Konzept sieht mehr Bäume, Bänke und neue Formen für Urnengräber vor

Vilser Friedhof soll eine Begegnungsstätte werden

+
Ulrike Thalmann, Hanna Klautmann und Renate Kleinschmidt (von links) vom Friedhofsausschuss wollen den Vilser Friedhof attraktiver gestalten. Was wo passieren soll, ist auf dem Plan in ihren Händen eingezeichnet.

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Die Friedhofskultur verändert sich: „Es gibt heute wesentlich mehr Urnenbegräbnisse, wir haben zunehmend leere Grabstellen auf dem Friedhof“, erklärt Hanna Klautmann vom Friedhofsausschuss in Vilsen. Für sie und ihre beiden Mitstreiterinnen Ulrike Thalmann und Renate Kleinschmidt ein Grund, weshalb sie mithilfe von Landschaftsarchitektin Christina Stoffers aus Petershagen ein neues Konzept für den kirchlichen Friedhof erstellt haben. Künftig soll es dort Urnengräber in neuen Formen geben, und weitere Pflanzen sollen dazu beitragen, die fast vier Hektar große Fläche attraktiver zu gestalten.

Seit drei Jahren engagieren sich die drei Frauen im Friedhofsausschuss, zu dem noch zwei weitere Mitglieder gehören. Schnell haben sie festgestellt, dass es auf dem Friedhof einige „Baustellen“ gibt. Die erste, die Sanierung der Kapelle, ist bereits abgehakt. Jetzt wollen sich Thalmann, Klautmann und Kleinschmidt dem nächsten Projekt widmen und nach und nach umsetzen, was Architektin Stoffers nach einer gemeinsamen Friedhofsbegehung vor einem Jahr erarbeitet hat.

Dabei spielen die Zeichen der Zeit eine große Rolle. Nach den Erfahrungen des Ausschusses sind die klassischen Familiengräber immer weniger gefragt, Urnengräber dafür umso mehr. Aktuell gibt es die Möglichkeit, Urnen im Urnenfeld auf einer Wiese oder in normalen Gräbern beizusetzen. Die neuen Bereiche sollen nicht, wie üblich, viereckig sein, und die Urnen können dort in verschiedenen Konstellationen untergebracht werden, beispielsweise einzeln, mit vielen anderen, in Zweier- oder Familienkonstellationen. Es gebe auf dem Friedhofsgelände viele freie Flächen, die man dafür nutzen könne, sagt Klautmann.

„Des Weiteren soll der Friedhof insgesamt parkähnlicher aussehen, wir wollen mehr Bäume pflanzen und, je nach Beschaffenheit des Bodens, themenbezogen arbeiten“, ergänzt sie. „Wir haben zum Teil Sandboden, da möchten wir Rosenbüsche pflanzen, und auf den feuchten Stellen könnte Rhododendron wachsen.“ Ulrike Thalmann, die Leiterin des Friedhofsausschusses, erklärt: „Wir möchten, dass der Friedhof eine Begegnungsstätte für die Menschen ist, dass er ansprechend aussieht und dass die Leute gerne herkommen. Und natürlich sollen die Trauernden hier einen Platz haben.“

Die Zugänge sollen künftig an Alleen erinnern – mit Eichen, Ginkgos, Blutbuchen, Kiefern, Zierapfelbäumen und japanischen Kirschen. „Die Bäume können zusammen eine Art Bedachung bilden“, sagt Hanna Klautmann.

Das Konzept sieht Veränderungen auf der gesamten Fläche vor. Als erstes will sich der Ausschuss den alten Bereich des Friedhofs vornehmen, auf dem es besonders viele Freiflächen gibt. Als ein weiteres „Problemfeld“ bezeichnet Klautmann den Rasenbereich am Vilser Holz, der zurzeit sehr ungepflegt aussehe: Auch dort seien Bepflanzungen geplant. Der kleine Platz an der Kapelle soll neu gepflastert und bepflanzt werden, und überall auf dem Friedhof sind weitere Sitzbänke vorgesehen.

Tafel für Kinder von Zwangsarbeitern geplant

Wer unter einem großen Baum begraben werden möchte, der soll dazu in Zukunft die Möglichkeit haben. Überhaupt zeigen sich die Beteiligten flexibel: „Bei besonderen Wünschen versuchen wir, die passende Form zu finden“, sagt Kleinschmidt. Friedhofswärter Alfred Ravens sei da ein sehr offener, sensibler Ansprechpartner.

Wann das fast 50000 Euro teure Konzept umgesetzt werden kann, hängt von der Finanzierung ab. „Leider ist der gesamte Etat des Friedhofs für die Sanierung der Kapelle draufgegangen“, sagt Klautmann. Thalmann fügt hinzu: „Der Friedhofshaushalt muss sich selbst tragen und ist von der Zahl der verkauften Gräber abhängig.“ Deshalb hoffen die Frauen auf möglichst viel Unterstützung von außerhalb. Die politische Gemeinde habe schon ein erstes positives Signal gegeben, sagt Klautmann. Des Weiteren sucht der Ausschuss „Baumspender“, die einen bestimmten Betrag für den Kauf und das Pflanzen eines Baums beisteuern, zum Beispiel 25 Euro für einen Rosenbusch sowie mindestens 60 Euro für einen Baum.

Unabhängig von dem Konzept haben die Ausschussmitglieder noch ein weiteres Ziel vor Augen: Sie wollen einen Gedenkstein für die verstorbenen Kinder von Zwangsarbeitern aus dem Zweiten Weltkrieg aufstellen. „In Oerdinghausen gab es ein Heim, in dem die Kinder untergebracht waren“, sagt Thalmann. „Einige Säuglinge sind gestorben und wurden irgendwo hier auf dem Friedhof verscharrt. Keiner weiß, wo genau.“ Archivar Karl Sandvoß habe die Namen der acht Kinder, die 1944 und 1945 gestorben sind, herausgefunden. „Wir haben eine Verantwortung für dieses Thema und möchten den Kindern ein Stück der Würde zurückgeben, die ihnen genommen wurde“, sagt Thalmann. Gleichzeitig wollten auch die Oerdinghäuser eine Gedenktafel an dem Platz aufstellen, an dem sich einst das Heim befand. „Wir werden uns nun einen Kostenvoranschlag besorgen“, erklärt Klautmann. Auch in Sachen Gedenkstein hoffe man auf eine Finanzspritze der politischen Gemeinde. Der Stein soll am Weg von der Kapelle zum Ostausgang des Friedhofs stehen – „dort, wo viele Menschen vorbeikommen“.

Und noch ein Thema liegt den Frauen am Herzen: Sie haben am Eingang der Kapelle einen Spendenkasten für den Erhalt der Orgel aufgehängt. „Die Orgel muss dringend überarbeitet werden“, sagt Thalmann. Sie ist unter Telefon 04252/652 oder E-Mail r.thalmann@ t-online.de zu erreichen.

Infoabend:

Bei einem Informationsabend am Dienstag, 1. September, stellt der Friedhofsausschuss sein Konzept vor. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Vilser Gemeindehaus. Alle Bürger sind willkommen, sie können auch Kritik und Anregungen äußern.

mah

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

Meistgelesene Artikel

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Fahrt in den Straßengraben endet glimpflich

Fahrt in den Straßengraben endet glimpflich

Kommentare