cattrin Siemers, Ressortleiterin Bildung in Bruchhausen-Vilsen, ein paar Fragen zum Thema gestellt:

Frau Siemers, nach Vorgabe des Landes fallen ab diesem Monat die Kindergartenbeiträge für acht Stunden Betreuung am Tag weg – für die Samtgemeinde Fluch oder Segen?

Wir freuen uns natürlich für die Familien, dass die Belastung weniger wird. Wir haben aber ein bisschen Bedenken, dass eine Leistung, die nichts kostet, für manche auch nichts wert ist. Dass dadurch Kinder für längere Zeiten angemeldet werden und wir das Personal nicht haben. Wir können einfach nicht mehr abdecken, als wir jetzt schon bieten. Wenn sich die Öffnungszeiten noch verstärken, entstehen auch mehr Kosten. Und natürlich ist es so – der Fluch – dass wir vom Land nicht das erstattet bekommen, was wir durch die Elternbeiträge eingenommen hätten. Wir müssen allerdings nicht mehr ganz so viel rechnen, das ist eine Arbeitserleichterung.

Von welchem Betrag gehen Sie aus, den die Samtgemeinde zusätzlich stemmen muss, weil das Land ihn nicht erstattet?

Von circa 150 000 Euro im Jahr.

Eine Betreuungsstunde in der Kinderkrippe kostet seit diesem Monat 1,90 statt bisher 1,70 Euro. Das Gleiche gilt für die neunte Betreuungsstunde von Kindergartenkindern, für die die Eltern bislang 1,55 Euro zahlten. Warum hat die Samtgemeinde die Gebühren erhöht?

Wir erhöhen die Gebühren, weil die Kosten – unabhängig von der Beitragsfreiheit – ständig steigen. Wir haben die Krippengebühren seit zwölf Jahren nicht erhöht, da ist eine Erhöhung jetzt tragbar. Zu Beginn der Krippen, 2006, waren es 150 Euro im Monat für vier Stunden Betreuung am Tag, 2008 sind wir auf 148 Euro runtergegangen, weil das stundenmäßig besser teilbar ist. Seitdem war es kein Cent mehr geworden. Die Kindergartengebühren haben wir 2008 erhöht und 2016. Da gab es Kritik: Wir sollten lieber regelmäßig moderat erhöhen, als so stark auf einmal. Dann haben wir gesagt, wir überprüfen das regelmäßig alle zwei Jahre, also war 2018 dran. Wenn die Beitragsfreiheit nicht gekommen wäre, hätten wir die Kindergartengebühren auch erhöht – allein schon, weil der Zuschussbedarf, den die Samtgemeinde zu leisten hat, so hoch ist und immer weiter steigt.

Warum steigen die Kosten?

Das liegt an den Personalkosten, die durch die Tariferhöhungen im Prinzip jedes Jahr steigen, und dadurch, dass wir mehr Personal brauchen. Und an Qualitätsverbesserungen. Wir haben alle Gebäude saniert oder, wie in Martfeld, neu gebaut. Dazu kommen die Kosten durch die Ganztagsbetreuung mit Mittagessen und die zunehmenden Hygienevorschriften, die einzuhalten sind. Seit 2014 fallen die Kindergärten in die Zuständigkeit der Samtgemeinde. Da lagen wir bei 1,58 Millionen Euro reinem Zuschussbedarf im Jahr, 2018 sind es 2,48 Millionen – rund 900 000 Euro mehr. Das sind die Kosten für die Kindertagesstätten abzüglich aller Einnahmen, die wir durch Elternbeiträge, Bund, Land und so weiter haben. Im Grunde könnten wir uns das gar nicht leisten, weil wir noch andere Aufgaben haben: die Schulen, die Feuerwehren, die Bäder – alles muss unterhalten werden. Es wäre nicht richtig, wenn man alles nur in den Kita-Bereich stecken würde. Wir müssen die Einnahmen daher an der ein oder anderen Stelle anpassen. Die Kindertagesstätten machen aber den größten Batzen im Haushalt aus.

Welche Mehreinnahmen versprechen Sie sich von der jetzigen Gebührenanhebung?

Wenn wir die Betreuungsstunden, die wir jetzt haben, zugrunde legen, kommen wir auf Mehreinnahmen von 25 000 Euro im Jahr. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Grunde machen sich da nur die Krippen bemerkbar. Bei den Kindergartenkindern ist es ja nur eine einzige Betreuungsstunde, die neunte, die nutzen nicht viele.

Für eine achtstündige Betreuung in der Kinderkrippe fallen jetzt 329 Euro Gebühren im Monat an. Für einige Elternteile lohnt es sich da nicht, arbeiten zu gehen und ihr Kind in die Krippe zu schicken. Was sagen Sie ihnen?

Natürlich sind 329 Euro nicht wenig Geld. Aber welche Dienstleistung bekommt man für 1,90 Euro in der Stunde, die mit qualifiziertem Personal ausgefüllt wird? Bei Familien, die acht Stunden Betreuungszeit täglich in Anspruch nehmen, sind in der Regel beide Elternteile berufstätig, sodass sie sich die Gebühren überwiegend auch leisten können. Es gibt natürlich auch welche, die für niedrige Löhne arbeiten. Sie haben auch weiterhin die Möglichkeit, Jugendhilfemittel zu beantragen, meistens geht es da um eine Übernahme der kompletten Gebühren.

Wie bewerten Sie die Kinderbetreuung in der Samtgemeinde, können die Eltern zufrieden sein?

Ich würde die Kinderbetreuung als gut bewerten. Wir haben in jeder Gemeinde einen Kindergarten, wir haben verschiedene Betreuungsangebote und pädagogische Konzepte, Krippen, Integrationsgruppen. Die Betreuungszeit ist auch gut, zurzeit 7 bis 16 Uhr in den meisten Einrichtungen. Es gibt eine Tagespflege, wir haben sanierte Gebäude, zwei Neubauten kommen noch. Allerdings ist es manchmal schwierig, allen Elternwünschen gerecht zu werden – manchmal sind die Plätze nicht dort, wo gerade Bedarf ist. Ein Jahr habe ich ganz viele Anmeldungen in Schwarme, und zwei Jahre später sind in Schwarme zehn Plätze frei, und alle wollen nach Haendorf. Was in der Vergangenheit schon mal ein Problem war und zukünftig auch wieder auftreten kann, ist, dass wir bei einer Krankheitswelle teilweise nur eine Notbetreuung anbieten können, da es einfach nicht genug Personal gibt. Mir ist es ein Anliegen, dass sich noch viel mehr Menschen für den Erzieherberuf entscheiden. Man hat gute Berufsperspektiven, und es ist ein schöner Beruf. Momentan ist die Ausbildung unbezahlt, aber daran arbeiten Bund und Land: Es wird wohl im nächsten Jahr schon parallel zur klassischen Ausbildung den ersten Durchgang geben, der eine vergütete Ausbildung absolviert.

In Bruchhausen-Vilsen soll es künftig neben der kommunalen Kita auch eine in Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes geben, in Schwarme übernimmt die Lebenshilfe eine zusätzliche Einrichtung. Was versprechen Sie sich von den neuen Angeboten?

Momentan sind fast alle Kindertagesstätten in der Samtgemeinde in kommunaler Hand, außer dem Waldorfkindergarten in Engeln und dem Spielkreis Nestlinge in Uenzen. Wir wollen unser Angebot ausweiten und den Eltern mehr Auswahlmöglichkeiten bieten. Und wir erhoffen uns einen guten Austausch mit den anderen Trägern, sodass man gegenseitig voneinander profitiert.

In Schwarme soll ein Neubau an der Verlängerung des Tulpenwegs entstehen. Wie weit sind die Planungen?

Jetzt ist es erst mal Aufgabe der Lebenshilfe, das Gebäude zu planen. Mein letzter Stand ist, dass ein Architekturbüro mit Vorentwurfsplanungen beauftragt wurde. Dann werden wir uns zusammensetzen – denn egal, wer baut, zahlen müssen wir über den Betreibervertrag. Wir müssen uns also angucken, was geplant ist und ob es sich kostenmäßig im Rahmen hält.

Wann sollen die Bauarbeiten beginnen?

Klar ist, wann der Kindergarten fertig sein muss, und das ist sportlich: Wir wollen zum 1. August 2020 einziehen.

In Bruchhausen-Vilsen übernimmt das DRK das Gebäude des jetzigen Kindergartens Löwenzahn, die Samtgemeinde selbst baut eine neue Kindertagesstätte. Angedacht ist, dass der Neubau an der Straße Auf der Loge stehen soll. Wo genau?

Dazu können wir noch nichts sagen, die Grundstücksverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig sitzt auch da schon ein Planer an einem Vorentwurf. Eigentlich muss das Gebäude im April 2020 fertig sein, damit wir umziehen können und das DRK sanieren kann.

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